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Mit Der ewige Gärtner zieht der Autor jedoch wieder alle Register. Die Personenbeschreibungen sind so elegant und ausdrucksstark und der Stil so klar und eindringlich wie ehedem. Aber vor allem hat le Carré für seinen neuen Roman ein Thema gefunden, das genauso bedeutungsgeladen ist wie die, mit denen er sich in der Vergangenheit befasst hat: die üble, nur scheinbar Heil bringende Welt der globalen Pharmaindustrie. Le Carré erforscht die alten Themen von Betrug und Gefahr in einem Erzählstil, der den Leser über die gesamte beachtliche Länge des Romans hinweg völlig packt.
Sein Protagonist, Justin Quayle, ist ein unbedachter britischer Diplomat, dessen Arbeit beim britischen Hochkommissariat in Nairobi an einen von Graham Greenes entwurzelten Helden erinnert, die sich darum bemühen, im schwülen Verfall fremder Gefilde zu überleben. Kenia unter Präsident Arap Moi befindet sich im Würgegriff von AIDS, während politische Machenschaften die Gefahr vertuschen und für einen tödlichen Status quo sorgen. Als Quayles Ehefrau (die sich weit mehr als er dafür interessiert hat, was um sie herum geschieht) getötet wird, macht er sich daran, den Umständen des Verbrechens nachzugehen. Seine Nachforschungen führen ihn in ein düsteres Geflecht aus Ausbeutung, Habgier und einen großen Pharmakonzern, der darauf erpicht ist, sein "Wundermittel" gegen Tuberkulose auf den Markt zu bringen. Als sich Quayle näher mit der Firma befasst, über die seine Frau Nachforschungen angestellt hatte, beginnt all das, woran er bisher geglaubt hatte, ins Wanken zu geraten.
Der stete Spannungsaufbau und die rigorosen Charakterbeschreibungen sind klassischer le Carré, und der Leser stellt beglückt fest, dass der Meister wieder in Form ist und durch das Doppelspiel der heutigen Welt mit einer echten Wut beseelt ist. --Barry Forshaw -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Natürlich gibt es noch Handlung, Spannung usw. Aber das spielt alles nicht mehr die große Rolle. Worum es le Carré geht, sind einfache moralische Fragen. Z.B. um Mitleid. Z.B. um Anstand. Z.B. um die Verlockungen von Ruhm, Reichtum und Karierre. Z.B. um Feigheit.
Le Carré behandelt diese Fragen durch eine Abfolge von Szenen, in denen wir die Auseinandersetzung mit diesen Problemen anhand einer Anzahl verschiedener Figuren erleben, die alle ihre eigene Antwort finden. Eine eigentliche Hauptperson hat das Buch nicht, wenn auch eine Art Zentrum. Stattdessen gibt es einen Stamm von Personen, der alleine oder in Kombination auftritt und durch diverse Nebenfiguren ergänzt wird. Der Fokus richtet sich dabei mal auf die eine, mal auf die andere Figur. Auch ist es kein Spionageroman mehr. Das Buch spielt in erster Linie im Milieu des Foreign Office, daneben der Pharmaindustrie und Nichtregierungsorganisationen. Das besondere Interesse und die besondere Verachtung von Le Carré gelten dem Typus des Karrierebeamten, der in diesem Buch gleich in mehreren Figuren behandelt wird.
Wer einen klassischen Thriller sucht, ist hier falsch. Le Carré hat sich hiervon inzwischen weit entfernt. Wer dagegen geneigt ist, sich ganz direkt mit moralischen Fragen auseinanderzusetzen, die in der einen oder anderen Weise auch ihn oder sie selbst betreffen, und gleichzeitig außerdem ein spannendes Buch mit all den typischen Stärken von Le Carré zu lesen, sollte sich nicht von der zurückhaltenden Rezeption des Buches abschrecken lassen. Es lohnt sich.
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