Diese Rezension enhält Spoiler!
Es tut mir leid, aber ich verstehe einfach nicht, wie Ken Follett es geschafft hat, ein so renommierter Autor zu werden. Vielleicht bin ich mit 60 - 70 Büchern, die ich pro Jahr lese, einfach mittlerweile zu verwöhnt.
Die Säulen der Erde hat mir bereits nicht sonderlich gefallen, da Ken Follett anscheinend gern jedes existente Klischee ausnutzt. Allerdings beurteile ich einen Autor nie anhand eines einzigen Werkes, von daher dachte ich mir: Probier es doch mal mit dem dritten Zwilling.
Liegt es an der deutschen Übersetzung, dass die Sprache so flach ist? Vielleicht hätte ich mir das Buch lieber in der Originalversion durchlesen sollen, jetzt ist es dafür zu spät. Ausdrücke wie "Sie zauderte", "Ein prächtiger Kerl" oder auch "Sie flitzte über den Rasen" hätte ich eher in einem Buch aus den Zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts oder aber in einem Kinderbuch vermutet.
Die Charaktere - tja, was soll ich sagen? Oberflächlicher und klischeehafter geht es kaum. Die Protagonistin ist dermaßen zickig und unsympathisch, dass ich ihr eigentlich auf jeder einzelnen Seite die Beulenpest an den Hals gewünscht habe. Der männliche Hauptcharakter Steve ist angeblich hyperintelligent, wovon allerdings wenig zu merken ist, weil er einfach nur naiv und dumm wirkt. Alle Nebencharaktere im Buch sind einfach zu beeinflussen, mindestens genauso naiv wie Steve und leben praktisch von ihrer Schwarz-Weiß-Malerei.
In Sachen Glaubwürdigkeit schießt Follett auch den ein oder anderen Bock ab - am Vortag wird eine Frau an der Uni vergewaltigt, die Protagonistin macht sich auf dem Uni-Gelände ins Hemd und beschließt fünf Minuten später, einen wildfremden Mann auf einen Drink mit zu sich nach Hause zu nehmen. Frau liebt eben das Risiko. Später bittet sie diesen, obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits als Hauptverdächtiger im Vergewaltigungsfall gilt, dann auch flugs in ihre Wohnung, wo er sie, wenn er wirklich der Vergewaltiger gewesen wäre, ohne Mühe hätte überwältigen können. Warum? Er war ihr halt sympathisch, der abgeklärten Frau Dr.
Natürlich gibt es ein Happy End für alle, sogar für Jeannies Mutter und Jeannies nutzlosen Vater, und die Welt erstrahlt in einem zarten, blassrosa Disney-Licht.
Was allerdings wirklich nervtötend ist, sind Folletts Sexfantasien, die er alle fünf Seiten geradezu herausschreit (und die mir übrigens auch in Die Säulen der Erde in Form einer regelrechten Vergewaltigungsorgie sauer aufgestoßen sind) - Berrington, der ja so notgeil auf Ferramis Rücken starrt, Berringtons Ansichten über Nylonstrümpfe, die perversen Fantasien des Vergewaltigers, Logans "Erregbarkeit" beim Trösten der armen Frau Dr. oder der Anwesenheit des natürlisch über-aupt nischt klischee-aft geseischneten fronsösisch-spreschenden Simmermädschens aus Martinique, die Tatsache, dass Frau Dr., sofern in einer festen Beziehung, keinen Wert auf das Tragen von Baumwollunterhosen legt, und, und, und. Irgendwann nervt es nur noch.
Die Story beginnt vielversprechend, dümpelt aber bereits nach 60 Seiten nur noch vor sich hin, Spannung kommt so gut wie nie auf. Für einen wirklich gehaltvollen 500-Seiten-Roman (z.B. Die Entdeckung des Himmels u.ä.) brauche ich gemeinhin bis zu einer Woche, Ken Follett hatte ich in 4 Stunden durch. Den Grips anstrengen braucht man bei diesem Buch nämlich auch nicht, viele Seiten habe ich einfach überflogen und trotzdem alle Infos aufgenommen - sofern der Roman denn welche enthielt.
Dieses Buch haut nicht vom Hocker. Ich war froh, als ich es endlich zuklappen konnte. Es war mein zweites Buch von Ken Follett, und entweder hab ich ein Händchen für schlechte Bücher dieses Autors, oder der Mann ist durch einen komischen Zufall durch seine "Werke" reich geworden.