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Der englische Patient. SZ-Bibliothek Band 23
 
 
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Der englische Patient. SZ-Bibliothek Band 23 [Gebundene Ausgabe]

Michael Ondaatje , Adelheid Dormagen
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (36 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Auch wenn Sie den Kinofilm schon gesehen haben, lohnt die Lektüre des Buches Der englische Patient von Michael Ondaatje mindestens genauso wie der Blick auf die Filmleinwand.

Oberflächlich gesehen erzählt der Roman die Geschichte von vier Personen, die 1945 bei Kriegsende in einer zerbombten, toskanischen Villa gestrandet sind und versuchen, wieder ein normales Leben aufzunehmen. Da ist Hana, eine kanadische Krankenschwester, die sich um den verbrannten Mann kümmert, der mit seinem Flugzeug in der Wüste abgestürzt war. Täglich wäscht sie seinen Körper und unterhält sie beide mit dem Vorlesen von Rudyard Kipling und Stendhal.

Wenige Tage nach ihrem Einzug in die verfallene Villa taucht Caravaggio -- der Dieb -- auf, dem die Deutschen die Daumen abgehackt haben. Hana und Caravaggio kennen sich noch aus der Zeit vor dem Krieg. Der Vater Hanas war mit Caravaggio befreundet. Als Caravaggio hört, dass sie mit einem Verwundeten allein in der Villa lebt, beschließt er zu ihrem Schutz zu bleiben. Zu diesen Dreien gesellt sich Kip, ein junger Inder, der ein Meister im Bomben entschärfen ist -- als in Hiroshima und Nagasaki Bomben fallen, mit denen auch er es nicht mehr aufnehmen kann, gibt er sich geschlagen und kehrt verzweifelt in seine Heimat zurück. Jede der Personen ist in ihrer Biographie gebrochen, wurde tief verletzt durch den Krieg. Sie treffen sich an diesem Ort der Welt, um auszuharren, zu verschnaufen, Luft zu holen und um letztlich wieder auseinander zu gehen.

Michael Ondaatje schildert in Rückblenden und Traumsequenzen die erlittenen Wunden und Demütigungen. Doch keine Angst, es handelt sich dabei nicht um einen jener modernen Romane, bei denen der Leser ein riesiges Puzzle in die Hand bekommt, das schon der Autor nicht zusammensetzten vermochte und aus dem der Leser nun einen verständlichen, tiefsinnigen Text kreieren soll. Bruchstückhaft erzählt der "englische Patient" Hana und Caravaggio, wie er in der libyschen Wüste mit seinem Flugzeug abstürzte, dabei seine große Liebe verlor und sich nun selbst nur durch Morphium an sein Leben erinnert. "Manche der Geschichten, die der Mann ruhig in das Zimmer hinein erzählt, gleiten wie Falken von Schicht zu Schicht."

Es ist schon etwas ganz Besonderes, wie Ondaatje über die Wüste schreibt, das Leben der Nomadenstämme, wie die Arzneifläschchen am Körper des Medizinmannes klirren, so dass seine Erscheinung an einen Erzengel erinnert. Oder die Wüstenwinde, wie sie sich ankündigen, den Tag verhüllen und mit gewaltigen Sandmassen vorbeirauschen, tänzeln oder sich auslöschen -- sich auflösen, mit allem, was sie eingehüllt haben. Diese Szenen bleiben beim Leser wie auch beim Kinofreund unvergessen. Der Roman ist keine einfach gestrickte Unterhaltungslektüre, nichts geschieht zufällig, alles wurde von Ondaatje wohl komponiert. Er verlangt jedoch von seinem Leser, dass er genau hinhört, konzentriert liest. Nur so entfaltet das Buch seine unvergleichliche Poesie. In der Malerei wäre dieses Werk ein Bild aus weichen, hellen Pastelltönen mit fein verwischten Konturen, gerade noch erahnbar unter einer dichten Schicht aus Staub.

