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Inzwischen hat sich Frank aus gesundheitlichen Gründen vom Dienst freistellen lassen und schreibt Kriminalromane. Er und Cressida haben eine gemeinsame Tochter, und auch der inzwischen volljährige Gil scheint die fürchterlichen Ereignisse vergessen zu haben. Cressida kehrt nach vier Jahren, in denen sie ihren todkranken Vater in England gepflegt hat, wieder nach Dublin zurück, und die Familie versucht sich erneut zusammenzuraufen. Doch die Reporterin einer Boulevardzeitung sieht in dem zehn Jahre zurückliegenden Mordfall einen gelungenen Aufmacher für eine reißerische Serie. Alte Wunden brechen auf und Dinge kommen ans Licht, die besser verborgen geblieben wären.
Auf dem Titelbild von Der irische Inspektor ist eine idyllische Szenerie mit grünen Wiesen und gischtenden Wellen zu sehen -- doch der romantische Eindruck täuscht. Der Roman erzählt die bittere Geschichte einer Familie, die von ihrer Vergangenheit heimgesucht wird, von Eltern, die ihren Kindern nur die halbe Wahrheit erzählen, und von einer preisgekrönten Journalistin, die über Leichen geht. Obwohl das Buch als Fortsetzung von Die Frau auf dem Wasser konzipiert ist, steht und wirkt es für sich. Gemma O'Connor hat einen psychologischen Thriller abgeliefert, den niemand so leicht wieder aus der Hand legen wird. --Hannes Riffel
"Der irische Inspektor", der Titel, der so gut oder schlecht passt wie viele andere auch, ist wenig aussagekräftig. Der Roman, der sich dahinter verbirgt, ist schwer einzuordnen, wenn man eine bestimmte Schublade im großen Krimi-Genre sucht. Ein Psychothriller? Nein, auch wenn der Verlag die Bücher von Gemma O'Connor dort vielleicht gerne sähe. Whodunit - wer hat die Amerikanerin umgebracht? Die Zahl der Verdächtigen hält sich allerdings in Grenzen. Wir haben hier keinen typischen Krimi, bei dem man die Ermittlungen verfolgt. Frank, der einzige Polizeibeamte, der dabei eine größere Rolle spielt, übt seinen Beruf nicht mehr aus. Gil will einfach nur wissen, was damals passiert ist. Dabei erfährt man auch nach und nach, was für Auswirkungen der Todesfall auf die Familie hatte. Von drei Seiten nähert man sich als Leser dem Mittelpunkt. Jedes Kapitel beginnt mit einer E-mail-Korrespondenz zwischen zwei Journalisten, die eine Serie über ungeklärte Mordfälle herausbringen wollen. Einige Kapitel werden dann fortgeführt unter der Überschrift "Gil". Hier wird aus Sicht des Jungen geschildert, was er alles in Erfahrung bringt bzw. woran er sich erinnert. Und der Großteil der Geschichte wird wie in den meisten Fällen üblich aus Sicht eines Dritten erzählt. Das bringt Abwechslung, auch wenn es immer wieder ein wenig Umstellung erfordert.
Dass die Inhaltsangabe so knapp ausfällt, liegt daran, dass wirklich nicht mehr passiert. Eine ausführlichere Darstellung ist nicht möglich, da die Geschichte nicht mehr hergibt, sonst würde man zuviel verraten. Dennoch, die Lektüre ist nicht uninteressant, recht spannend und auch gut zu lesen. Gemma O'Connor vermag mit ihrer detaillierten Schilderung aus allen Blickwinkeln durchaus zu fesseln und zudem kann man sich gut in die Personen hineinversetzen. "Der irische Inspektor" ist kein Knaller, den man unbedingt gelesen haben muss, aber trotzdem ganz entspannende Unterhaltung.
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