Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, ZfG 1/2005
[...] Urlaubsreisen wurden mit dem "Wirtschaftswunder" und dem Durchbruch zum Massentourismus zum festen Lebensbestandteil der Westdeutschen. Trotzdem waren die Trends und Strukturveränderungen des Tourismus für die Geschichtswissenschaft lange kein Thema, vor allem über die Wahrnehmungen der Reisenden wusste man bisher wenig. Diese Forschungslücke hat Cord Pagenstecher mit seiner eindrucksvollen Studie über den bundesdeutschen Tourismus geschlossen. Das gut 550 Seiten dicke Buch ist zum einen eine materialgesättigte Geschichte des Reisens in den Jahren 1950 bis 1990; zum anderen entwickelt der Autor Instrumente einer Visual History, um so den Leitbildern und Konstruktionsmechanismen des touristischen Blicks auf die Spur zu kommen. [...] Im Gegensatz zu vielen anderen Doktorarbeiten ist [das Buch] sehr gut lesbar und nicht nur für Wissenschaftler von Interesse. Das liegt an der bildhaften, lebendigen Sprache des Autors, an den interessanten theoretischen Grundlagen zur Konstruktion des touristischen Blicks, die er vorstellt, und nicht zuletzt an den detaillierten Fallstudien etwa zur touristischen Erschließung der Alpen. [...]
Archiv für Sozialgeschichte, 44. Band, 2004
[...] Pagenstechers Buch liefert interessante Ergebnisse, wie die Reiseführer und die kommerzielle Tourismuswerbung populäre Bilder erzeugten, die nicht allein das Bild der Touristen von den Urlaubszielen prägten, sondern auch die Aneignung der Urlaubsziele durch die Touristen beeinflussten. Seine inhaltliche Untersuchung des Bildhaushalts von Reiseprospekten bestätigt eindrucksvoll die Hypothese der Tourismusforschung, dass die medialen Darstellungsformen die Reiseziele zunehmend ähnlicher, ja austauschbar erscheinen ließen und sich die Pauschalreise in den Süden immer mehr zu einem standardisierten Konsumprodukt entwickelte. Über den methodischen Kern seiner Arbeit hinaus liefert Pagenstecher einen wertvollen Einstieg in die Methoden und Hypothesen der bisherigen tourismusgeschichtlichen Forschung. Seine empirisch gesättigte Kompilation von Statistiken zum quantitativen Reiseverhalten der Bundesdeutschen und zur sozialen Zusammensetzung der Urlaubsreisenden stellt eine wichtige Vorarbeit für die noch nicht geschriebene Sozialgeschichte des deutschen Nachkriegstourismus dar. [...]