Nach dem fulminanten Auftakt ("Coq Rouge") folgt mit "Der demokratische Terrorist" der zweite Band aus der Reihe um Carl Hamilton.
Anders als in seinen späteren Büchern kommt Guillou hier mit Höchstgeschwindigkeit zum eigentlichen Kern der Sache: Nachdem der deutsche Verfassungsschutz eher zufällig mitbekommen hat, dass deutsche Terroristen eine Aktion in Schweden planen und dafür einen Schweden mit einschlägigen Kenntnissen brauchen, wird schnell die Idee geboren, einen entsprechenden Lockvogel auszulegen. Der Leser von "Coq Rouge" ahnt natürlich sofort, dass nur Carl Hamilton der richtige Mann für diesen Job sein kann, und so kommt es auch.
Nach nur kurzem Gerangel wird Carl (der gerade seinen Hauptmann-Kurs bestanden hat - gibt es so etwas wirklich?) von seinem Chef (der ihn sehr gerne loswerden will - so etwas gibt es garantiert!) an die hässlichen Deutschen ausgeliehen, und nach einer kurzen Einweisung - natürlich bei der GSG 9, den Helden von Mogadischu, die Carl dennoch unheimlich alt aussehen lässt - geht es deep under cover weiter. Man kann das für leicht durchschaubar halten, ich halte es in diesem Fall aber für durchwegs positiv, dass ordentlich Zug im Kamin ist - denn die eigentliche Feldarbeit gestaltet sich noch langwierig genug. Sein Auftrag in Hamburg gestaltet sich nämlich zunächst recht zäh - aber das ist absolut sachgerecht, muss Carl doch äußerst umsichtig vorgehen und erst einmal auf sich aufmerksam machen. Schließlich gelingt es ihm - nachdem er einige tausend Mark in Sammelbüchsen von mehr oder weniger harmlosen Links-Sympathisanten gesteckt hat - sich zum harten RAF-Kern vorzuarbeiten und sich in eine der Zellen einzuschleusen. Ihm schlägt einiges Misstrauen entgegen, aber da er - aufgrund seiner eigenen Vergangenheit - in der ultralinken Terminologie und Ideologie absolut sattelfest ist (die Unterhaltungen in diesem eigentümlichen Kauderwelsch gehören übrigens zum köstlichsten, was Guillou zu bieten hat!) und zudem über genau die Waffenkenntnisse verfügt, die die Terroristen händeringend suchen, um endlich einen effektiven und effizienten Großeinsatz durchziehen zu können, wird er dennoch akzeptiert. Das Vertrauen der Terroristen gewinnt er nicht zuletzt auch durch einige Banküberfälle...
Der weitere Verlauf ist superspannend und bisweilen hochdramatisch; die Ereignisse lassen Carl auch Jahre später noch nicht los (im vorletzten Band schildert er z. B. einem seiner unterstellten Hauptleute einen wichtigen, intimen Teil davon). Bekannte Figuren aus "Coq Rouge" treten wieder auf und sorgen für die bei solchen Serien unabdingbare Kontinuität; ebenso wie die Verwicklungen, die das gewaltsame Ende der Story (näheres wird hier natürlich nicht verraten) mit sich bringt, in späteren Folgen wieder aufgegriffen werden. Insgesamt liegt mit "Der demokratische Terrorist" ein würdiger Nachfolger von "Coq Rouge" vor, der Hochspannung und uneingeschränktes Lesevergnügen garantiert. Auch wenn die Feinheiten des schwedischen Steuersystems für deutsche Leser nicht wirklich interessant sein dürften und Carls Probleme mit seinem unverschuldeten (weil ererbten, garantiert rein zufällig vergrößerten und nicht "wegzusteuernden") Reichtum vielleicht etwas umständlich und breit geschildert werden, wird hier jedenfalls Carls facettenreiche und gespaltene Persönlichkeit konsequent weiterentwickelt. Denn gerade die Skrupel, die Carl bei aller professionellen Abgeklärtheit empfindet (denn schließlich ist ein Banküberfall, auch wenn er mit Billigung des Staates geschieht, nunmal kein Pappenstiel), lassen ihn trotz seines Heldentums lebensecht und - ich darf es so sagen - liebenswert erscheinen.