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Der grüne Heinrich: Nach der 1. Fassung von 1854/55
 
 
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Der grüne Heinrich: Nach der 1. Fassung von 1854/55 [Taschenbuch]

Gottfried Keller , Jörg Drews
2.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 955 Seiten
  • Verlag: Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag (Oktober 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3150182824
  • ISBN-13: 978-3150182826
  • Größe und/oder Gewicht: 14,4 x 9,6 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 272.656 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Gottfried Keller
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Der grüne Heinrich
OA 1854 / 55 (erste Fassung) Form Roman Epoche Realismus
Die Erstfassung des Grünen Heinrich zählt zu den bedeutendsten Bildungs- und Entwicklungsromanen des 19. Jahrhunderts. Mit für die Entstehungszeit ungewöhnlicher psychoanalytischer Klarsicht verarbeitete Gottfried Keller im Gewand des Künstlerromans autobiografische Erfahrungen.
Entstehung: Die Genese des Romans zog sich vom Vormärz über die Revolution von 1848/49 und die anschließende Phase der Restauration hin. Schon 1842 hatte Keller erste Pläne zu diesem Roman gefasst. 1846/47 begann er in Zürich mit der Niederschrift, doch erst nach seiner Übersiedelung nach Berlin (1850) fand er einen Verleger für den Grünen Heinrich. Unter Produktionsdruck vollendete er zwischen Juli 1851 und Oktober 1853 die ersten drei Bände. Der vierte Band erschien erst 1855.
Inhalt: Heinrich Lee, seit frühester Jugend Halbwaise, wird in einer fiktiven Schweizer Stadt – gemeint ist Kellers Geburtsstadt Zürich – von der Mutter großgezogen. All ihre Ersparnisse verwendet Frau Lee auf die Ausbildung ihres schon früh zur Kunst neigenden Sohns. Heinrich zieht in die Residenzstadt München, um Landschaftsmaler zu werden. Allmählich erkennt er sein mangelndes Talent. Das berufliche Scheitern geht einher mit einer Reihe unglücklich verlaufender Liebesgeschichten, die ihn zunehmend isolieren. Gerade als sein Leben eine gute Wendung zu nehmen scheint – Heinrich begegnet einem reichen Grafen, der sein Gönner wird, und verliebt sich in dessen Mündel Dortchen –, ist es einmal mehr sein Zaudern, das einen glücklichen Ausgang verhindert. Nachdem die Mutter kurz zuvor aus Gram über sein Ausbleiben und ihren wirtschaftlichen Ruin gestorben ist, erkennt der grüne Heinrich – die Farbe Grün ist Symbol für Jugend und Hoffnung, aber auch für die bei aller Einsicht geistige und emotionale Unreife des Protagonisten – sein vergeudetes Leben. Auch er stirbt an gebrochenem Herzen.
Aufbau: Der Roman ist in vier Bücher gegliedert. Die erste Hälfte umfasst die »Jugendgeschichte«, die Keller als »Vorspiel des ganzen Lebens« anlegte, und ist aus der Perspektive Heinrichs erzählt. Mit dem 4. Kapitel des dritten Bands wechselt der Erzähler in die dritte Person. Mehrmals ändert sich der Grundton: Lange, wortreiche Reflexionen zu Philosophie, Kunst, Ethik und Politik stehen unvermittelt neben von der Handlung scheinbar losgelösten Einschüben. Einige Passagen sind in epischer Breite angelegt, während Schlüsselereignisse wie der Tod Heinrichs und seiner Mutter mit äußerster Knappheit geschildert werden und dadurch umso intensiver wirken.
Wirkung: Trotz günstiger Beurteilungen war Der grüne Heinrich kein Erfolg. Zwischen 1878 und 1880 arbeitete Keller an einer Neufassung, die dem Roman eine einheitliche autobiografische Form gab. Die wechselnde Perspektive wurde durch einen durchgängigen Ich-Erzähler ersetzt. Die langen Reflexionen und Exkurse strich Keller ebenso wie die Polemiken gegen Kirche und Staat. Auch inhaltlich bestehen Abweichungen. Der von den politischen und persönlichen Verhältnissen diktierte resignative Grundton des »Ur«-Heinrich wich in der Zweitfassung einem versöhnlicheren Weltbild, das dem arrivierten sozialen Status des inzwischen berühmten Autors ebenso Rechnung trug wie dem veränderten Publikumsgeschmack. Heute gilt die erste Fassung allgemein als die literarisch Überlegene und als Vorläufer des modernen psychologischen Romans. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Kurzbeschreibung

