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Der flexible Mensch
 
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Der flexible Mensch [Taschenbuch]

Richard Sennett , Martin Richter
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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: btb Verlag (2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 344275576X
  • ISBN-13: 978-3442755769
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 11,6 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (19 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 216.027 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Richard Sennett
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Wie sehr sich die Arbeitswelt zu Beginn des 21. Jahrhunders verändert hat, zeigt sich schon am Sprachgebrauch. Erst wurden aus Berufen Jobs, und nun sind Jobs bereits zu "Arbeitsfeldern" oder "Projekten" mutiert. Langfristige berufliche Bindungen vermitteln diese Begriffe nicht mehr. In der schönen neuen Welt des globalisierten Kapitalismus und seiner verschlankten Unternehmensstrukturen steht jeder Arbeitsplatz, auch der des Managers, zur Disposition. In dieser Situation ist das neue Leitbild, so der amerikanische Soziologe Richard Sennett, die reaktionsschnelle, anpassungsfähige Persönlichkeit: Der flexible Mensch, wie sein neuestes Buch mit deutschem Titel heißt. So viel Gewinn an beruflicher Eigenverantwortung und professioneller Selbstbestimmung Angestellten und Arbeitern über Entbürokratisierung und Enthierarchisierung versprochen wird, so hoch ist ihre Verlustrechnung am Ende. Denn statt Eigenverantwortung gibt es tatsächlich vor allem einen massiven Kontrollverlust hinsichtlich Karriere und Lebensplanung. Er drückt sich darin aus, dass es für die Betroffenen unmöglich geworden ist, ihr Leben in einer Geschichte zusammenzufassen, in der die Mühen und Plagen des Alltags ebenso wie seine Erfolge, einen nachvollziehbaren Sinn ergeben. Sennett, der Anfang der achtziger Jahre mit Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität international Furore machte, hat sich für seinen Essay durchaus in der Arbeitswelt umgeschaut. Das Beispiel eines eingewanderten Hausmeisters und seines erfolgreichen Sohnes, der Fall einer Großbäckerei in Boston und seine Gespräche mit einigen von IBM in den 90er Jahren entlassenen Programmierern lassen ihn seine These zur problematischen Natur der Entwicklung anschaulich exemplifizieren. Der flexible Mensch ist, so lautet Sennetts These, nicht mehr in der Lage, individuellen Charakter auszubilden. Denn dafür bedürfte es langfristiger Verbindlichkeiten und Loyalitäten, erzählbarer Lebensgeschichte. Paradox genug: Auch wenn die anderen aus dem Patchwork ihrer Stellenwechsel und Kurzkarrieren keine Geschichte zustande bringen, Sennett selbst hat darüber in seinem knappen, anekdotenhaft und ausgesprochen lesbar geschriebenen Essay viel zu erzählen. --Brigitte Werneburg

Amazon.de
Richard Sennett, der in seiner berühmten Abhandlung über die Tyrannei der Intimität den Verfall der Öffentlichkeit untersuchte, hat eine kleine Studie über einige Phänomene kapitalistischer Charaktere vorgelegt. Im Zentrum seiner Untersuchung steht der Begriff der Flexibilität. Flexibilität gilt als Rezeptur der neuen Unternehmen, zugleich als Charakterqualität des karrierebewusst Handelnden.

Täglich werden die Mythen erfolgreicher Unternehmer, Jungmanager, Entrepreneurs der frühen Stunde erzählt. Silicon Valley, Microsoft oder Intel gelten als die Ikonen des schnellen Erfolgs. Aus Ludwig Erhards Wirtschaftswunderphilosophie "Wohlstand für alle" wird ab jetzt "Reichtum für jedermann". Traditionsunternehmen, die in Generationen denken, sind out. Der Zahltag soll sich spätestens nach einigen Jahren einstellen.