Für alle Leser, die Geschmack an den Romanen Ondaatjes gefunden haben, noch ein Tipp: Die Geschichte von Hana und Caravaggio begann in dem Roman In der Haut eines Löwen. --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Der englische Patient
OT The English Patient OA 1992 DE 1993Form Roman Epoche Gegenwart
Der englische Patient von Michael Ondaatje wurde weltberühmt durch die Verfilmung von Anthony Minghella 1996, die mit insgesamt neun Oskars ausgezeichnet wurde.
Inhalt: 1945 finden sich in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs vier Menschen in einer zerbombten Villa in der Toskana ein, die zuvor den Alliierten als Lazarett gedient hatte. Nach deren Abzug blieb die 20-jährige kanadische Krankenschwesterm Hana mit einem nicht transportfähigen unbekannten englischen Patienten zurück, der bei einem Flugzeugabsturz in der Libyschen Wüste schwerste Verbrennungen erlitten hatte. Zu den beiden gesellt sich David Caravaggio, ein früherer Freund von Hanas Vater, der von ihrer Anwesenheit in der Villa gehört hatte und sie nun schützen will; später stösst Kirpal Singh, genannt Kip, zu ihnen, ein Pionier der britischen Armee.
Trotz des Zusammenlebens in der Villa bleibt jeder der vier mit seiner Vergangenheit und den Kriegstraumata allein. An den Abenden liest Hana dem englischen Patienten verschiedene Bücher aus der Bibliothek der Villa vor. Eine zentrale Rolle spielt ein altes Exemplar der Historien (entst. 445–430 v. Chr.) von R Herodot, das der englische Patient auf wundersame Weise retten konnte. Das Buch ist eine Art Tagebuch des Patienten; es enthält Briefe, Zeichnungen und persönliche Notizen und scheint somit der Schlüssel für seine Herkunft zu sein.
Caravaggio vermutet, die wahre Identität des englischen Patienten zu kennen: Er ist der ungarische Graf László de Almásy. Caravaggio kann ihm unter Morphiumgabe seine wahre Identität als Spion der Deutschen entlocken, muss jedoch erkennen, dass der verbrannte Körper nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann. Das wahre Geheimnis des englischen Patienten war jedoch ein anderes – seine leidenschaftliche Liebe zu Katharine, der Frau eines britischen Kollegen.
Das Ende des Romans knüpft an Herodot an: Beschreibt dieser in seinen Historien den Kampf der Perser gegen die Griechen, also die Auseinandersetzung Asiens mit Europa, so wendet auch der Inder Kip seinen Hass und seine Verzweiflung gegen die europäischen Bewohner der Villa, als er vom Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki hört. Nachdem er in den vergangenen Jahren für die Alliierten tausende von Bomben entschärft hat, setzen diese nun die Atombombe gegen seinen Kontinent ein. Überstürzt kehrt er in seine Heimat zurück .
Struktur: Mosaikartig setzt der Roman die Lebensgeschichten der vier Personen Stück für Stück zusammen. In der Rückblende erfährt der Leser nach und nach, was diese Menschen zu dem machte, was sie nun sind, und wie der Krieg jeden einzelnen von ihnen prägte.
Das Vorleben von Hana und Caravaggio hatte Ondaatje in seinem Roman In der Haut eines Löwen (1987) beschrieben.
Wirkung: Nach seinem Erscheinen erhielt der Roman mehrere Preise in den USA. Von verschiedenen Seiten wurde kritisch angemerkt, dass Ondaatje mit László de Almásy eine historische Person romantisiert, die in Wirklichkeit u. a. ein hoch dekorierter Kollaborateur der Nationalsozialisten war, der seine Fähigkeiten als Pilot und Wüstenforscher mit Erfolg der Wehrmacht andiente. G. Wi. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs treffen in einer zerbombten Villa in der N„he von Florenz vier Menschen unterschiedlicher Nationalit„t zusammen, zwischen denen ein eigenartiges Beziehungsgeflecht entsteht. Jeder der vier, drei M„nner und eine Frau, sie ist Krankenschwester, erfindet sich eine eigene Welt. Doch im Laufe der Zeit offenbart sich ihr Innenleben und ihre wahre Geschichte. Die Zeit scheint in Michael Ondaatjes Roman aufgehoben, und doch erz„hlt er vom Ende der alten und dem Entstehen einer neuen Welt.