Kellers 'Der grüne Heinrich' ist auch heute noch eines der ganz großen Leseabenteuer: Der berühmte Bildungs- und Antibildungsroman steht in einer Reihe mit Moritz' 'Anton Reiser', Goethes 'Wilhelm Meister' und Stifters 'Nachsommer', ist aber realitätsgesättigter und psychologisch scharfsichtiger, kurz: moderner als diese. Die Ausgabe folgt, wie heute allgemein üblich, der 1. Fassung des Romans von 1854/55.

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Einleitungssatz
Mein Vater war ein Bauernsohn aus einem uralten Dorfe, welches seinen Namen von dem Alemannen erhalten hat, der zur Zeit der Landteilung seinen Spie dort in die Erde steckte und eineq Hof baute. Lesen Sie die erste Seite
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Mit der Absicht mir wieder einmal einen wirklich historischen Roman zu Gemüte zu führen, mit dieser Intension bin ich rangegangen.
Ich wollte keinen Roman lesen, in dem, ausgehend von der heutigen Vorstellung, fiktiv versucht wird, die Vergangenheit darzustellen, gerade so, wie es der Fantasie nach wohl gewesen sein könnte, auch wenn sich dafür an den verfügbaren Quellen entlang orientiert wurde. Nein! Ich wollte vor allem eine authentisch verfasste Geschichte aus der damaligen Zeit erleben, ein Original.

Dafür hatte ich mir die zweite Fassung des Romans vorgenommen, in dem der gesamte Stoff aus Heinrichs Ich-Perspektive geschildert wird, und wonach die Geschichte entgegen der tragischeren Urfassung zu einem versöhnlichen Ende findet.

Ich ahnte schon vorher: "Der grüne Heinrich", das wird ein Brocken. Ich hatte recht, aber ich wurde alles andere als enttäuscht.

Was einem zuerst auffällt, ist die antiquierte Ausdrucksweise, doch das darf sie durch die Authentizität natürlich auch sein.
Ich musste immer wieder schmunzeln, ob über obsolete Bezeichnungen und Umschreibungen wie auch über die ein oder andere genial getroffene altdeutsche Wortkreation.
Gottfried Keller besticht im "Grünen Heinrich" neben dem, was im Roman dargestellt wird, durch höchste Sprachkunst. Seine Sätze in brillantem Deutsch sind mitunter die reinsten Kompositionen und erzeugen geradezu eine Melodie. Fast jeder einzelne Satz tut das wohlgemerkt!

Natürlich muss man sich explizit Zeit für diese Lektüre nehmen. (Ich habe an dem Roman Stück für Stück ein dreiviertel Jahr lang gelesen. Es gab Monate, in denen ich ganz andere Sachen gelesen hatte und einige Zeit hab ich "den Heinrich" ehrlich gesagt auch einfach liegen gelassen.) Doch es lohnt sich!

Durch die vollmundige romantische Sprache mit all ihren Facetten, Schnörkeln und Ausschmückungen wird das Lesen, für den, der sich darauf einlässt, zu einem Fest der Sinne.
Beispielsweise: "... Nach einigem Herumstreifen gelangte ich an die Stelle, wo ich bei meiner Ankunft aus dem Walde herausgetreten war und die abendliche Regenlandschaft mit dem Gute und der alten Kirche erblickt hatte. ..."
Oder, wenn es einmal das leibliche Wohl betrifft: "... So beschäftigte er sich eifrig weiter mit der großen Schüssel, die vor ihm stand. Dieselbe enthielt die Anhängsel und Profilstücke eines frisch geschlachteten Schweines, die Ohren, die Schnauze und den Ringelschwanz, alles soeben gekocht und dem Geistlichen lieblich in die Nase duftend. Er pries das aufgetürmte Gericht als unübertrefflich an einfacher Zartheit und Unschuld und trank einen tüchtigen Krug goldbraunen Bieres dazu. ..."

