Theißen und Merz haben, das steht außer Frage, das zur Zeit geeignetste Lehrbuch geschrieben, mit dem sich der Student für das Examen vorbereiten kann. Es gibt umfassend bisherige Jesusbilder und Etappen der Forschung wieder und regt zur eigenen Lektüre an.
Hätten sich die Autoren darauf beschränkt, wären ihnen fünf Sterne zu geben. Dabei bleibt es aber nicht. Am Ende eines jeden Kapitels stehen eine Zusammenfassung und Aufgaben, in denen die tendenziöse Absicht des Buches zu Tage tritt. Recht deutlich wird das, wenn in den Aufgabenteilen eine andere Meinung präsentiert wird und die Aufgabe dann lautet: "Was können Sie dieser Deutung methodisch und inhaltlich entgegenhalten?" Die von Theißen / Merz gebotenen "Lösungen" bieten dann in der Tat nicht mehr, als deren eigene Meinung, die bei weitem nicht immer common sense ist.
Dazu gehören die völlig unkritische Übernahme rabbinischer Quellen aus dem zweiten Jahrhundert (oder noch später), deren Aussagegehalt für den historischen Jesus mit Recht angezweifelt werden kann. Dazu gehört die Abqualifizierung der amerikanischen Jesus-Forschung mit wenigen plakativen Sätzen, ohne eigene Argumente zu bringen. Und schließlich: die von beiden gebotene These, Jesus völlig in das zeitgenössische Judentum aufzulösen, vermag es kaum, zu erklären, warum dann aus der Bewegung um Jesus eine eigene Religion entstand - irgendetwas Eigenes, Besonderes muss Jesus doch wohl gelehrt haben - oder?
Schließlich - als Entscheidungshilfe für Käufer: Das Buch ist ein Lehrbuch, d.h. es ist für Studenten in der Examensvorbereitung geschrieben. Es setzt ein gewisses theologisches Wissen voraus. Wer sich als Nichttheologe für Jesus interessiert, für den ist das Buch gänzlich ungeeignet. Zu empfehlen sind dann die Bücher von Bultmann und Crossan, die beide zusammen das Spektrum der Jesusforschung in ihrer gesamten Bandbreite verdeutlichen.