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Produktinformation
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Mit viel originellem Witz und Sprachgefühl schreibt Genazino über das Schreiben und die Dichtkunst als Lebensmittel -- etwa da, wo er angesichts des Schicksals von William Faulkner und Robert Musil über den Zusammenhang von literarischer Erfolglosigkeit und materiellem Unglück reflektiert oder Franz Kafka über die Schulter schaut, um ihn beim Lügen zu ertappen. Fünf Druckzeilen eines Kafka-Briefes an Felice Bauer genügen dem Büchner-Preisträger von 2004, um sechs mehr oder weniger auffällige Schwindeleien auszumachen -- und einen blendenden, wortgenauen Essay über den phantastischen Gehalt des Schriftstellerberufs anzuhängen. Darüber hinaus enthält Genazinos Sammelband Der gedehnte Blick unter anderem brillante Prosaminiaturen über Claude Simon, den Ort der Handlung in der Literatur, lachende Philosophen oder die Politik der Namen (und ihrer Veränderungen auf Straßenschildern).
Prosaminiaturen kann man diese essayistischen Kabinettstückchen trotz ihres Inhalts nennen, denn Genazino überführt die hohe Kunst des Essays wieder zurück in Poesie. So ist Der gedehnte Blick (neben vielem anderen) nicht nur ein Buch über Literatur geworden, sondern selbst wieder ein Stück großer Literatur. Und das ist etwas, was hierzulande nur noch ganz wenigen Autoren gelingt. --Thomas Köster
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Doch sind in diesem Buch nicht nur leise Töne zu vernehmen: er engagiert sich in dem besonders aufrüttelnden und ergreifenden Kapitel "Fühlen Sie sich alarmiert" äußerst vehement gegen Ausländerfeindlichkeit und führt die Politik mit stichhaltigen Beweisen ad absurdum.
Dieser Band enthält zudem eine unglaubliche Zahl von philosophischen Wortspielen und Metaphern: er macht sich Gedanken warum komische Bücher komisch sind, untersucht die literarische Erfolglosigkeit von Italo Svevo: „Der Schriftsteller braucht die Anerkennung der anderen, ohne diese anderen selbst anerkennen zu können" oder sinnt über das Photographieren im Allgemeinen nach.
Seine eigene literarische Arbeit hinterfragt er zudem äußerst selbstkritisch: „Irgendetwas muss ich falsch gemacht haben, ich habe schließlich den höchsten deutschen Literaturpreis verliehen bekommen" In den Kapiteln über Claude Simon "Rezeptlosigkeit als Rezept", "Heimat, vorgespielt - Der Ort der Handlung in der Literatur" oder "Omnipotenz und Einfalt - Über das Scheitern" gleitet er vollends in die Philosophie ab - nicht leicht zu lesen, aber interessant erzählt.
Überhaupt ist dies kein Buch für den Strandurlaub oder für eine S-Bahn-Fahrt, dieses Buch verlangt einfach mehr, viel mehr: Ruhe, Zeit und eine intensive Auseinandersetzung mit den vielfältigen Themen. Nach jedem Essay hat man das Gefühl ein bisschen nachdenklicher geworden zu sein - und genau diese Intension verfolgt Wilhelm Genazino mit diesem Buch wahrscheinlich auch: schaut hin, hört zu, denkt nach, bildet Euch eine Meinung und unternehmt etwas!
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