wintersale15_finalsale Hier klicken Jetzt Mitglied werden Reduzierte Hörbücher zum Valentinstag Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More Bauknecht TK EcoStar 8 A+++ Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip WSV

Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen22
4,3 von 5 Sternen
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

"Karriere" bedeutete ursprünglich: Straße für Kutschen, und "Job" galt im Englischen des 14. Jahrhunderts als Klumpen oder Stückgut, das man herumschieben konnte. Beide Wörter entfalten vor dem Hintergrund der heutigen Ökonomie eine Bedeutung, die fast zynisch ist: Wir leben für die Karriere, können dabei aber beliebig hin und her geschoben werden, wie es den Auftrag- oder Arbeitgebern gerade passt. Das Zauberwort, dass diesen eigentlich menschenunwürdigen Zustand treffend charakterisiert und gleichzeitig beschönigt, ist: Flexibilität. Der amerikanische Soziologe Richard Sennett zeigt in seinem langen, aber keinesfalls langweiligen Essay, wie die Doktrin der Flexibilität das menschliche Zusammenleben und die menschliche Lebensplanung immer weiter zersetzt. Diese Zersetzung nennt er "Drift": Wir treiben durch unser Arbeitsleben wie Tagelöhner, heute hier, morgen da, und wissen nicht, was die Zukunft bringt. Auf Lösungen kommt es Sennett nicht so sehr an: Er ist nur Beobachter, aber ein eindringlicher, brillanter und auch unterhaltsamer. An einigen Stellen geht der Soziologe mit ihm durch, aber ansonsten ist das Buch wunderbar leicht und flüssig zu lesen. Wir empfehlen es jedem, der sich für die sozialen Auswirkungen des heutigen Kapitalismus interessiert.
0Kommentar28 von 30 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 4. Juni 2008
Richard Sennet untersucht in diesem Buch den historischen Wandel von Beschäftigungsstrukturen mit besonderem Fokus auf die derzeitigen Tendenzen. Durch seine intensive Auseinandersetzung mit menschlichen Schicksalen der modernen Zeit, sowie der Analyse von Werken der letzten Jahrhunderte, eröffnet er interessante Sichtweisen auf das heutige Arbeits- und Wirtschaftsleben. Er interviewt Manager, Programmierer und Hilfsarbeiter in welchen er überzeugende Beispiele für seine Thesen gefunden hat. Gleichzeitig spannt er den Bogen von den Anfängen der Industrialisierung (Diderot, Smith) über Marx und Ford bis hin zu religiösen Strömungen (Luter), die unsere jetzige Arbeitsethik vorbereitet hätten. Immerzu gleicht er die vorherrschenden Überzeugungen von Befürwortern sowie Gegnern unterschiedlicher Systeme mit den Befindlichkeiten der Menschen ab, welche diese zu (er-)tragen hatten und haben. Unter diesem menschlichen Gesichtspunkt lässt er kein gutes Haar an jeglichem System, hinterlässt allerdings das Gefühl, dass sich nicht alles zum Negativen gewandt habe.
Wären früher starke Abhängigkeit vom Dienstgeber, geringe Aufstiegschancen, widrige Arbeitsverhältnisse und soziale sowie religiöse oder gar selbstauferlegte Legitimationszwänge die Geisel der arbeitenden Menschen gewesen, so fielen die Gemüter heute den ebenso unbefriedigenden Aspekten der modernen Arbeitswelt zum Opfer. Diese seien Unsicherheit durch ständigen Wandel und fehlender Resonanz, Oberflächlichkeit in jeglicher Ausprägung, fehlendes Vertrauen zu anderen Individuen und nicht zuletzt resultierend daraus der Selbstwertverlust des Einzelnen. Unter dem Deckmantel steigender Flexibilität verwandelten sich Unternehmensstrukturen von hierarchischen Systemen zu Netzwerken, Arbeitszeiten zu "Flex"-Zeiten und Stellungen in Betrieben zu temporären Etappen wackeliger Karrieren ohne nennenswerten Bezug zum Konzern. Alter stehe nunmehr für Risikoscheue und Erfahrung bremse Innovationen oder gefährde gar die Autorität Vorgesetzter. Machtpositionen würden von Verantwortung befreit und Verantwortliche seien überhaupt schwer auszumachen. Streben nach Oben sei die Devise ohne festzulegen, wann man angekommen wäre, auf wahrscheinliche Rückschläge würden wir nicht trainiert.