Der Verlag über das Buch

Der Krieg ist weitergezogen. In einer verlassenen Villa in Florenz sind vier Menschen gestrandet, die Zug um Zug ihre Leidenschaften und Wünsche, ihre Geschichte und Existenz voreinander enthüllen. Ein atemberaubendes Spiel um Tod und Leben beginnt. Der Roman wurde von Anthony Minghalla mit Juliette Binoche, William Defoe und Jürgen Prochnow verfilmt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Klappentext

»Seit Casablanca, so glaubt man sich zu erinnern, ist ein derartig aufwühlender Liebesfilm nicht mehr zu sehen gewesen. Nicht erst seit damals ist es ehernes Gesetz, daß solche Filme niemals glücklich enden dürfen. Große Leidenschaften entstehen nicht im Einklang mit der Welt.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Dies ist verdammt nah dran an einem Meisterwerk.«
New Yorker -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Autorenportrait

Michael Ondaatje wurde 1943 in Sri Lanka geboren, ist holländisch-tamilisch-singhalesischer Abstammung und lebt heute in Kanada. Seit 1971 unterrichtet er am Glendon College der York University (Toronto) Gegenwartsliteratur. Seine Bücher wurden mehrfach mit dem höchsten Kanadischen Literaturpreis ausgezeichnet, und für seinen Roman "Der englische Patient" erhielt er 1992 den Booker-Preis. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Auszug aus Der englische Patient. SZ-Bibliothek Band 23 von Michael Ondaatje, Adelheid Dormagen. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Sie richtet sich auf, im Garten, wo sie gerade gearbeitet hat, und schaut in die Ferne. Sie spürt einen Wetterumschwung. Wieder ein Windstoss, ein Beben in der Luft, und die hohen Zypressen schwanken. Sie dreht sich um und geht hinauf zum Haus, klettert über eine niedrige Mauer und fühlt die ersten Regentropfen auf den bloßen Armen. Sie durchquert die Loggia und betritt rasch das Haus. In der Küche bleibt sie nicht stehen, sondern eilt hindurch und steigt die Treppe hoch, die im Dunkel liegt, und geht dann weiter die lange Halle entlang, an deren Ende ein Lichtkegel aus einer offenen Tür fällt. Sie wendet sich dem Zimmer zu, einem zweiten Garten - dieser hier aus Bäumen und Lauben, die auf Wände und Decke gemalt sind. Der Mann liegt auf dem Bett, sein Körper dem Luftzug ausgesetzt, und er wendet den Kopf langsam zu ihr, als sie hereinkommt. Alle vier Tage wäscht sie seinen schwarzen Körper, angefangen bei den kaputten Füssen. Sie macht einen Waschlappen nass, presst ihn über seinen Knöcheln zusammen und lässt das Wasser auf ihn tropfen, blickt auf, als er etwas murmelt, und sieht sein Lächeln. Am Schienbein sind die Verbrennungen am schlimmsten. Tiefviolett. Knochen. Sie pflegt ihn seit Monaten, und sie ist vertraut mit dem Körper, dem wie ein Seepferdchen schlafenden Penis, den mageren, festen Hüften. Christi Hüftknochen, denkt sie. Er ist ihr verzweifelnder Heiliger. Er liegt flach auf dem Rücken, ohne Kopfkissen, und blickt hinauf zum gemalten Blattwerk an der Decke, dem Baldachin aus Zweigen, und zum blauen Himmel darüber.