Freilich kommt das Werk hier und da schon recht angestaubt daher. Von daher kann ich "Den grünen Heinrich" nicht direkt über den grünen Klee hinweg loben.

Ein Manko sind die Längen und Überlängen, die ein Lektor heutzutage wohl gnadenlos streichen oder zumindest kürzen würde, denn die ausufernden Passagen und Nebensächlichkeiten gehen sehr zu Lasten der Spannung. Die Geschichte wabert über weite Strecken recht langsam dahin.

Was dieses Problem wiederum aufwiegt, sind die präzisen Beschreibungen des Autors, die meist bis weit in die Detailtiefe hineinreichen.
Im Kopf des Lesers entstehen dadurch leicht "psychische Echos". Und das ist grandios.
Gottfried Keller erzeugt einzigartig starke Bilder, wenngleich sich diese Bilder öfter auf Exposition als auf die Handlung beziehen. Damals schrieb man halt so.

Als ein guter Roman gilt für mich, wenn durch das, was erzählt wird und in welcher Art es erzählt wird, ein Wechselspiel mit meinen eigenen Gefühlen, meinem Bewusstsein und dem Unbewussten entsteht. Und diese Kunst versteht Gottfried Keller meisterlich.

Ich kann nicht sagen, wie oft während des Lesens allein Bilder aus meiner Kindheit in mir aufgestiegen sind, Dinge, die mir seit Jahrzehnten nicht mehr in Erinnerung kamen. Selten hat das ein Buch bei mir geschafft.

Zur Story an sich: Wie in jeder guten Geschichte wurde geleibt, gelebt, geliebt und gelitten, doch wie ging das Leben an sich vonstatten? Wie gingen die Menschen mit den Zwängen ihrer Zeit um? Weil all das sozusagen aus erster Hand empfunden und aufgeschrieben wurde, hatte mich die Beleuchtung dieser Aspekte besonders interessiert.
Die einstigen Tatsachen: Kommunikation über Entfernungen erfolgt nur durch Briefe. Es gibt keinen Strom. Gereist wird im Wesentlichen mit Postkutschen. Die Industrialisierung und der Eisenbahnbau stehen gerade ganz am Anfang usw. ...
Der Tod gehört nahezu zur Selbstverständlichkeit des Alltages. Er begegnet den Menschen noch häufiger als im Alter bei Krankheiten, wo oftmals niemand weiß, was dem Kranken wirklich fehlt. Die Figur der Anna ist hier ein trauriges Beispiel. Das jugendliche Mädchen wird über Monate schwächer und schwächer. Ihrem Dahinsiechen kann das Umfeld nur zusehen, bis sie unabwendbar einfach stirbt. Aber auch zu gebären ist für die Frauen dieser Zeit eine riskante Angelegenheit und, und, und ...
Im Vergleich zu diesen Umständen kann man kaum ermessen, in welchem Luxus wir heutzutage leben.

Dann: Zu den Gepflogenheiten und Erwartungen von einander: In der Gesellschaft, aber auch im kleinen privaten - zwischenmenschlichen und zwischengeschlechtlichen - Bereich ging es nach der herrschenden Überzeugung und Erziehung weitgehend zünftig-sitzsam zu. Soweit die Überlieferung und soweit auch ganz richtig. Aber nicht nur.
Hier verblüffte mich, mit welcher Frische, Freiheit und Beweglichkeit im Denken die Figur der Judith an den Leser gebracht wird. Judith war mir sehr sympathisch, nicht nur weil sie unbekümmert und frivol mit ihrem jungen Witwendasein umgegangen war, sondern weil sie ein Symbol für Mut und Lebensklugheit ist, ein Beweis, dass es auch damals Menschen gab, die über den Tellerrand blickten, und sich nicht mit den Gewohnheiten und überspannten Moralvorstellungen abfanden.

