Warum noch eine, wenn es schon 29 Rezensionen gibt?
Ich möchte mich auf einige Gesichtspunkte konzentrieren, die in den bisherigen Besprechungen keine große Rolle gespielt haben. Was wird hier eigentlich erzählt, abgesehen vom bloßen Referieren des Inhalts?
Dieser Roman kommt als opulente Familiensaga (800 S. Umfang) daher, die die 10-15 Jahre erzählt, in denen die Kindergeneration mit Beginn der Schulzeit heranwächst; zunächst in einer ländlichen Idylle, dann gebeutelt von Schicksalsschlägen, Pubertätskrisen, irritiert von erotischen Anbandeleien, beschäftigt mit der Abnabelung von den Eltern.
Ein großer Teil spielt in einem kleinen Ort an einem fiktiven irischen See, daher der Titel. Genauso gut könnte der Roman aber heißen: Eine Frau bricht aus oder: Helen oder: Es ist ein Kreuz mit der Liebe. Denn mit den Jahren wechseln die Personen und die Erzählstränge auch nach Dublin, London und anderen Gegenden Großbritanniens. Die Kinder, die am See herumstromerten, machen Berufsausbildungen in Dublin und entdecken die große, weite Welt jenseits des kleinen Ortes am See. Erwachsene ziehen zu oder hauen ab - die Welt, in der dieser Roman spielt, verändert sich.
Die Handlung ist in den 1950er Jahren angesiedelt, daher haben - zumal in der irischen Provinz - Kirche und Katholizismus eine große und selbstverständliche alltägliche Bedeutung. Und Emanzipation heißt unter diesen Bedingungen natürlich auch Befreiung von kirchlichen Normen und Traditionen. Denn eines der zentralen Themen dieses Romans ist die Frage: Wie kann eine Frau (über)leben, die den üblichen Lebensweg der drei Ks (Küche, Kinder Kirche) nicht gehen will? Welcher Preis wird da gezahlt und lohnt er sich? Diese Fragen schimmern durch die Erzählstränge und Leser und Leserin müssen sie sich selbst beantworten. Die Autorin vertritt hier keine Positionen, sie erzählt einfach und das ist ja auch die Aufgabe eines Romans.
Man kann das Buch auch als literarische Anmerkung zu Modernisierung lesen. Der wirtschaftliche Aufschwung in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg, der Beginn des Rock 'n Roll; das Infrage-Stellen herkömmlicher Rollenbilder (z. B. von Männern und Frauen), die Bedeutung von offener gelebter Sexualität - all diese Fragen beschäftigen die Personen des Romans.
Ich finde das Buch spannend geschrieben, wenn es auch für meinen Geschmack etwas ausladend zu Werke geht und teilweise Längen hat, die für den roten Faden nicht unbedingt wichtig wären. Es ist gut erzählt und dabei schlägt des Herz der Autorin eindeutig für die Frauen. Die weiblichen Figuren wirken plastischer und überzeugender, wenn ich auch hier einige Einwände habe, was die Zeichnung der Charaktere betrifft, die nach meiner Auffassung psychologisch nicht immer überzeugend ist.