Eigentlich sollte Julian bei einer Tagung seines Arbeitgebers, einer Versicherungsgesellschaft, ein Referat halten, doch einige Stunden vorher hat er immer noch nichts vorbereitet und geht lieber schwimmen. Er wird von einer Strömung erfasst und kann sich mit Mühe ans Ufer retten. Ihm kommt die Idee, seinen Tod vorzutäuschen, um seinem bisherigen Leben zu entfliehen.
Bis dahin wirkt alles klar und real, auch Julians anschließende Abfahrt und seine Überlegungen, was er beachten und organisieren muss, um einerseits für tot erklärt zu werden, andererseits weiterzuleben. Dann aber vermischt sich Reales mit Traumsequenzen und Erinnerungsbildern an seine Kindheit und Jugend, die er im Schatten seines älteren hochbegabten Bruders Paul verbrachte, dem alle Wege offenstanden, während Julian, gescheitert in Schule und Studium, quasi in die Versicherungsbranche abgeschoben wurde. Der Vater verließ die Familie, die Mutter beging Selbstmord, aber immer wieder begegnet Julian den Toten, spricht mit ihnen und sitzt in Zügen ohne das Ziel zu kennen. Paul, zu dem er seit Jahren keinen Kontakt hatte, taucht auf und scheint wie ein vertrauter Freund.
Das Verweben von Handlung und Gedanken, von Gegenwart und Vergangenheit, von Erlebtem und Erträumtem macht das Buch vielschichtig und jede eindeutige Interpretation unmöglich. Sind es die Abschiede vom alten, fremdbestimmten Leben, die in Einzelheiten ausgedrückt sind? Ist es all das, was noch abgehakt werden muss, ehe Julian frei für ein neues Leben ist? Oder sind es die bruchstückhaften Bilder seines Lebens, die ihn im Augenblick des Sterbens überfallen?
Klarheit liefert auch der abrupte Schluss nicht. Doch er drückt aus, dass der Autor nun alles erzählt hat, was zu erzählen war. Der Rest bleibt dem Leser überlassen.