Mein Buch ist von 2009. Damit verband ich die Hoffnung, dass hier endlich mal neue Erkenntnisse eingeflossen sind, zumal das Buch ja angeblich von einem Ex- Oberarzt für Kinderpsychiatrie geschrieben wurde.
Leider Fehlanzeige! Denn der Leser ist mit diesen Erwartungen sehr entttäuscht von diesem Büchlein! Mal abgesehen vom Äußeren - keine Fotos, Abbildungen, Schautafeln, nichts! (außerordentlich billig gemacht) - bietet das Buch kaum Anregungen oder gar Hilfen für Leute, die (in)direkt mit der ADHS- Problematik betroffen sind! Gerade von einem ehemaligen Oberarzt der Kinderpsychiatrie hätte man doch wesentlich mehr erwarten können!
Das Buch bietet nichts außer völligen, längst bekannten Verallgemeinerungen und z.T. Bestätigungen von VOrurteilen, die diesem schwierigen Thema nciht gerecht werden.
Ich hatte gehofft, dass ich hier noch etwas über die i.d.R. auch relativ dürftigen Internet- Informationen zum Thema dazulernen würde. Leider völlige Fehlanzeige!
Ziemlich schwach sind die Fallbeispiele des Autors, die "Therapie" ist gänzlich misslungen. Insgesamt geht der Autor hier von prinzipieller Gutmütigkeit bei den Kindern aus, und dass es daher reichen würde, sie mit der "sanften Hand" anzfassen/ zu erziehen. Daber enthält er dem Leser aber vor, dass ADHS- Kinder oft schon sehr früh extrem schwierig sind, die die Gutmütigkeit der Eltern völlig überfordern, bis dass diese nicht selten vor dem Nervenzusammenbruch stehen. Und gerade solche Eltern werden sich ja an "hilfe", die sie sich bei diesem Buch ja erhoffen, wenden wollen! Der Autor aber bietet hier nur außerordentlich "softe" Lösungen für "softe" Probleme!
Dabei bekommt der Leser einen unterschätzenden Eindruck dieses Problems, etwa wenn der Autor beschwichtigend von sich gibt, dass sich die ADHS zwar nicht "auswachsen" würde, jedoch beim älter werden kontrollierter werden würde, schon alleine, weil es in der Natur des Menschen liegen würde, dass der Bewegungstrieb mit zunehmendem Alter nachlassen würde.
Auch scheint der Autor eine seiner Hauptanliegen darin zu sehen, die "positiven Seiten" einer ADHS zu zeigen: Phantasie, Kreativität, und fordert seine LEserschaft dazu auf, ihr Kind mit seiner Störung positiv zu sehen. Das ist ja schön und gut; nur werden die Probleme der betroffenen Eltern mit ihrem Kind dadurch auch nicht geringer. Und als "Therapie" kann man das schon mal gar nicht ansehen! - Der Autor sollte sich mal stattdessen fragen, warum die betroffenen völlig überforderten Eltern eine Therapie für ihr Kind wünschen!
Auch auf die gefürchtete weitere Entwicklung des Kindes wird nicht weiter eingegangen. Die Entwicklung der ADHS- Problematik des ADHS- Kindes bleibt bei diesem Autor hier weitgehend im Kleinkindalter stehen. Und nur an diese richtet sich der Autor mit diesem Büchlein wirklich!
Ansonsten hätte der Autor durchaus mal die sehr vielen "bösen" Beispiele von ADHS- Kindern aufzeigen können, die häufig eine sehr oppositionelle Entsicklung machen, in bestimmte "Milieus" abdriften, häufig durch kriminelles und unangepasstes Verhalten und Drogen-/ Suchtproblematiken auffallen! Doch diese Gefährdungen erwähnt der Autor nicht, sie scheinen gar nicht in seinem Horizont zu liegen. - Und somit gibt der Autor auch keine "therapeutischen Ratschläge" im Hinblick auf diese Probleme, bzw. gibt keine erzieherischen Tipps speziell für die o.g. Verhaltens (- abweichungen)!
AUch für Anfänger der Thematik/ Problematik genügt das Buch nicht, weil die Betroffenen kein richtiges Bild vom ganzen (möglichen) Ausmaß der Problematik erhalten! Denn der Leser bekommt den Eindruck, dass ADHS eine relativ harmlose, liebenswürdige Schwäche von liebenswerten, phantasievollen, kreativen Kindern ist. Dabei läuft der Leser Gefahr, die Problematik ganz beträchtlich zu unterschätzen!
Im Prinzip verdient dieses Buch daher nur ein Wort als Beurteilung: SCHWACH!
(eine Schande, dass so etwas von einem Fachmann auf diesem Gebiet veröffentlicht wurde!).