Viele wissen es nicht (mehr), aber neben Polen spielte Ungarn in der Wendezeit eine wichtige Rolle.
Die Ungarn waren ja schon immer etwas aufmüpfiger als andere sozialistische Staaten, und die Entmachtung des allmächtigen Partei- und Staatschef Kadar war für die damalige Verhältnisse schon eine kleine Revolution.
Seine Kollegen aus den anderen Ostblockstaaten saßen zu dem Zeitpunkt noch fest im Sattel und hatten die Zeichen der Zeit nicht verstanden.
Anders der neue Regierungschef Nemeth, zwar Mitglied des Politbüros aber auch studierter Ökonom mit USA-Aufenthalt. Als Repräsentant eines Einparteienstaates demontierte er seinen eigenen Staat, öffnete die ungarischen Grenzen gegenüber Österreich, sorgte damit für die Massenflucht der DDR-Bürger und gab das Startsignal für die Montagsdemonstrationen in Leipzig, die zum Schluss zum Mauerfall führten.
Nemeth steht in diesem Buch im Vordergrund, es ist seine Geschichte die hier erzählt wird.
Der Fall der ungarischen Grenze, die Wandlung zu einem demokratischen Mehrparteienstaat ist neben dem Fall der Berliner Mauer einer der spanndensten Dinge die im Wendeherbst passierten.
Noch heute kriege ich Gänsehaut wenn ich von Wien aus nach Ungarn einreise, und 20 Jahre nach der Grenzöffnung geht das genau so einfach wie die Einreise nach Belgien oder Frankreich.