Ferner hatte mich ein wenig überrascht, wie sehr der Glaube Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur kritisiert, sondern vehement bezweifelt und sogar gänzlich in Frage gestellt wurde. Zu diesem Thema liefert der Roman gleich mehrere Passagen.
Weil's sich's so schön liest, noch ein Beispielsatz hierzu, in dem sich Heinrich innerlich an der aufoktroyierten Bibeltreue reibt: "... Was unter fernen östlichen Palmen vor Jahrtausenden teils sich begeben, teils von heiligen Träumern geträumt und niedergeschrieben worden war, ein Buch der Sage, das wurde hier [im Religionsunterricht] als das höchste und ernsthafteste Lebenserfordernis, als die erste Bedingung Bürger zu sein, Wort für Wort durchgesprochen und der Glaube daran auf das Genaueste reguliert. ..."

Glaube, Un- und Andersgläubigkeit betrifft einen größeren Themenkomplex, der in der Geschichte in unterschiedlicher Betrachtung immer wieder auftaucht und mit dem Hauptthema überlappt. Das Hauptthema beinhaltet - wie kann es anders sein - die Fragen um die Sinnsuche im Leben, im Spezielleren die Qual der richtigen Berufswahl; das Suchen und Herausfinden, was einem selbst liegt, und den darauf folgenden Versuch, mit dem, für das man sich entschieden hat, zu Ruhm und Ehre gelangen zu wollen; es sind die Versuche der Erfüllung der ureigenen (edlen) Ziele entgegenzustreben, und schließlich an den Umständen und an sich selbst zu scheitern... Damit bleibt dieses Buch nach wie vor ein ganzes Stück weit aktuell. Und wohl auch deshalb hallt die Geschichte in mir immer noch nach.

Zusammenfassend kann ich mit Fug und Recht sagen: Mir hat dieser Wälzer mehr gegeben, als ich erwartet hatte. Trotz mancher zäher Phasen (daher ein Punktabzug) war es ein Genuss.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Der grüne Heinrich ist stark autobiographisch geprägt. Die zweite Fassung ist eine reine Ich-Erzählung: Heinrich Lee verliert in jungen Jahren den Vater und wächst unter mütterlicher Obhut auf. Seine Einbildungskraft kompensiert -. nach dem Verweis von der Schule - die bedrückende Wirklichkeit. Während der Aufenthalte bei ländlichen Verwandten entfaltet sich seine Liebe zu Anna und Judith.
Anna spricht den "besseren geistigeren Teil" an, während er in der älteren und sexuell erfahrenen Judith leibhafter Wirklichkeit begegnet. Nach dem Tod der kränklichen Anna scheidet er auch von Judith, die nach Amerika auswandert. In München versucht er, als Kunstmaler Karriere zu machen. Aber seine Versuche sind einerseits in einem leblosen Detailrealismus befangen, andererseits sind sie bloß das "Herausspinnen einer fingierten, künstlichen, allegorischen Welt aus der Erfindungskraft". Entmutigt beschließt Heinrich, in die Schweiz zurückzukehren. Unterwegs lernt er Dortchen Schönfund kennen, bringt es aber nicht über sich, ihr seine Liebe zu erklären. Zu Hause angelangt, findet er die Mutter dem Sterben nahe. Er sucht seine Schuldgefühle abzutragen, indem er ein Amt übernimmt. Mit der aus Amerika zurückgekehrten Judith verbindet ihn weiterhin enge Freundschaft. So findet die zweite Fassung ihren versöhnlichen, wenngleich melancholischen Ausgang.

