Bereits in der Schule habe ich mich gewundert, wieso ein Ein-Gott-Glaube so viele anbetungswürdige Personen (Heilige, Märtyrer etc) und in den Himmel aufgestiegene Verwandte des Gottes kennt. In Deschners Buch wird allzeit drastisch und teilweise polemisierend, aber immer auf nachvollziehbare Fakten gestützt, eine zweifache Erkenntnis transportiert: 1. Die Kirche ist wie die BORG aus Star Trek (alles wird assimiliert, was bei einer bekehrten Nation an brauchbaren Dingen in ihrem alten Glauben zu finden ist, umgebaut und als Bestandteil des Glaubens weiterverwendet, z.B. die Frauenkleider der Priester), 2. Jedes Dogma, jede Veränderung oder Präzisierung des Glaubens wurzelt in den machtpolitischen Anforderungen der jeweiligen Zeit, in der das alles entstand. Dazu paßt das Lieblingsthema des Autors, dass alle Evangelien, die dicht dran an die Zeit Jesu sind, verworfen wurden, und statt dessen ziemlich junge Evangelien genommen wurden, die dann auch noch über die Jahrhunderte "angepaßt" wurden.
Nach der Lektüre kann man vielleicht noch an Gott glauben, aber sicher nicht mehr an sein Bodenpersonal.