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Der blinde Reiter: Roman [Gebundene Ausgabe]

Juan Goytisolo , Thomas Brovot
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

27. März 2006
Die Bilanz eines Lebens ziehen - was heißt das? Verluste verbuchen, Momente des Glücks festhalten? Juan Goytisolo, der wohl radikalste spanische Schriftsteller der Gegenwart und unerbittliche Beobachter auch seiner selbst, geht einen anderen Weg. Er erzählt. Und erkundet die Strecke, die vor ihm liegt.
Nach dem Tod seiner Frau und Gefährtin fühlt ein Mann das Nichts auf sich einstürzen. Ihm ist, als mache er sich auf einen langen Weg mit immer leichterem Gepäck. Die Dinge, die ihnen so viel bedeuteten, vermeintliche Gewißheiten, mühsam erworbene Kenntnisse, alles stößt er ab. Wo die Erinnerungen verblassen, verblaßt auch der Schmerz. Doch unter dem Ansturm von Verlust und Sinnlosigkeit erfährt er zugleich, daß erlebte Schönheit nicht im Strudel des Lebens verschwindet. Was läßt ihm die Zeit, dieser blinde Reiter? Was erwartet ihn hinter dem letzten Vorhang, dessen Sinnbild ihm die verschneite Bergkette am Horizont ist, dort, wo die Wüste beginnt?
Vom Ankommen an einer Wegkreuzung erzählt Goytisolo in seinem autobiographisch gefärbten und, wie er sagt, letzten Roman; davon, was es bedeutet, wenn die Zukunft der Erinnerung an Vergangenes weicht und der Blick dennoch nach vorne geht. Ein Text voller einprägsamer Bilder, der Fragen stellt, denen sich niemand entziehen kann.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 132 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (27. März 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518417517
  • ISBN-13: 978-3518417515
  • Größe und/oder Gewicht: 20 x 12,6 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.033.692 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Juan Goytisolo ist zweifellos der bedeutendste lebende Schriftsteller Spaniens.« (Carlos Fuentes )

Über den Autor

Thomas Brovot lebt als Übersetzer (u.a. Reinaldo Arenas, Juan Goytisolo, Federico García Lorca) in Berlin.



Juan Goytisolo wurde am 5. Januar 1931 in Barcelona geboren. Er besuchte eine Jesuitenschule, begann danach ein Jurastudium und schrieb einen ersten - nie veröffentlichten - Roman.

1953 brach er das Studium ab und unternahm mehrere Reisen nach Paris. 1954 veröffentlichte er den Roman Juegos de manos, auf den zahlreiche weitere Romane folgten, die in viele Sprachen übersetzt wurden und den Autor zu einem der wichtigsten spanischen Autoren der Gegenwart machen. 1957 zog er nach Paris und nahm eine Lektoratstätigkeit bei Gallimard auf, wo er sich für die Verbreitung der spanischen Literatur in Frankreich einsetzte. Seine Bücher waren von 1963 bis zum Tod Francos in Spanien verboten. Von 1961 bis 1964 unternahm er mehrere Reisen nach Kuba, Nordafrika und in den Nahen Osten. 1964 gab er die Verlagstätigkeit auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Seit 1969 übernahm er Gastprofessuren u.a. an den Universitäten La Jolla/Kalifornien, Boston und New York.

Juan Goytisolo hat sich mit Romanen wie La reivindicación del conde don Julián (1970, dt. Die Rückforderung des Conde Don Julián, 1976) und El sitio de los sitios (1995, dt. Das Manuskript von Sarajewo, 1999) nicht nur als Literat einen Namen gemacht, sondern als kritischer, engagierter Geist auch vielfach zu politischen Themen in Form von Essays und Reportagen Stellung bezogen und sich dabei vor allem mit dem Islam auseinandergesetzt. In den neunziger Jahren besuchte er das vom Konflikt zwischen Islam und westlicher Welt gespaltene Algerien; während dieser Reisen entstand Ein algerisches Tagebuch (es 1941). 1993 hielt er sich als Kriegsbeobachter in Sarajewo auf, wo er die Artikel Notizen aus Sarajewo verfaßte, die zuerst bei der Frankfurter Rundschau publiziert wurden und später in der edition suhrkamp erschienen. 1996 bereiste er Tschetschenien und hat seine Eindrücke und die Hintergründe des Konflikts in dem Band Landschaften eines Krieges: Tschetschenien festgehalten. Zum Thema Islam veröffentlichte er auch die Bücher Kibla - Reisen in die Welt des Islams (2000) und Gläserne Grenzen (2004).

Sowohl sein literarisches als auch sein journalistisches Werk wurde mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet, so erhielt er z.B. 1993 den Nelly-Sachs-Preis und 2002 den mexikanischen Octavio-Paz-Preis. Für sein Gesamtwerk wurde er 1985 mit dem Prix Europalia der Europäischen Gemeinschaft geehrt.
2004 wurde Goytisolo mit dem Juan-Rulfo-Preis für lateinamerikanische und karibische Literatur ausgezeichnet. Das Werk Juan Goytisolos zeichne sich durch »Vielfalt, Erfindungskraft und den Dialog zwischen arabischer, christlicher und jüdischer Kultur aus«, so die Begründung der Jury.
2006 erschien sein vielbeachteter Roman Der blinde Reiter.