Dieses Werk ist eine sehr ernstzunehmende Analyse der heutigen ökonomisch - sozialen Beziehungen und zeigt, dass die Menschheit auf ihrer Odyssee nach einem System umfassend vertretbarer Arbeitsverhältnisse nur wieder auf einer unfruchtbaren Insel gestrandet ist.
0Kommentar7 von 7 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 27. Februar 2000
Wer auch immer dieses Buch liest, findet eine unterhaltsame und gehaltvolle Abhandlung über die Veränderungen in unserer Arbeitswelt und der Gesellschaft im allgemeinen. Das von ihm beschriebene Gefühl des "Floaten" sprach mir aus der Seele. Sennett schreibt sehr menschlich und verständlich, dennoch kann man dieses Buch als einen wichtigen Anstoß für die wissenschaftliche Diskussion sehen. Sennett schreibt unterhaltsam, aber gehaltvoll, kein Soziologendeutsch. Ich wünsche mir, daß es viele lesen werden!
0Kommentar13 von 15 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. Mai 2005
in der Arbeitswelt zeigt Sennett in seinem kurzen, sehr gut lesbaren Essay auf. Flexiblilät ist gefordert. darf aber nicht eine Basis entziehen, so seine Meinung. Er kritisiert, dass Forderungen Grenzen überschreiten, institutionelle Strukturen demontiert werden, die bisher für Sicherheit und Berechenbarkeit standen. Ein neuer Drift entsteht, der eine langfristige Ordnung umfunktioniert zu einer Herrschaft der kurzen Zeit. Verzicht auf Erfahrung und Lebensalter ist in Folge zwingend, Bedarf nach passendem Wissen just in time die"flexible" Alternative. In dieser kurzen Zeit gibt es zwar Ziele, die aber nicht mehr Bindungspotential durch Identifikation und Loyalität ermöglichen. Daher ist gefordert, Alternativen bereitzustellen, die sich in Netzwerkstrukturen auftun, die weniger schwerfällig auf Veränderung reagieren, sind doch hier nur Austauschpotentiale einer Struktur vorhanden, die nicht die Gesamtstory eines Zusammenhanges in Frage stellen, weil dieser Zusammenhang a priori entfällt. Damit gewinnt die "Stärke schwachen Bindungen" am Bedeutung. Diese vermeintliche Stärke ist nun gleichsam ein Entzug fester Charaktereigenschaften, die den Menschen ebenso zwingt, die Gesellschaft als Fragement und Ansammlung von Möglichkeiten (Optionen) zu begreifen. Diese sozialpsychlogisch neue Weichenstellung erzwingt allerdings eine neue Gemeinschaftssehnsucht (Werteordnung), die insgesamt den Menschen animiert, ausserhalb der Arbeitswelt nach neuen Bindungen und neuer Tiefe zu suchen, weil die Option des nur reinen gebraucht-werden-können nicht ausreicht und ein Leben im Passiv suggeriert.
In Konsequenz bleibt eine Botschaft, die da heisst: Uneingeschränkte Forderung nach Flexibilität reisst den Menschen in Stücke. Ergänzend kann man Th. Eriksen: Die Tyrannei des Augenblicks empfehlen.
0Kommentar11 von 13 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 13. August 2007
Richard Sennett, obwohl er ein Soziologe ist, geht zum Teil wie ein Volkskundler seine Betrachtung der aktuellen Lebenswelten an. Er vollzieht teilnehmende Beobachtungen und schildert die Ansichten der Menschen mit denen er zum Teil viel Zeit verbracht hat. Die neue Betrachtung der Grenzenlosigkeit der Arbeitswelt, die Verlagerung von Sinn und Halt in die Familie und dem Unvermögen beides mit einander zu kombinieren, lässt einen über sein eigenes Leben nachdenken. Der Wunsch nach einem sinnerfüllten Leben ist nicht mehr durch Arbeit gegeben und lässt sich auch nicht durch die Familie, die ebenfalls zu einem wurzellosen Wesen wird, gewinnen. Untermauert werden die Erkenntnisse durch einen kurzen, jeweils zum Kapitel passenden Durchzug durch die Fachwissenschaft. Zwar benötigt man zum Lesen etwas Hintergrundwissen und Verständnis für die soziologische und volkskundliche Sichtweise des Lebens, aber für jeden, der die Welt, wie sie sich heute verändert und darstellt, etwas besser verstehen will, muss dieses Buch gelesen haben.