Sie lässt Calomin in Bahnen über seine Brust rinnen, wo er weniger verbrannt ist, wo sie ihn berühren kann. Sie liebt die Mulde unterhalb der letzten Rippe, diese Klippe aus Haut. Als sie seine Schultern erreicht, bläst sie kühle Luft auf seinen Nacken, und er murmelt etwas. Was ist? fragt sie, aus ihrer Konzentration heraus. Er wendet ihr sein dunkles Gesicht mit den grauen Augen zu. Sie fährt mit der Hand in die Tasche. Sie schält die Pflaume mit den Zähnen, entfernt den Kern und schiebt ihm das Fruchtfleisch in den Mund. Er flüstert wieder, zieht das lauschende Herz der jungen Krankenschwester an seiner Seite dorthin, wo sein Geist gerade weilt, in jenen Brunnen der Erinnerung, in den er während der Monate vor seinem Tod immer wieder eintauchte. Manche der Geschichten, die der Mann ruhig in das Zimmer hinein erzählt, gleiten wie Falken von Schicht zu Schicht. Er wacht auf in der gemalten Laube, die ihn mit ihren rankenden Blüten umgibt, den Ästen großer Bäume. Er erinnert sich an Picknicks, an eine Frau, die Zonen seines Körpers küsste, die jetzt auberginefarben verbrannt sind. Ich habe Wochen in der Wüste verbracht, sagt er, und dabei vergessen, zum Mond zu blicken, so wie ein verheirateter Mann Tage verbringen mag, ohne auch nur einmal in das Gesicht seiner Frau zu schauen. Das sind keine Unterlassungssünden, sondern Zeichen der Versunkenheit. Seine Augen richten sich auf das Gesicht der jungen Frau. Wenn sie den Kopf bewegt, wandert sein starrer Blick hinter ihr her, in die Wand. Sie beugt sich vor. Wie kam es zu Ihren Verbrennungen? Es ist später Nachmittag. Seine Hände spielen mit einem Stück Laken, die Rückseite seiner Finger streicheln es. Ich bin brennend in der Wüste abgestürzt. Sie haben meinen Körper gefunden und mir aus Stöcken ein Boot gemacht und mich durch die Wüste gezogen. Wir waren im Sandmeer, durchquerten hin und wieder ein trockenes Flussbett. Nomaden, verstehen Sie. Beduinen. Ich stürzte hinunter, und selbst der Sand fing Feuer. Sie sahen, wie ich mich nackt daraus erhob. Die Lederkappe auf meinem Kopf in Flammen. Sie schnallten mich auf einen Schlitten, ein Bootsgerippe, und Füße schlugen dumpf auf, als sie mit mir losrannten. Ich hatte die Kargheit der Wüste durchbrochen. Die Beduinen kannten sich mit Feuer aus. Sie kannten sich mit Flugzeugen aus, die seit 1939 aus der Luft stürzten.

Einige ihrer Werkzeuge und Geräte waren aus dem Metall zerschellter Flugzeuge und Panzer gefertigt. Es war die Zeit des Krieges am Himmel. Sie konnten das Dröhnen eines lädierten Flugzeugs erkennen, sie verstanden sich darauf, solche Wracks auszuschlachten. Ein kleiner Metallbolzen vom Cockpit wurde zum Juwel. Ich war vielleicht der erste, der sich lebend aus einer brennenden Maschine erhob. Ein Mann, dessen Kopf in Flammen stand. Sie kannten meinen Namen nicht. Ich kannte ihren Stamm nicht. Wer sind Sie? Ich weiß nicht. Ständig fragen Sie mich. Sie sagten, Sie seien Engländer. Nachts ist er nie müde genug zum Schlafen. Sie liest ihm aus irgendeinem Buch vor, das sie unten in der Bibliothek auftreiben konnte. Die Kerze flackert über die Seite und über das sprechende Gesicht der jungen Krankenschwester, enthüllt zu dieser Stunde kaum die Bäume und Lichtungen der Wandbemalung. Er hört ihr zu, schluckt ihre Worte wie Wasser. Wenn es kalt ist, schlüpft sie behutsam in das Bett und legt sich an seine Seite. Nicht das kleinste Gewicht kann sie ihm auflasten, ohne ihm weh zu tun, nicht einmal ihr schmales Handgelenk. Manchmal ist er um zwei Uhr morgens noch nicht eingeschlafen, die Augen weit offen in der Dunkelheit. Er konnte die Oase riechen, bevor er sie sah. Das Fließende in der Luft. Dieses Rauschen der Dinge. Palmen und Zügel. Das Aufeinanderschlagen von Blechkanistern, deren tiefer Klang verriet, dass sie mit Wasser gefüllt waren. Sie gossen Öl auf große weiche Filzstücke und legten sie ihm auf. Er war ein Gesalbter. Er konnte den einen stummen Mann spüren, der immer an seiner Seite blieb, das Aroma seines Atems, wenn er sich hinabbeugte, um ihn alle vierundzwanzig Stunden bei Einbruch der Nacht auszuwickeln und im Dunkeln seine Haut zu prüfen.
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