Dies ist der erste Fall für den Kölner Kommissar (sprich: Dz-big-niäff Meier), der den 42-jährigen Stephan Brüggenthies, bisher bekannt für spannende Tatort-Drehbücher, umgehend in den Olymp des Krimi-Genre katapultiert hat. Dann am 21. März 2009 wurde der Newcomer auf der Leipziger Buchmesse mit dem Publikumspreis des Deutschen Buchhandels MIMI ausgezeichnet. Zudem wurde er in diesem Jahr für den Friedrich-Glauser-Preis 2010 für den besten Debut-Kriminalroman nominiert.
Ein Junge wird von seinen Eltern vermisst. Scheinbar ein langweiliger Routinefall. Je mehr Meier über das vermögende Elternhaus und den wohlbehüteten Schüler eines Kölner Elitegymnasiums in Erfahrung bringt, desto sicherer ist er, dass der 15-jährige Timo einfach abgehauen ist. Kurz darauf wird in Turin der Torso eines Jungen gefunden, der missbraucht und grausam verstümmelt wurde. Auf seinem Rücken eingezeichnet: eine Karte von Frankreich. Und obwohl der tote Junge nicht Timo ist, glaubt Zbigniew Meier an einen Zusammenhang. Auf eigene Faust macht er sich auf den Weg nach Houlgate in der Normandie - an jenen Ort, an dem Timo mit seiner Familie den letzten Urlaub verbracht hat und an dem sich sein Leben entscheidend verändern sollte ...
Hat man dich erst mal an den Zungenbrecher Zbigniew Meier" gewöhnt, denn er taucht zu Beginn in jedem zweiten Satz auf, dann taucht man in einen Krimischmöker ein, der sich packend, düster und voller dramatischer Wendungen mit dem Thema Kindesmissbrauch" beschäftigt. Gemeinsam mit seinem türkischen Kollegen Zeynel Aspendos (ZZ Top" genannt auch das ungewöhnliche Ermittlerduo) beweist Meier eine ausgewogene Mischung an Intuition, Hirn, Witz und Libido. Seine Freundin ist noch minderjährig und Brüggenthies scheut sich nicht, seinem Kommissar ein strafbares Privatleben anzudichten.
"Das Mädchen hat genug Krimis gesehen, sie begriff, wie es war als Kriminalbeamter. Und dann geht sie ihm an die Hose und befriedigt seine Männerphantasie. Wie die Mädchen halt so sind mit siebzehn. Unbedarft. Naiv. Immer auf einen Spaß aus und fordernd, nach vorne stürmend. Sie wird als frühreif bezeichnet, stattet den Kommissar gleich mit dem Makel aus, mit einer Minderjährigen geschlafen zu haben, und lässt ihn als jemanden dastehen, der selbst gegen das Gesetz verstößt. Der lieben Lust wegen. Und das vor dem Hintergrund der Ermittlungen gegen einen Pädophilenring."
Haben mich auf den ersten 50 Seiten noch die Zungenbrecher und bemühten detaillierten Beschreibungen genervt und allzu sehr an einen Tatort erinnert, so nahm die Handlung alsbald derart an Fahrt auf, daß ich das Buch trotz der über 500 Seiten kaum noch aus der Hand legen konnte. Der geheimnislose Junge" ist ein absolut gelungenen Debut, das Lust auf mehr ZZ Top macht. Das muß selbst die Düsseldorferin dem Köln-Krimi neidlos zugestehen.