Der zweiten Fassung kommt besondere Bedeutung zu, indem mit der durchgehaltenen Ich-Erzählung die Frage nach einer der sozialen und psychologischen Erfahrung adäquaten Schreibweise grundsätzlich thematisiert wird: Heinrichs Bericht ist nicht bloß souveräner Rückblick, sondern wirft die Frage auf, wie mittels der Sprache die Realität zu gestalten ist. Das Thema des Romans findet somit seinen reflexiven Niederschlag im erzählerischen Prozess.
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17 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Juwel mit Längen 3. Juli 2008
Von helmut seeger TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Dies ist die Geschichte des Heinrich Lee (wegen seiner armutsbedingten immergrünen Kleidung in der Jugend "grüner Heinrich" genannt), der in einer schweizer Kleinstadt aufwächst, sich entschließt, Künstler zu werden, aber, jahrelang subventioniert von seiner Mutter, in München scheitert und, doch noch wohlhabend geworden, in die Heimat zurückkehrt, wo er seine Mutter aber nur noch sterbend vorfindet. Der Roman endet dennoch versöhnlich und positiv, da sich der Ex-Künstler im öffentlichen Dienst verdingt und schließlich mit der Frau, die ihn schon als Jungen liebte, eine relativ freie und ungebundene Beziehung eingeht.

"Der grüne Heinrich" ist ein Juwel unter den deutschen Romanen. Häufig ist er auch in Sammlungen wie "100 Werke der Weltliteratur" zu finden. Und das nicht zu Unrecht.
Mit diesem Urteil ist wohlgemerkt die zweite Fassung des Romans gemeint, die der Autor selber in jahrelangem Ringen in die vorliegende vollendete künstlerische Form gebracht hat. Versuche, die erste Fassung dieses Romans, die unter Zeitdruck entstand und erhebliche gestalterische Mängel aufwies, zur literarisch besseren zu erklären, hat Keller verärgert zurückgewiesen. Außerdem unterscheidet sich der Schluss der beiden Fassungen erheblich. Während Keller den "Helden" im ersten Romanentwurf aus Zeitnot sterben lassen musste, entwickelt er im zweiten einen wunderbar lebensbejahenden Schluss (siehe unten).

Der Roman bietet ergreifende und malerische Sequenzen im Dutzend und berührt oft das Innerste - nicht umsonst hat der Autor darauf hingewiesen, dass wohl keine Seite dieses Werks nicht auf tiefst empfundenen eigenen Gefühlen beruhe.
Man spürt, dass dieses Werk das reife Fazit eines ganzen (Schriftsteller)Lebens ist, an dem Keller jahrelang hart gearbeitet hat. Es strahlt vor Weisheit und tiefem Gefühl.
Daneben enthält diese Geschichte sehr viele Geschichten in der Geschichte, häufig zu Herzen gehende Sequenzen, die nicht zuletzt zu dieser epochalen Länge beitragen.
Entwicklungsgeschichtlich steht der grüne Heinrich in der Tradition von Goethes "Wilhelm Meister", mit dem er den lebensbejahenden Schluss voraus hat. Diese Schlusssequenz gehört zu den schönsten überhaupt, die ich aus klassischen deutschsprachigen Romanen kenne. Er vermittelt eine menschliche Wärme und Sensibilität, die äußerst selten zu finden ist und präsentiert eine für das 19. Jahrhundert extrem seltene emanzipierte Frauengestalt, welche ebenso ihresgleichen in der deutschsprachigen Literaturgeschichte sucht. Schon aus diesem Grunde empfiehlt sich die zweite Fassung dieses Romans.

Das einzige, was gegen dieses Werk spricht, ist die Überlänge. Viele der allzu malerischen Szenen sind recht lang geraten, etwa seitenweise Schilderungen des Karnevals oder Traumsequenzen, die alles andere als fesselnd sind. Hier würde man sich ausnahmsweise einen fachkundigen Bearbeiter wünschen, der das Buch qualifiziert kürzen würde, auf dass es seine Stellung unter den deutschen Romanen noch würdiger einnehmen könnte.
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