Im dritten Jahr der Nazidiktatur schreibt der 1884 in München geborene Lion Feuchtwanger, in seinem französischen Exil Sanary-sur-Mer, den Roman Der falsche Nero", als Parodie auf das deutsche Triumvirat Hitler, Göring und Goebbels.
Eine der großen politischen Betrugsgeschichten des alten Rom, hundert Jahre nach Christi Geburt, die weit entfernt von Rom im Zweistromland zwischen Babylon und Euphrat spielt, diente ihm dabei als Vorlage. Dort in den Ostprovinzen lässt Senator Varro, elf Jahre nach Neros Tod, den Töpfer Terenz, der schon zu Neros Lebzeiten diesen immer parodiert und kopiert hatte, auferstehen und behaupten, er wäre gar nicht umgebracht worden. Terenz genießt die ihm zugedachte Rolle, dabei werden seine Eitelkeit und Machtbesessenheit von den vertrauten Gefolgsleuten, dem General Trebon und dem Staatsdiener Knops, angestachelt. Die verwegene Unternehmung gelingt dem Senator, denn die Nero - Dublette" vergisst die Tatsache,in Wahrheit nur eine Marionette zu sein.
Es ist ein Schlüsselroman, weil man erst hinterher merkt, wer mit den Figuren gemeint ist. Mit Nero meinte Feuchtwanger Hitler und die beiden anderen hinterhältigen, lästigen, mörderischen Figuren sind auch leicht zu erkennen. Der General verkörpert den Orden geschmückten, dicken Göring, der Staatssekretär ist der kleine, schmächtige, humpelnde Goebbels. Hat man das erkannt, dann macht der Roman noch viel mehr Spass. Ein sehr interessantes Buch, das dem Leser Sternstunden der Lektüre beschert.