Das Buch versucht den Nachweis zu führen, dass praktisch das ganze Leben Jesu der Ägyptischen Mythologie entspringt.D a es sich beim Autor Harpur um einen ehemaligen anglikanischen Priester und Universitätsdozenten handelt, hatte ich gehofft auch ein (relativ) wissenschaftliches Buch zu erwerben, doch leider wurde diese Erwartung nicht erfüllt.
Seine beiden Hauptquellen sind Alvin Boyd Kuhn (1880 -1963) und Gerald Massey (1828 - 1907). Ersterer wird ausgiebig zitiert, allerdings praktisch immer ohne Angabe aus welchem seiner Werke das Zitat entnommen wird und nie mit Seitenangabe, was ein Nachprüfen bei den zahlreichen Veröffentlichungen Kuhns nahezu unmöglich macht.
Primärquellen, also Ägyptische Texte, werden sehr selten zitiert. Meist wird unter voller Zustimmung schlicht und einfach Kuhns Ansicht zu einem bestimmten Thema wiedergegeben. Beim überwiegenden Teil der angeblichen Parallelen zwischen Jesus und Horus/Osiris wird nur gesagt: "Es ist so." oder "Kuhn sagt: Es ist so." Argumente und Belege findet man selten (vgl. S. 251 - 256). Manchmal werden Herleitungen geliefert, die aber nicht wirklich überzeugen können, z.B. soll auf den Seiten 165-169 gezeigt werden, dass die Jesus-auferweckt-Lazarus-Erzählung nur ein Plagiat aus der Ägyptischen Mythologie darstellt. Hierzu wird Lazarus folgendermaßen mit Osiris identifiziert:
"Sie sagten also >>der Osiris<<, was gleichbedeutend war mit >>Herr Osiris<<. Als die Hebräer den Namen des Osiris bzw. des Herrn Asar übernahmen, benutzten sie das hebr. Wort für >>Herr<<, el: also El-Asar. Die Römer hängten später an die meisten Männernamen [...] -us an. So ergab sich El-Asar-us. Im Laufe der Zeit >>schliff<< sich der Anfangsbuchstabe E >>ab<< und aus dem s in Asar wurde ein z." (S. 166f)
zu einer derartigen Kette kann man nur kommen, wenn man die Identität Osiris <-> Lazarus voraussetzt. Ein Beweis ist es sicher nicht.
Ansonsten besteht der Rest des Buches vor allem aus Huldigungen Kuhns und der immer wiederkehrenden Behauptung, die gesamte Bibel sei allegorisch zu verstehen (Die auführliche Erklärung auf S. 29 - 41 hätte durchaus genügt). Im Prinzip läuft nach Harpur praktisch jedes Jesusgleichnis darauf hinaus uns mitzuteilen, dass jeder von uns einen göttlichen Jesus in sich hat. Esoterik ja, Wissenschaft nein.
Vom Inhalt her ein denkbar schwaches Buch, das auch sprachlich nicht überzeugen kann. Ständige Wiederholungen (Jesus in uns, allegorische Deutung, Bücherverbrennungen der frühen Kirche) nerven beim Lesen irgendwann und bremsen den sowieso schon stockenden Lesefluss.