Loslassen können von gestern neuen, heute antiquierten Produkten, radikale Führungsqualitäten, globales Netzwerkdenken, virtuelle Unternehmensphilosophien werden zum Gebot des rasenden Zeitgenossen. Lebenslanges Lernen, der permanente Erwerb von Erfahrungen wird in den inzwischen klassisch gewordenen Unternehmenskonzeptionen beschworen. Übersehen wird dabei, dass eben nicht neues Wissen auf altes gesetzt wird, sondern die Software des Bewusstseins oft komplett ausgetauscht werden muss.

Sennett zeigt die gefährlichen Fallstricke, in denen sich die Erfolgszwangsgeplagten verfangen, weil sie immer weniger auf ihr Wissen vertrauen dürfen, aber zugleich die Furcht vor neuen Ansätzen wächst. So werden Erfolgsgeschichten projiziert, ohne dass die Handelnden auch die persönlichen Voraussetzungen mitbringen, die unabdingbar für den schnellen Erfolg sind.

Bereits der Aufbruch in das Wunderland der schnellen Dollars gilt als Erfolg, auch wenn der Absturz kurz darauf folgt. Die Gläubigen des rasanten Kapitalismus stoßen auf diffuse Produktions- und Distributionsstrukuren, in denen altes Erfahrungswissen wenig zählt und deren Vorhersehbarkeit ausgeschlossen ist. Es entsteht eine Unternehmenskultur der Oberflächlichkeit, die vom Gewohnheitstier Mensch, der auf die Kontinuität sozialer Beziehungen angewiesen ist, nicht verkraftet wird. Loyalität zum Unternehmen wird zu einem raren Gut, das sich keiner mehr leisten kann, der zu seinem Karrierezenit surft.

Sennett zeigt aber, dass Enthierarchisierung alles andere als Orientierungssicherheiten schafft. Unternehmen entstehen und vergehen, hinterlassen werden Orientierungslose -- Strandgut des hyperflexiblen Kapitalismus. Corrosion of character lautet denn auch der amerikanische Originaltitel, der die Folgen übereilten Wirtschaftens, der Demontage klassischen Unternehmertums besser fasst als der deutsche Übersetzungstitel.

Im Verweis auf die Statistiken zeigt Sennett, dass die Fetische des neoliberalen Kapitalismus Ungleichheiten verstärken, eine kleine Gruppe von Siegern und ein Heer von ausgebrannten Verlierern produzieren. "The way out" wäre -- für die Ideologen des schnellen Wirtschaftens unerträglich -- das Beharrungsvermögen, die Nichtbereitschaft sich auf eine wildgewordene Wirtschaft einzulassen.

Sennetts Analyse trifft ins Herz der euphorischen Managementbeschwörungsliteratur und macht deutlich, dass "positive thinking" oft nur der Auftakt des Abgesangs ist. Fraglich bleibt aber, ob die neuen Strukuren auf der Ebene des Individuums überhaupt lösbar sind, oder es nicht unabdingbar wird, Wege aus dem ruinösen Kasinokapitalismus zu finden. Weder der Neoliberalismus noch eine autoritäre Wirtschaftsdiktatur erscheinen geeignet, eine global vernetzte Wirtschaft wieder auf Menschenmaß einzurichten. --Goedart Palm

Neue Zürcher Zeitung

In der Drift des Kapitalismus

Richard Sennetts Essay über den «flexiblen Menschen»

«Kapitalismus» war nie nur eine Wirtschaftsweise, sondern stets auch eine soziale und kulturelle Existenzform. Lebensstile, Selbstverständnisse, Gewohnheiten der Kommunikation, moralische Orientierungen prägen sich – auch – im «Wirtschaftsleben» der Menschen aus. Zeiten gibt es, in denen dieser triviale Umstand wenig bemerkt wird; Zeiten aber auch, in denen er sich, gewissermassen, aufdrängt. Heute, da Umwälzungen globalen Ausmasses den Alltag erfassen, tritt mit Macht zutage, was dies heisst: «Kapitalismus als Kultur».

