Viel wird geschwärmt von diesem wirklich ausserordentlich umfangreichen Buch, dem "Standardwerk für Küche, Kochkunst, Esskultur". Es muss allerdings betont werden, dass sich dieses Buch sehr stark der französischen Küche widmet und andere Länder vergleichweise kurz kommen.
Der Inhalt richtet sich an fortgeschrittene oder einfach sehr wissbegierige Kochbegeisterte. Es ist wirklich schön und inspirierend, einfach mal herumzublättern und zu sehen, welche Fülle an Möglichkeiten es gibt und welche Kunst dahintersteckt! Allerdings kann es zu Beginn schwierig sein, mit der Gliederung zurechtzukommen. Auf der Suche nach dem Rezept für Mürbeteig konnte ich zwar sehr schnell die Lebensläufe bekannter Köche finden, nicht aber die Zubereitung selbst. Dies ärgert umso mehr, als dass in einem Rezept (Alcazar-Kuchen,S.501) der Teig verarbeitet wird und es an dieser Stelle keinen Hinweis gibt, wo man die Zubereitung nachlesen kann.
Die Gliederung des Rezeptregisters in Rubriken und Unterklassen erachte ich als sehr schön gemacht und es eindrücklich, welche Systematik hier die französische Küche hervorgebracht hat. Allerdings wäre eine alphabetische Ergänzung sehr wünschenswert, zumal der Hauptinhalt des Buches ebenfalls alphabetisch gestaltet ist. Unter der Rubrik "Desserts" finden sich ganze 9 Klassen, z.B. Beigneets, Crêpes und Waffeln; Patisseriecremes; Desserts mit Schokolade; Süssspeisen; Patisserie; etc. Aber weder in dieser Rubrik noch im Sachverzeichnis lässt sich der Begriff Mürbeteig finden.
Fündig wurde ich dann unter dem Buchstaben T bei "Teige für Küche und Patisserie", S. 857. Leider fehlt jegliche Angabe, welche Menge dieses Rezept ergibt - 1 Blech, 1kg? Mit Erfahrung kann man dies zwar in etwa abschätzen, eine konkrete Angabe gehört aber auch hier schlicht zum guten Ton! Übrigens ist der Mürbeteig im Sachverzeichnis unter der Rubrik Grundrezepte aufgelistet.
Einige Begriffe sind wiederum durch neue erklärt, wodurch sich das Nachlesen immer mehr in die Länge zieht. Im oben genannten Rezept kommt beispielsweise der Begriff "Manqué-Form" vor - wer nicht weiss, was darunter zu verstehen ist, wird es hier leider auch nicht nachlesen können. Insgesamt könnte ich mir vorstellen, dass viele Punkte im Original besser sind. Oft hatte ich den Eindruck, hier wollte der Verlag die aufwendige Übersetzung möglichst schnell hinter sich bringen.
Zusammenfassend:
+ sehr ausführliche Einträge zu Zubereitungsarten und -techniken, Zutaten, Klassikern
- praxisferne Gliederung der Verzeichnisse
- keine Mengenangaben bei Grundrezepten
- z.T. fehlende Erklärung oder "Leselink" zu Begriffen innerhalb von Rezepten
Wer auf der Suche nach einem fundierten Buch zur französischen Küche ist, liegt goldrichtig, solange er oder sie bereit ist, über die etwas praxisferne Handhabung und elitäre Art hinwegzublicken.