0Kommentar6 von 7 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. Februar 2005
Sennett beschreibt mit seiner zeitkritischen Analyse die Merkmale des neuen Kapitalismus und seine Auswirkungen auf den Menschen.
Der globale Kapitalismus erfordere von den Menschen ein erhöhtes Maß an Flexibilität, was dazu führe, dass im Rahmen dieser Anpassung an wirtschaftliche Erfordernisse viele Menschen Angst davor haben, dass ihnen die Kontrolle über ihr eigenes Leben vollends entgleitet. Unter den Anforderungen der Flexibilität leide insbesondere die Intensität menschlicher Begegnung. Loyalität und emotionale Nähe d.h. tiefergehende Beziehungen brauchen Zeit und sind daher mit den kurzlebigen Erfordernissen des Kapitalismus nicht vereinbar.
Für den neuen Menschen gilt: Bleib in Bewegung, geh keine Bindungen ein und bring keine Opfer (S.29)!
0Kommentar5 von 6 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. Mai 2002
R. Sennett zeichnet ein Bild einer anglo-amerikanischen Wirtschaftsentwicklung, die auch in den „rheinischen" Wirtschaftsmodellen in einigen Branchen bereits sehr deutlich spürbar ist. Anhand weniger Fallbeispiele, die durchgängige in allen Kapitel bemüht werden, kann der Leser sich in alle Aspekte der „modernen" Flexibilität vertiefen. In erster Linie geht es in diesem Werk aber nicht um praktische Handlungsanweisungen für den Berufsalltag, sondern es geht vielmehr um die Konsequenzen der Korrosion des Charakters bzw. der Persönlichkeit, wie es im Originaltitel heißt. Sennett fragt nach den Konsequenzen aus dieser Entwicklung für jeden der sich innerhalb eines Wirtschaftssystems bewegt und der sich daraus entwickelnden Kultur, ohne allerdings ideologisch vorzugehen. Sennett legt seinen Finger in eine Wunde, die gerne von den Protagonisten dieser Entwicklung nicht thematisiert wird.
Für ein Fachbuch erstaunlich umgangssprachlich verfasst, zeigt Sennett das ernsthafte Inhalte eben nicht nur im Soziologendeutsch verfasst werden müssen.
Ein Buch und eine Empfehlung für Jedermann.
0Kommentar14 von 18 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. Oktober 2010
Dieses Buch wird nach meiner Erfahrung als einleitende Lektüre in vielen Seminaren und Workshops empfohlen, in manchen vorausgesetzt. Warum? Weil der Autor darin in relativ zugänglicher Sprache die grundsätzliche Verfasstheit des neuen Individuums, der Ich-AG, eben des flexiblen Menschen beschreibt, einer Erscheinung, wie wir sie heute am Arbeitsmarkt beobachten können, oder besser: beobachten könnten, würden wir nicht selbst von Job zu Job schwirren. Das Verdienst des Autors besteht m.E. darin, jene Entwicklungen, mit denen die Gesellschaft heutzutage zu tun hat, nämlich Arbeitslosigkeit und Jobcenter, Personaldienstleister und McJobs, Driften und Ins-Abseits-Driften etc. bereits vor mehr als 10 Jahren in klarer Sprache beschrieben zu haben.

Im englischen Originaltitel kommt die Essenz der von Sennett behandelten Tendenz noch viel deutlicher zum Ausdruck: The Corrosion of Character. Welche Auswirkungen hat das System des Arbeitsmarktes auf Vorstellungen von Wert, Tugend, Moral, ein System, das den einzelnen Menschen dazu zwingt, entsprechen zu müssen und in ein bestimmtes Schema passen zu müssen? Und nicht nur der tief greifende Wandel, der sich dadurch am Individuum ergibt, sondern auch, was die Gesellschaft als gemeinschaftliches Gefüge angeht: Heutzutage ist das alles aktuelle Realität: Spezialisierung, Profitmaximierung, Rationalisierungsmaßnahmen, Leistungsdruck, Outsourcing, prekäre Lebensverhältnisse, der euphemistisch so genannte "Freie Dienstnehmer"... Wie verändern sich Mensch und Gesellschaft dadurch? Das Buch gleicht einer Bestandsaufnahme und zeigt kaum Wege auf, wie sich mit diesen Entwicklungen am "freien Markt" umgehen ließe. Was es klar zeigt, sind die scheinbar unausweichlichen Folgen: Ellbogentechnik, Konkurrenzdruck, Zeitverknappung, Stresskrankheiten.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 20. Februar 2010
"Der Ausdruck 'handwerkliche Einstellung' wird meist für Menschen gebraucht, die manuelle Arbeit verrichten. Er bezeichnet das Streben nach Qualität zum Beispiel bei der Herstellung einer Geige, einer Uhr oder eines Topfes. Das ist jedoch eine allzu enge Sicht. Auch auf geistigem Gebiet gibt es eine handwerkliche Einstellung, etwa die Leistung eines klaren Schreibstils".
