So in etwa könnte man das nennen, was das Autorenduo hier beschreibt. Und so wurde es von der Bundesregierung am 16.06.2004 verabschiedet: Als "Personalaustauschprogramm" zwischen Regierung und Wirtschaft für einen "schlanken und modernen" Staat. Das dabei nicht alles so rosig ist, wie man sich das ausgemalt hatte, das weisen Kim Otto und Sascha Adamek in diesem Buch nach.
Es fängt mit (vergleichsweise) "kleinen" Fällen wie Frapport und dem Ausbau des Frankfurter Flughafens an und geht dann über die Energie- und Investmentbranche (die "Heuschrecken") über die Gesundheitsreform und Toll-Collect bis hin zum EU-Lobbying und der "Lobbyschlacht" um die Chemikalienrichtlinie REACH und deren Verwässerung durch Konzerne wie BASF. Dabei beschreiben die Autoren in einem angenehmen, dokumentarischen Stil, wie Konzernvertreter in den jeweiligen Ministerien an Gesetzen mitwirk(t)en (obwohl das eigtl nicht vorgesehen war), die direkte Auswirkungen auf ihren Arbeitgeber haben und über die meiste Zeit sogar von Ihnen weiterbezahlt wurden. Was man früher also guten Gewissens als "Korruption" bezeichnen konnte, wird heute "modernes Lobbying" genannt. Zudem wird auch ausgeführt, wie Anfragen an offizielle Stellen und Ministerien spät, nichtssagend oder gar nicht erst beantwortet werden, obwohl laut Gesetz sogar Auskunftspflicht besteht. Einzige schade an diesem Buch ist, dass weitere aktuelle Themen wie das Wirken der Pharmakonzerne oder die Altersvorsorge - Herr Riester z.B. wechselt ja gerade zum Finanzdienstleister AWD - keinem kritischen Blick unterzogen wurden. Vielleicht ja in einem zweiten Band. Bis dahin ist man mit diesem Buch gut bedient und erhält (weitere) Einblicke in die Vermischung von Staat (in diesem Fall die Legislative) und Wirtschaft.