Den "Kleinen Mann" habe ich schon als Kind geliebt. Hier verbinden sich Aufregendes, Verrücktes und vor allem auch tief menschliches zu einem Vollgenuss für Jung und auch Alt. Ich lese das Buch gerade meinem Sohn (10 Jahre) vor, er ist selber kleiner als seine Altersgenossen und findet im kleinen Mann einen guten Freund. Kästner scheut sich nicht, auch schwierige menschliche Themen und Schmerz von Kindern anzusprechen. Mäxchens Eltern sind, als er noch klein war, vom "Winde verweht" worden (ein kindgerechtes Bild vom Sterben). Seitdem übernimmt Jokus von Pokus (die Sprachspiele sind göttlich!) die Fürsorge von Mäxchen. Sehr anregend ist auch, dass Jokus eine Doppelrolle hat: Er sieht dem Autor im Buch zum Verwechseln ähnlich, ist also das Alter Ego Kästners, ein Spiel mit Realität und Fiktion, die Kinder sehr lieben und sie fördert.
Die Geschichte spielt im Zirkusmilieu, eine Welt, in der Fantasie und Zauberkunst die Kinder verzaubern.
Kästners Sprache empfinde ich gerade heute als etwas kostbares. Manche altmodischen Worte sollte man als Eltern vielleicht erklären, aber gerade das fördert den (Vorlese-) Spass und die Kinder bekommen noch ein wenig aus " der alten Welt" mit.
Am Anrührendsten ist wohl die Liebe zwischen Jokus von Pokus und seinem Ziehsohn, eine tiefe Verbindung, auch ohne Blutsverwandtschaft.
Kästner bietet eine Schatz an Menschlickkeit, Fantasie und sprachlicher Qualität, die positive Spuren in den Herzen der Leser hinterläßt.