Irene Huss, altbekannte Kriminalinspektorin hat wieder zugeschlagen. Im neusten Krimi von Helene Tusten ermittelt Irene wieder in Göteborg und kommt dabei langsam einer Verschwörung kontinuierlich wachsenden Ausmasses auf die Fährte. Auch ihr Kollege Tommy ist als Polizeipartner wieder mit von der Party. Zusammen ermitteln sie bei den Schönen und Reichen Göteborgs. Bald treibt der Fall sie nach Paris und zieht Spuren über London bis in die Vereinigten Staaten. Dabei rückt ein Wirtschaftsverbrechen aus der Zeit platzender Börsenträume und strauchelnder ".com" in den Mittelpunkt des Geschehens und scheint viele Jahre später eine blutige Spur durch Göteborg zu ziehen.
Der Roman kann nicht an die alten Erfolge von Helene Tursten heranreichen. Der Plot an sich ist spannend und einfallsreich, aber die Figuren sind blass und zum Teil unlogisch entwickelt. Auch agieren die Polizisten in der Ermittlung hölzern und stereotyp. Die sonst so stark inzenierte polizeiliche Detailarbeit gibt dem Buch keine Impulse, die in vergangenen Büchern sehr erfolgreich betriebene Verflechtung aus Dienst- und Privatleben wirkt in "Der erste Verdacht" eher angestrengt und konstruiert. Gegen Ende des Buches nimmt der Fall dann eine Dimension an, die das Gefühl vermittelt, unbedingt einen Trumpf aus dem Ärmel ziehen zu müssen, um die Handlungsstränge wieder auflösen zu können. Da sterben reihenweise Personen. Es erfolgen Erpressungen gigantischen Ausmaßes. Da erscheinen auf einmal Mörder, die nur auf Geheiß gearbeitet haben.
Die früheren Bücher von Helene wie "Novembermörder" oder "Die Tätowierung" sind absolut empfehlenswert, spielen für mich aber in einer anderen Liga als das aktuelle Buch. Als Schmöker für gemütliche Abende gebe ich dem ersten Verdacht 3 Sterne.