Es heisst, «Flexibilität» zu kultivieren, die Dehnfestigkeit individueller Biographien bis zum äussersten zu strapazieren, um in deregulierten Zeiten und Räumen zumindest noch simulieren zu können, was einmal «Lebensführung» genannt wurde. Über die «Kultur des neuen Kapitalismus», der so neu nicht ist, hat der Soziologe Richard Sennett einen Essay geschrieben: «Der flexible Mensch». Der amerikanische Originaltitel gibt zu verstehen, welchen Preis der flexible Mensch für seine Bereitschaft zur permanenten Beweglichkeit zahle: «The Corrosion of Character». Der Charakter, der da zerfressen wird, ist allerdings nichts bloss Privates, rein Innerliches. Sennett meint mit dem altmodisch wirkenden Wort (in vager Anlehnung an Horaz) eine Art der Treue zu sich, die sich in der Treue zu anderen bewährt, in wechselseitigen Verpflichtungen, in Verantwortung und Vertrauen. Damit, so die Befürchtung, könnte es vorbei sein, wenn das «Berufsleben», unter dem Diktat der kurzfristigen Ökonomie, keine «Laufbahnen» klassischen Zuschnitts mehr zulässt: Niemand, auch nicht in den oberen Etagen der Konzerne, kann sicher sein, morgen noch zu tun, was er heute tat.

Im Zustand der Ungewissheit

Den Zustand, in dem sich die zur Flexibilität Gezwungenen befinden, ihre Befindlichkeit, bezeichnet Sennett mit dem nautischen Ausdruck, der in Vorankündigungen des gleichzeitig auf englisch und deutsch erschienenen Buches noch der titelgebende war: «Drift». Im Ungewissen dahintreiben, von Tätigkeit zu Tätigkeit, von Ort zu Ort getrieben sein – das sei das Los der Flexiblen. Ein Los, das nicht mehr wie ehedem von Katastrophen verursacht, das vielmehr «mit den alltäglichen Praktiken eines vitalen Kapitalismus» verwoben sei. Wie unter Bedingungen allseits geforderter Bindungsschwäche «dauerhafte soziale Beziehungen» aufrechterhalten? Wie die Fragmente gesteigerter Zufälligkeit «zu einer Erzählung bündeln», wie sie in eine «Lebensgeschichte» verwandeln, die «Identität» ermöglicht?

Sennett greift solche Fragen nicht «systematisch» auf. Zwar flicht er philosophische, ökonomietheoretische und sozialwissenschaftliche Erkenntnisse (man möchte sagen: Versatzstücke) in den Essay ein, doch den Gang der Erörterungen bestimmen – mitunter sehr – «persönliche» Schilderungen. Worin von Begegnungen berichtet wird, die die Existenznöte des neuen Menschen im neuen Kapitalismus sinnfällig werden lassen: Rico, der Sohn des Hausmeisters Enrico, hat es geschafft; doch sein Aufstieg in die Welt des Consulting «entwurzelt» ihn und seine Familie und macht aus ihm, dem einst Liberalen, einen paradoxen Kulturkonservativen, der Werte predigt, denen er selbst nicht nachlebt, nicht nachleben kann; dieser Widerspruch bekundet sich auf verquere Weise auch darin, dass er in seinen Formulierungen das Passiv vermeidet und selbst dort verbaliter die «Verantwortung» übernimmt, wo er offenkundig einer Entscheidung unterworfen war, die er selbst nicht getroffen hat.

Ausser über Rico und Enrico erfährt man manches über die New Yorker Barbesitzerin Rose und ihren missglückten Ausflug in die Werbebranche (Thema «Risiko»), über eine Gruppe von entlassenen IBM-Programmierern («Scheitern»), über eine Bostoner Bäckerei und ihre zunächst griechischstämmige, dann multiethnische Belegschaft («Warum moderne Arbeitsformen schwer zu durchschauen sind») sowie über den «Homo Davosiensis», jene Spezies von Akteuren, die den flexiblen Menschen am lupenreinsten zu verkörpern scheint – anzutreffen alljährlich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Wer «ohne feste Ordnung» auskommt, «inmitten des Chaos aufblüht», wer sich von der Vergangenheit zu lösen, wer die Fragmentierung zu begrüssen vermag, der ist zu Hause im Unzuhause und hat alles Zeug dazu, sich auf die Seite der Gewinner zu schlagen.

