Eine oberflächliche, unselbstständige und nur auf Vergnügungen abzielende junge Frau, findet erst inmitten einer Choleraepidemie heraus, was es bedeutet zu leben und zu lieben.
William Somerset Maugham (1874-1965) ist in seiner Tätigkeit als Agent für den britischen Geheimdienst während des ersten Weltkrieges viel gereist. Diese Erfahrungen hat er in einigen seiner Bücher niedergeschrieben. Seine Reiseleidenschaft hat der studierte Arzt und Schriftsteller auch nach dem Krieg beibehalten.Viele seiner Romane und Kurzgeschichten spielen in Englischen Kolonien.
In "Der bunte Schleier" erzählt W. Somerset Maugham von der fünfundzwanzigjährigen Kitty Garstin, die das gesellschaftliche Leben in der Londoner Society genießt, bis die dominante Mutter sie zu einer Heirat drängt. In die Enge gedrängt, heiratet sie schließlich den Bakteriologen Walter Fane und geht mit ihm nach China. Doch es ist von Anfang an eine unglückliche Ehe für sie. "Sie konnte nichts dafür, dass sie ihn nicht liebte." Während er sich um sie bemüht, beginnt sie eine Affäre. Doch ihr Ehemann kommt dahinter und ihr bleibt nichts anderes übrig, als ihn in Gebiet zu folgen, indem die Cholera ausgebrochen ist. War ihr Eheleben vorher schon eine Qual für sie, wird es hier nun noch schlimmer, da ihr Mann kaum mehr mit ihr spricht und sie das Haus nicht verlässt. Doch eines Tages traut sie sich, sieht die Toten auf der Straße und das harte Leben der Nonne. "Ihr war, als würde der Vorhang einen Augenblick gelüftet und sie täte einen Blick in eine Welt, reich an Farbe und Bedeutung, die sie sich nie hätte träumen lassen." Sie beginnt allmählich zu begreifen, dass ihr Leben ein selbstsüchtiges Trachten war und ihre Einstellung zum Leben verändert sich. "Ist es nicht bedauernswert, dass die Menschen, die nur so kurze Zeit in einer Welt voller Leiden leben, einander solche Qualen bereiten?" Doch dann geschieht etwas, das ihr Leben noch einmal durcheinanderbringt und sie nun zwingt eine Entscheidung zu treffen.
Die Geschichte fesselt von der ersten Seite an. W. Somerset Maugham versteht es seinen Romanfiguren Leben einzuhauchen und sie glaubwürdig darzustellen. Von dem blassen, schüchternen Ehemann, der fröhlichen Nonne bis zur Wandlung der egoistischen und oberflächlichen Kitty. Der Autor verbindet diese Wandlung und das Leben der anderen Darsteller mit den Lehren des chinesischen Konfuzianismus. "Tao. Manche von uns suchen den 'Weg' im Opium und manche in Gott, manche im Whiskey und manche in der Liebe." Die Geschichte vermag auch heute noch zu fesseln und sie wurde bereits mehrfach verfilmt. Zuletzt im Jahre 2006 mit Edward Norton als Walter Fane und Naomi Watts als Kitty.