Dieser klare Schreibstil zeichnet die Bücher Sennett's aus. Der Verlust des handwerklichen Könnens in der modernen Welt ist eines der zentralen Themen dieses Buches. Der flexible Mensch kann zumindest potentiell fast alles, aber er kann nichts mehr gut. Dieser Verlust an handwerklichem Können wirkt sich laut Sennett auch sehr destruktiv auf die menschliche Seele aus. Das Buch endet mit einem Aufruf zur handwerklichen Revolte.
"Da die Menschen nur dann sicheren Halt finden können, wenn sie versuchen, etwas um seiner selbst willen gut zu tun, erscheint mir der Triumph der Oberflächlichkeit in Arbeit, Schule und Politik sehr zweifelhaft. Und vielleicht wird die Revolte gegen diese entkräftende Kultur die nächste Seite der Geschichte sein, die wir aufschlagen müssen".
Persönlich würde ich diesen Satz voll unterschreiben. Es tut mir als erfahrener Programmierer weh, wenn ich ineffizienten Kode sehe. Oft könnte man Programme mit ein bisserl Sorgfalt und Denken um 1 bis 2 Grössenordnungen effizienter machen. Jüngere Programmierer, die nie versucht haben ein Schachprogramm auf einem 2MHz-Prozessor in 4KByte-RAM unterzubringen, schauen einem dann aber eher entgeistert an. Es mag zwar ineffizient sein, aber es ist doch für einen 3GHz Pentium mit 2GB Hauptspeicher noch immer schnell und klein genug. Auch bei meinen Erbberechtigten habe ich nicht den Eindruck dass ihnen "etwas um seiner selbst Gut zu machen" ein besonderes Anliegen wäre. Sich mit minimalen Aufwand durchwurschteln lautet ihr Motto. Das ist sicher eine Anpassung an die von Sennett sehr präzise beschriebenen Veränderungen. Ich würde aber bezweifeln, dass sie von der Revolte zur Handwerklichen Meisterschaft träumen. Jedenfalls haben sie diesen Traum ihrem Erblasser noch nie angedeutet.
Manchmal wird aber auch ein so nachdenklicher und gebildeter Autor wie Sennett von der Wirklichkeit (schmerzlich) widerlegt:
"Die japanischen Hersteller von Automobilen und Unterhaltungselektronik, die Demings Ideen (von der totalen Qualitätskontrolle C.D.) übernahmen, versuchten hingegen Produkte herzustellen, die nicht nach einer bestimmten geplanten Nutzungsdauer unbrauchbar werden. Auf diese Weise hofften sie, eine Marktnische besetzen zu können. Und Firmen wie Toyota oder Sony hatten ausgezeichneten Erfolg damit".
0Kommentar2 von 3 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 4. November 2015
Die Auswirkung des modernen Kapitalismus auf das menschliche Psyche wird hier hervorragend dargestellt. Wie etwa die Schilderung einer Bäckerei in New York, wo eine Griechische Familie von Generation zu Generation sehr erfolgreich davon gelebt haben, Brot zu backen. Als die Bäckerei von einer Kette aufgekauft wird und die Brotherstellung computerisiert, so dass Leute ohne Ausbildung die Maschine bedienen können, aber die Arbeit nur wenige Monate aushalten. Ich habe das Buch danach auch im Englischen Original gekauft, Corrosion of Character.
Wer dieses Buch nicht schätzen oder verstehen kann, leidet vielleicht ein Bißchen unter corrosion of character?
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden