Die Thematik der Mutterprobe mit dem Kreidekreis hat Brecht offenbar stark beschäftigt. Der kaukasische Kreidekreis" ist die bekannteste Verarbeitung des Themas, aber auch die Erzählung Der Augsburger Kreidekreis" aus den wunderbaren Kalendergeschichten darf in diesem Zusammenhang nicht ungenannt bleiben.
Erzählt und verquickt werden in diesem Drama zwei Geschichten, die der Dienstmagd Grusche, die in einem revolutionären Aufstand das zurückgelassene Kind der Gouverneursfrau rettet und es anschließend nicht mehr hergeben will, und die des Armeleuterichters Azdak.
Das Stück, eines der späteren Werke Brechts, wird häufig in einem Atemzug mit den großen Dramen des Autors, der Mutter Courage", der Dreigroschenoper" oder dem Galilei", genannt. Meiner Meinung nach hält es dem Vergleich mit diesen großartigen Stücken jedoch nicht stand. Trotz gelungener Szenen und der interessanten Thematik hat dieses Stück auf mich sowohl im Theater als auch jetzt beim Lesen keinen großen Eindruck gemacht. Schon die Verbindung der Richter- und der Muttergeschichte halte ich für keine besonders gelungene Idee. Nichtsdestoweniger bleibt die Tatsache, dass der Autor dieses Stücks nun mal der große Bertolt Brecht war und ein mittelmäßiges Stück eines genialen Autors ist immer noch besser als ein gutes Stück eines mittelmäßigen Schriftstellers. Ich rate von der Lektüre dieses Werkes nicht ab, aber ich würde jenen, die sich noch nicht intensiver mit den Stücken Brechts beschäftigt haben, zum Einstieg eher die oben genannten Dramen empfehlen.