Der Ich – Erzähler Francois Seurel erzählt rückblickend seine Freundschaft mit Augustin Meaulnes, den er bis zuletzt bewundert trotz allem, was er wegen ihm leiden musste. Seurel lebt im Hintergrund, er setzt keine Akzente und trifft kaum Entscheidungen sondern lässt sich vielmehr von anderen treiben. Egal ob als Schüler, wo er sich Meaulnes anschließt, um einen Freund zu haben oder als Erwachsener, der als einsamer Dorflehrer arbeitet und nicht fähig ist eine eigenständige Existenz aufzubauen. Ganz im Gegensatz dazu steht Meaulnes, ein großer, selbstsicherer Bursche, der weiß was er will und der seinen Träumen nicht nur nachhängt, sondern auch versucht sie zu verwirklichen. Als er sich als Schüler auf dem Weg zum Bahnhof verirrt, trifft er auf ein abgelegenes Schlösschen, in dem eine Hochzeit vorbereitet wird. Dort lernt er die Liebe seines Lebens kenne, doch findet er in den darauffolgenden Jahren nicht zu dem Schlösschen zurück. Meaulnes Leben wird eine einzige Suche, er entscheidet für sich alleine was er macht und wann er es macht, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen. Und zurück bleibt immer Seurel, der keine Abenteuer sucht, sondern bloß ein unaufgeregtes, ruhiges Leben wünscht.
Alain-Fournier hat in seinem einzigen Roman, bevor er in Verdun gefallen ist, ein traurige Geschichte gezeichnet, über Liebe, Betrug, Erwachsenwerden und Kindsein. Seine Helden sind alle gefangen in gesellschaftlichen Vorgaben und beruflichen Zwängen. Der Träumer Meaulnes wird, obwohl er versucht eigenständig zu sein vom Leben Hin und Her geworfen und findet keine Ruhe, da alles, was auf ihn einwirkt, ihn auch in Bann zieht. Und die rätselhafteste Figur des Romans, Frantz, der Bruder von Meaulnes späterer Frau Yvonne, taucht wie Peter Pan immer wieder auf um die erwachsen werdenden Protagonisten an ihre Jugend zu erinnern. Wie ein Gespenst des jugendlichen Glücks wandelt Frantz durch den Roman, ein Schatten einer Zeit, die längst vorbei ist, aber nicht aufgegeben werden will.
„Der große Meaulnes“ ist zu Recht ein Klassiker und gehört in die gleiche Klasse wie „Peter Pan“, „Kinder der Nacht“ oder „Alice im Wunderland“, ein Buch, dass die Geheimnisse des Älterwerdens beleuchtet und schonungslos aufzeigt.