DER KLEINE MANN ist eine im Fernsehen leider etwas untergegangene Comedyserie aus dem Jahr 2008. Mit Bjarne Mädel (alias Ernie Heisterkamp) und Ralf Husmann (Produzent & Autor) wirken zwei aus der Serie Stromberg bestens bekannte Personen mit, vielleicht wird DER KLEINE MANN auch deswegen mitunter mit Stromberg verglichen.
Dieser Vergleich hinkt allerdings extrem, die Serien unterscheiden sich in Punkto Aufbau und Erzählart enorm - obwohl diejenigen, die über den aus dem Leben gegriffenen Humor von Stromberg lachen können dieser Serie unbedingt mal eine Chance geben sollten.
Inhaltlich geht es um den von Bjarne Mädel gegebenen Elektrofachverkäufer Rüdiger Bunz (welcher wesentlich sozialkompetenter und viel normaler als Ernie Heisterkamp ist!), der durch eine Verkettung von Zufällen plötzlich als Werbestar eine Art C-Promi wird und damit verzweifelt versucht klarzukommen. Im Endeffekt läuft in dieser Serie viele Situationskomik auf den Fakt heraus, das Bunz tatsächlich ein ganz normaler Kerl ist, während der Rest der Besetzung mehr oder weniger durchgeknallte Figuren spielt... bis auf Bunz (und, mit ein paar Abstrichen, seine Ehefrau Sylvia) hat nahezu jeder andere einen erheblichen Dachschaden. Rüdiger Bunz versucht bei all dem Irrsinn um ihn herum von Folge zu Folge, es einerseits jedem Recht zu machen und andererseits normal zu bleiben... was zu immer schrägeren Kapriolen führt.
Ein wichtiger Ansatz für den Humor der Serie ist, das Rüdiger Bunz zwar nicht mit sonderlich viel Selbstbewusstsein, aber mit einer Menge gesundem Menschenverstand ausgestattet ist - wohingegen die meisten Personen um ihn herum sich zwar wahnsinnig aus dem Fenster lehnen und alles besser wissen, meistens aber völlig katastrophale und dämliche Ideen haben. Hieraus entwickelt sich häufig eine himmelschreiende Situationskomik.
Sicherlich: die Serie ist nicht unbedingt auf einen Schenkelklopfer pro Minute angelegt - wer richtige Krawall-Comedy sucht ist hier eher falsch. DER KLEINE MANN ist eher subtiler und mitunter eher tragisch.
Die Inszenierung des Ganzen ist hervorragend - Bjarne Mädel gibt den Rüdiger Bunz sehr überzeugend, und tatsächlich muss man bei seinem Spiel kaum an Ernie Heisterkamp denken. Bunz ist eine fast tragische Gestalt, die es grundsätzlich jedem Recht machen möchte und nur ihre Ruhe haben will - und genau dadurch meistens in reichlich haarige und peinliche Situationen hereingezogen wird.
Aber auch der Rest der Besetzung überzeugt sehr, vor allem Karoline Eichhorn ist großartig als Werbeexpertin Lydia, deren oberflächliches Dauergequatsche voller sinnlosester Phrasen und absolut rücksichtslose Art von ihr in jeder Hinsicht glaubhaft und abschreckend gegeben wird - das Lydia hierbei auch noch reichlich inkompetent ist versteht sich von selbst. Ähnlich gut auch noch Karl Kranzkowski als grantiger Chef Herr Gumprecht oder Florian Lukas als Kollege Jürgen, der in jeder Hinsicht das völlige Gegenstück zu Rüdiger Bunz ist und einen Großteil aller Blamagen verursacht.
Schön ist zu sehen, dass die Serie mit reichlich Bonus-Material daher kommt - das Angebot ist um Welten reichhaltiger als z.B. bei der aktuellen Stromberg-Staffel, es gibt reichlich Audiokommentare und ein ganzes Special obendrauf.
Alles in allem eine wirklich lustige und empfehlenswerte Serie!