Inhalt:
"Der kleine König von Bombay" ist ein ganz besonderes Buch. Darin erzählt der kleinwüchsige Arzee seine Geschichte. Mal fühlt er sich groß wie ein König (meist bei seiner Arbeit als Filmvorführer in einem Kino) und dann plötzlich wieder ganz klein und arm wie ein Bettler, umgeben von einer großen, dunklen Stadt mit vielen fremden und "wilden" hektischen Menschen, die nur nach Geld zu streben scheinen. Und dann ist da noch die Liebe. Eine Liebe, die nicht erwidert wird - oder etwa doch? Am Ende des Buches erfährt Arzee ein Geheimnis über sein Leben. Danach ist nichts mehr wie es war.
Meine Meinung:
Das Buch ist mir durch die warmen Farben des Covers aufgefallen. Es wirkt teils märchenhaft, teils romantisch und ist noch so viel mehr als dies.
“Der kleine König von Bombay” ist eines der wenigen Bücher, die ich zweimal gelesen habe. Einmal zügig, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Geschichte ausgeht. Danach noch einmal so richtig zum genießen. Es enthält Sätze voller Leben und tiefen Gefühlen. Auch kann man einiges “zwischen den Zeilen” lesen. Ich konnte es nicht nur inhaltlich, sondern auch literarisch genießen. An vielen Stellen sagt ein Satz in Choudhurys Roman mehr aus, als eine halbe Seite in manch anderen Büchern. Z.B.: “Und dann schloß sich die Tür langsam vor diesem Lächeln, und Arzee stand draußen.” (S. 169) Bilder, Emotionen und ein Stück Lebensgeschichte - alles in einem Satz!
Chandrahas Choudhury kommt mit wenigen Protagonisten in seinem Roman aus. Dadurch entsteht keine Verwirrung. Seine Charaktere sind so gezeichnet, dass man sie beinahe bildhaft vor sich sieht und ihr Denken und Handeln erahnt. Dennoch wirkt die Geschichte nicht vorhersehbar. Der Leser wird immer wieder überrascht.
Arzee wirkt lebensnah, bringt echte Gefühle rüber, wie die Angst die ihn lähmt und Probleme, die zunächst unlösbar scheinen. Aber er meistert sein Leben auf seine Weise und nimmt den Leser mit hinein in diese bewegenden Augenblicke. Es wird wohl kaum einen Leser geben, der sich nicht irgendwo selbst wiederfindet. Ich kann den Kommentar auf der Buchrückseite bestätigen: “Mit Worten zaubert er (Arzee) bewegende Augenblicke hervor, macht den Leser zu einer Hauptfigur in seiner Geschichte.” (Hindustan Times) Diese Worte haben auch mich bewegt, als würde mir dieser kleinwüchsige Held wie ein guter Freund gegenübersitzen. Er nahm mich mit hinein ins Reich seines Lebens und seiner Phantasie. Arzees Geschichte ist voller Turbulenzen, Turbulenzen wie im wirklichen Leben.
Anfangs erschien Arzee mir fremd und unverständlich, aber dann ist er mir mit seiner besonderen Art immer mehr ans Herz gewachsen. Vielleicht steckt ein Stück Arzee in jedem von uns?? Am Ende des Buches lebt Arzees Geschichte im Leser weiter. Das Buch hat mich teilweise an “Der kleine Prinz” von Antoine de Saint Exupery erinnert und wird mir noch lange in guter Erinnerung bleiben. Ich kann es mit gutem Gewissen weiterempfehlen und möchte gern mehr von Chandrahas Choudhury lesen.
Meine Lieblingstextstelle:
“Ich war so unglücklich, so verzweifelt, so niedergeschlagen! Aber jetzt bin ich im Frieden, jetzt bin ich stark, weil ich mein Scheinleben hinter mir gelassen habe.” (S.220)
(Es fiel mir schwer, mich für nur eine Lieblingstextstelle zu entscheiden)
Fazit:
“Der kleine König von Bombay” ist ein Buch, welches seine Leser bewegt und inspiriert. Ein warmherziges Buch mit Tiefgang. Am Ende lebt Arzee im Leser weiter.