Neue Machtstrukturen

Um Gewinner und Verlierer, das wird nicht erst in Davos deutlich, geht es nämlich noch immer. Nicht allein in pekuniärer Hinsicht erzeugt der neue Kapitalismus neue (und alte) Ungleichheiten, auch in puncto Macht und Freiheit tut er es. Der flexible Mensch ist, einer voreiligen Hoffnung gemäss, die Adam Smith vor gut zweihundert Jahren hegte, auch der freie Mensch. Warum diese Rechnung des Ahnherrn des ökonomischen Liberalismus nicht aufgehe – das zu zeigen ist Sennetts Absicht. Indem er sie verfolgt, gewinnt sein Essay ein soziologisches Profil, ohne das er als freundlich-geziertes Lamento kulturkonservativer Provenienz missverstanden werden könnte. Die Ablehnung monotoner, bürokratischer Routine, so Sennett, habe «neue Macht- und Kontrollstrukturen ins Leben gerufen, die nichts mit Freiheit zu tun haben».

Unter dem Deckmantel – und mit dem Instrument – der «Flexibilität» etabliere sich in Betrieben und Unternehmen ein neues Machtsystem, dessen wohl wichtigstes Charakteristikum Sennett (mit Bennett Harrison) auf die organisationssoziologische Formel «Konzentration ohne Zentralisierung» bringt: So flach sind die abgeflachten Hierarchien, so dezentral die «Netzwerke» nicht, wie die Sprachregelungen der flexiblen Ordnung und ihrer Hüter das suggerieren. Was getan werden soll, wird zwar nicht mehr bis ins kleinste «oben» entschieden und nicht mehr so genau nach «unten» durchgegeben: hier sollen «Kreativität» und «Eigeninitiative» walten. Ein Oben und ein Unten aber, die Übermittlung von Befehlen gibt es weiterhin, die Möglichkeiten der Kontrolle nehmen, computergestützt, sogar markant zu. Alle sind flexibel, einige flexibler. Die Formlosigkeit besitzt eine eigene Effizienz, die in kritischen Augenblicken den Mächtigeren einen unschätzbaren und neuartigen Vorteil verschafft: Sie können, besonders wo das Zauberwort «Teamwork» lautet und die «Masken der Kooperativität» getragen werden, ihre Macht ausüben und sich dennoch der Verantwortung entziehen: «Die Verantwortung trägt der Wandel, aber der Wandel ist keine Person.»

Sennett gibt keine Antwort auf die Frage, ob und wie der Drift zu entkommen sei. Er registriert, ohne ein sicheres Gestern herbeizusehnen, die Erosionen. Er verherrlicht nicht die «klaustrophobischen» Weltbilder vorbestimmter Lebensläufe, und er verschweigt nicht, dass die «langfristige» Ordnung, die den neuen, flexiblen Verhältnissen voranging, selber «kurzlebig» war. Er ist auch kein Anhänger des «Kommunitarismus», dessen Fixierung auf «Einheit» er für verfehlt und unrealistisch hält. Indes, Richard Sennett ist der Ansicht, eine soziale Ordnung büsse über kurz oder lang ihre Legitimität ein, wenn sie den Menschen «keinen tiefen Grund» gebe, «sich umeinander zu kümmern». Vielleicht ist das keine Sozialromantik, vielleicht aber doch.

