Jack Vance erweist sich in diesem Band wieder als beständiger Quell von faszinierend neuen, teilweise absurden, aber auch humorvollen Ideen. Die Gliederung in einen ersten und zweiten Teil ist irreführend, es sind zwei unabhängige Storys um Miro Hetzel, einen "Effektuator", will sagen Schnüffler, Detektiv, Privatagenten.
Das Reisebüro von Dogtown: Der Planet Maz ist einzigartig, weil hier die drei großen galaktischen Kulturen gemeinsam vertreten sind: der Gaeanische Bund (Menschen) und die Zivilisationen der Liss und der Olefract, über die so gut wie nichts bekannt ist und mit denen auch kaum Kommunikation besteht. Sie haben sich nur einmal zusammengetan, um die extrem aggressiven Gomaz zurückzuschlagen, die von Maz aus beinahe die Sternenreiche überrollt hätten. Seitdem steht der Planet unter der Verwaltung der Triarchie mit je einem Menschen, Liss und Olefract an der Spitze. Hierher kommt Miro Hetzel im Auftrag des Industriellen Ivon Hacaway, um die Machenschaften des Konkurrenzunternehmens Istagam aufzuklären. Einige Tage versucht Hetzel vergeblich, eine Audienz beim gaeanischen Triarchen Estevan Tristo zu bekommen. Dann wird der Fall kompliziert: bei einer öffentlichen Sitzung der Triarchie fallen die Repräsentanten der Liss und der Olefract einem Attentat zum Opfer, nur Tristo kommt knapp mit dem Leben davon. Sieht aus, als könnte der Anschlag mit Istagam zu tun haben. - Die Geschichte ist bunt ausgestaltet und flott zu lesen, die Kultur der Gomaz basiert auf einer ungewöhnlichen Fortpflanzungsmethode, der vermeintliche Attentäter berichtet von einem wirklich mysteriösen Erlebnis... leider verbleibt trotzdem ein zwiespältiger Eindruck. Der Verdächtige Gidion Dirby läuft davon und setzt sich draußen auf die Parkbank? Der Sicherheitsoffizier Captain Baw handelt genauso schizophren: zuerst möchte er Dirby stante pede aburteilen, dann interessiert ihn der Fall nicht weiter, zuletzt verlangt er aber die Auslieferung vom gaeanischen Territorium an die Triarchie... und die einzelnen Lösungen der Rätsel fallen Miro Hetzel aus heiterem Himmel in den Schoß, ohne dass sich für mich erschließt, wie; beispielsweise die Identität des Peinigers von Gidion Dirby. Nur mit Jack Vance-Bonus 3 Sterne.
Die Nächste, bitte: Ein delikater Fall für Miro Hetzel. Der vermögende Conwit Clent wird überfallen und erwacht erst vier Tage später. Es stellt sich heraus, dass er unfreiwillig operiert wurde, und zwar wurden... nun ja... seine Eier ausgetauscht. Verdächtig ist ein gewisser Dr. Faurence Dacre, den Hetzel noch aus seiner Studienzeit kennt; damals ein krankhaft ehrgeiziger Charakter, der aber inzwischen augenscheinlich eine beachtliche Karriere als Chirurg vorweisen kann. Hetzel verfolgt die Spur Dacres über mehrere Planeten und bekommt es dabei mit vier leicht übergewichtigen Schwestern zu tun. Eine höchst originelle Geschichte mit einem beinahe gruseligen Ende. Störend nur, dass Vance in typischer Manier in Fußnoten zahlreiche Details, Anekdoten und Hintergründe schildert, die mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun haben: Ein Kunstgriff, den er in seinen längeren Werken gern (und gern gesehen) anwendet, um Stimmung zu erzeugen - der aber hier in einem Kurzroman nichts verloren hat. 4 Sterne.
Wie bei den anderen Vance-Ausgaben des Bastei-Verlags äußere ich mich auch diesmal lieber nicht zu den Illustrationen.