Eigentlich geht es gar nicht darum, dass der Mord an Taylor Henry aufgeklärt wird. Ebenso wenig geht es hier um Gerechtigkeit. Das Problem ist nur, dass Taylor Henry der Sohn des mächtigen Senators Ralph Bancroft Henry ist und vor allem, dass der auch nicht gerade einflusslose Kommunalpolitiker Paul Madvig seine Finger im Spiel zu haben scheint. Und Madvig hat nicht nur viele Feinde, sondern auch noch eine Wahl zu gewinnen. Falls er die nicht gewinnt, könnte er leicht als (mutmaßlicher) Mörder von Taylor Henry auf dem elektrischen Stuhl landen.
Nein, um Gerechtigkeit geht es zuallerletzt in diesem Spiel. Vielmehr geht es um die Macht, wer sie bekommt und wer sie verliert. Und da ist so ziemlich jedes Mittel recht. Das weiß auch Ned Beaumont, der Freund und Angestellte von Paul Madvig, der in diesem Roman die Rolle des Detektivs spielt. Beaumont ist alles andere als unparteiisch. Er ist (fast) genauso zynisch und skrupellos wie die anderen (Mit)Spieler in diesem Poker um Geld und Macht, nur dass er sich im Sumpf aus Korruption und Angst doch noch einen Rest an Unabhängigkeit bewahrt, weil er sich notfalls auch in einer anderen Stadt einen neuen Job besorgen kann. Am Ende klärt er das Verbrechen auch auf. Aber als Leser hat man das Gefühl, dass es Hammett gar nicht so sehr um den Mord und seine Aufklärung geht, sondern um eine Gesellschaft, die bis auf die Knochen korrupt ist und die den Namen Demokratie" nicht verdient. Wenn man diesen Roman gelesen hat, versteht man ein bisschen besser, dass Hammett Ende der vierziger Jahre in die Mühlen des berüchtigten Joseph McCarthy kam, weil dessen Leute Hammett verdächtigten, ein Kommunist zu sein.
Ob das Bild, das Hammett von der amerikanischen Gesellschaft zeichnet, überzogen ist? Vielleicht. Der gläserne Schlüssel" wurde 1931 veröffentlicht, und er spielt in den zwanziger Jahren, also in der Zeit der Prohibition. Aber wenn es so etwas gibt wie die Gabe der Prophetie, dann hat Hammett das vorausgesagt, was er dann zwanzig Jahre später selbst erleben sollte.