Uwe Justus Wenzel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Rolf Dobelli HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Karriere" bedeutete ursprünglich: Straße für Kutschen, und "Job" galt im Englischen des 14. Jahrhunderts als Klumpen oder Stückgut, das man herumschieben konnte. Beide Wörter entfalten vor dem Hintergrund der heutigen Ökonomie eine Bedeutung, die fast zynisch ist: Wir leben für die Karriere, können dabei aber beliebig hin und her geschoben werden, wie es den Auftrag- oder Arbeitgebern gerade passt. Das Zauberwort, dass diesen eigentlich menschenunwürdigen Zustand treffend charakterisiert und gleichzeitig beschönigt, ist: Flexibilität. Der amerikanische Soziologe Richard Sennett zeigt in seinem langen, aber keinesfalls langweiligen Essay, wie die Doktrin der Flexibilität das menschliche Zusammenleben und die menschliche Lebensplanung immer weiter zersetzt. Diese Zersetzung nennt er "Drift": Wir treiben durch unser Arbeitsleben wie Tagelöhner, heute hier, morgen da, und wissen nicht, was die Zukunft bringt. Auf Lösungen kommt es Sennett nicht so sehr an: Er ist nur Beobachter, aber ein eindringlicher, brillanter und auch unterhaltsamer. An einigen Stellen geht der Soziologe mit ihm durch, aber ansonsten ist das Buch wunderbar leicht und flüssig zu lesen. Wir empfehlen es jedem, der sich für die sozialen Auswirkungen des heutigen Kapitalismus interessiert.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
in der Arbeitswelt zeigt Sennett in seinem kurzen, sehr gut lesbaren Essay auf. Flexiblilät ist gefordert. darf aber nicht eine Basis entziehen, so seine Meinung. Er kritisiert, dass Forderungen Grenzen überschreiten, institutionelle Strukturen demontiert werden, die bisher für Sicherheit und Berechenbarkeit standen. Ein neuer Drift entsteht, der eine langfristige Ordnung umfunktioniert zu einer Herrschaft der kurzen Zeit. Verzicht auf Erfahrung und Lebensalter ist in Folge zwingend, Bedarf nach passendem Wissen just in time die"flexible" Alternative. In dieser kurzen Zeit gibt es zwar Ziele, die aber nicht mehr Bindungspotential durch Identifikation und Loyalität ermöglichen. Daher ist gefordert, Alternativen bereitzustellen, die sich in Netzwerkstrukturen auftun, die weniger schwerfällig auf Veränderung reagieren, sind doch hier nur Austauschpotentiale einer Struktur vorhanden, die nicht die Gesamtstory eines Zusammenhanges in Frage stellen, weil dieser Zusammenhang a priori entfällt. Damit gewinnt die "Stärke schwachen Bindungen" am Bedeutung. Diese vermeintliche Stärke ist nun gleichsam ein Entzug fester Charaktereigenschaften, die den Menschen ebenso zwingt, die Gesellschaft als Fragement und Ansammlung von Möglichkeiten (Optionen) zu begreifen. Diese sozialpsychlogisch neue Weichenstellung erzwingt allerdings eine neue Gemeinschaftssehnsucht (Werteordnung), die insgesamt den Menschen animiert, ausserhalb der Arbeitswelt nach neuen Bindungen und neuer Tiefe zu suchen, weil die Option des nur reinen gebraucht-werden-können nicht ausreicht und ein Leben im Passiv suggeriert.
In Konsequenz bleibt eine Botschaft, die da heisst: Uneingeschränkte Forderung nach Flexibilität reisst den Menschen in Stücke. Ergänzend kann man Th. Eriksen: Die Tyrannei des Augenblicks empfehlen.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Wer auch immer dieses Buch liest, findet eine unterhaltsame und gehaltvolle Abhandlung über die Veränderungen in unserer Arbeitswelt und der Gesellschaft im allgemeinen. Das von ihm beschriebene Gefühl des "Floaten" sprach mir aus der Seele. Sennett schreibt sehr menschlich und verständlich, dennoch kann man dieses Buch als einen wichtigen Anstoß für die wissenschaftliche Diskussion sehen. Sennett schreibt unterhaltsam, aber gehaltvoll, kein Soziologendeutsch. Ich wünsche mir, daß es viele lesen werden!
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