Ray Bradbury ist einer der namhaftesten Autoren der SF, doch er beschäftigte sich seltener mit fremden Welten und unbekannten Lebensformen oder futuristischer Technik, stattdesser betonte er stets die menschliche und moralische Komponente, benutzt die Zukunft als Metapher oder stellte satirische Betrachtungen über Verhaltensweisen an. "Der illustrierte Mann" ist eine der bekanntesten Sammlungen, da auch verfilmt mit Rod Steiger und weist sogar eine (titelgebende) Rahmenhandlung auf, die aber nicht wirklich von Bedeutung ist, sondern nur eine Klammer bietet, die beweist, was für ein "Tier" doch der Mensch ist.
Die SF-Komponente, Raumschiffe und ferne Planeten (allesamt in unserem Sonnensystem) ist natürlich inzwischen total veraltet, denn alle Geschichten entstanden vor 1951, aber das mindert die Wirkung keineswegs. Das Highlight erzählerischer Natur ist fast schon der Starter "Das Kinderzimmer", eine beklemmende Utopie über Unterhaltungselektronnik, "Die andere Haut" ist eine, ein wenig in den Gelenken quietschende satirische Idee über den alltäglichen Hautfarbenrassismus, "Die Landstraße" packt das Problem Atomkrieg von einer ungewöhnlichen Seite.
Ansonsten ist die Religiosität ein stets betontes Thema, wenn Jesus etwa auf fernen Planeten gefunden wird ("Der Mann"), neue Sünden auf dem Mars gesucht werden, wo keine mehr sind ("Die Feuerballons"), die Existenz des Seins selbst in Frage gestellt wird ("Kein Abend, kein Morgen...").
Aber manchmal sind die Geschichten auch nur in sich boshafte Vignetten über das Menschsein, in Form einer fressenden Stadt ("Die Stadt"), einer neuen Art, der Beziehungsmüdigkeit zu entgehen ("Marionetten Inc.") oder mal wieder den Kindern, denen Erwachsene nicht genug Aufmerksamkeit schenken ("Stunde Null").
Zwei Geschichten ragen sonst noch aus der hohen Qualität heraus: die gefühlvoll-traurige Abhandlung "Der Raumfahrer" über die Macht der fernen Sterne, ohne die man nicht kann, selbst wenn man gern bei den Lieben daheim wäre und der Klassiker "Die Verbannten", eine phantastische Idee, in der sich längst verstorbene Autoren des Schreckens wie Poe, Bierce oder Shakespeare auf einem fernen Planeten mittels ihrer Geschöpfe der Phantasie gegen eine Raumschiffbesatzung wehren, die sich ihrem Heim nähert.
Insgesamt eine hervorragende Mischung aus Menschlichkeit und Phantastischem, die nachdenklich macht und rundweg unterhält.