Juan Goytisolo lebt abwechselnd in Marrakesch und Paris.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Juan Goytisolo ist einer der bekanntesten, aber auch engagiertesten Autoren Spaniens. "Der blinde Reiter" ist angeblich sein "letzter Roman". das läßt schon einmal aufhorchen.

Juan wurde das Schreiben geradezu in die Wiege gelegt. Die regelmäßigen Leseabende und die umfangreiche Bibliothek der Mutter Julia Gay machten in Goytisolos Erinnerung das Schreiben für ihn zu einem immerwährenden Abenteuer. 1955 schon debütierte er mit dem Roman "Trauer im Paradies". Zwei Jahre später musste er vor dem Franco-Regime nach Frankreich fliehen und arbeitete später in mehreren Städten der USA als Literaturdozent. Goytisolo ist ein Querdenker par excellence. Er ist bekennender Kosmopolit und einer der schärfsten Kritiker von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

"Eines Tages sagte sie zu ihm, mit dir zu leben heißt, sich in Einsamkeit zu üben. Ich weiß nicht, ob ich es dir vorwerfen oder dir dafür danken soll."

Die Frau von Goytisolos Alter Ego, die jenen Satz in "Der blinde Reiter" ausspricht, ist gestorben und der Mann, allein und gebrechlich geworden, fühlt das existentielle Nichts auf sich einstürzen.Er löst sich von seinen Erinnerungen, in dem er sie noch einmal aufschreibt. Die Gewalt der Sinnlosigkeit und des Verlustes erlebt er als großen Schmerz. Was lässt ihm der blinde Reiter, als den er die Zeit beschreibt, noch? Gibt es einen Vorhang nach dem Tod und was erwartet uns dahinter ? So fragt er, der sich doch zeitlebens vom starken Katholizismus Spaniens abgestoßen und gleichzeitig seltsam angezogen fühlte. Und er setzt sich mit Gott auseinander.

Ein langer geträumter Monolog Gottes als der Versuch einer Antwort auf unbeantwortbare Fragen zieht sich über viele Seiten bis zum Ende des kleinen Büchleins. Es ist die beeindruckendste Auseinandersetzung mit dem christlichen Gott, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

"Wenn du erwachst", sagt Gott am Ende zum Autor im Traum, "wirst du ich nicht sehen, und wenn du nicht erwachst, ist alles vorbei."
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das Nichts... 5. März 2011
Von Timo Brandt TOP 100 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
"Je mehr er von den Dingen abrückte und sich von seinen Erinnerungen löste, um so einfacher, dachte er, wäre es, sich von der Welt zu verabschieden."

Doch ganz im Gegenteil. Er belädt sich und den Leser mit schwerem Leergut.
Ich möchte vorschicken, dass es mir hier NICHT um die Ästhetik des Buches geht, nicht um eine Bewertung des künstlerischen Konzepts, sondern nur um das Gefühl von mir als Leser, um die die "Machbarkeit" der Lektüre. Den durchaus umfasst dieses Buch Weisheit und Erfahrung, die geballt und sicherlich auch für einen bestimmten Leserkreis ansprechend sein können.

Doch nicht für mich. Für mich ist es ein wahrhaft ekelhaftes Werk, ein zusammengezogenes Grau. Der Autor schreibt sich in seinem Text so ins Nichts hinein, dass es irgendwann unüberwindlich, unüberbrückbar, zwischen ihm und dem Leser steht. Es fehlt nicht an Plot, wie bei manchem monologischen Buch (Beispiel Thomas Bernhard), es ist da auch keine übermäßige Absurdität wie bei Beckett (wenn es nur so wäre!), nein, da ist blanker Stumpfsinn, der etwas herunterleiert - und dabei soll der Leser einfach geduldig bei der Stange bleiben, bei einem so persönlich unpersönlichen Konzept, dass sich mit seiner wuchtigen Erhabenheit ins Gegenteil verkehrt.

Es ist traurig, wenn man von Literatur enttäuscht wird und ich schmähe nicht gern. Aber ich kann diesem Buch nichts abgewinnen. Da bleibt ein großes Loch, wo sonst immer die Leseerfahrung Platz nimmt.
Die Zeit ist ein blinder Reiter, den nichts aus dem Sattel hebt; meinetwegen, aber davon ändert sich die Farbe des Hintergrunds kein bisschen.

So wird mit diesem Buch (in mir) passieren, worüber Gott und die Welt keine Macht haben: "Nicht Gott hatte die Macht zu bewirken, dass das, was einmal war, niemals existierte, wohl aber das Vergessen."
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5.0 von 5 Sternen Nach 6 Jahren wiedergelesen 10. März 2013
Von Werner
Format:Gebundene Ausgabe
Ein herausragender kleiner Roman (130 Seiten nur), zum Wiederlesen wie geschaffen! Ein kompliziertes Buch, das die Vergangenheit wie einen Stein hochhebt und das darunter liegende Gewusel ans Licht hebt. Ein melancholisches Buch, ein autobiographisches. »Sein Gestern bestand aus aufgelösten Schauplätzen. Die Häuser, in denen er als Kind und Jugendlicher gewohnt hatte, waren der Spitzhacke zum Opfer gefallen oder von Unbekannten bezogen worden. (…) Die Orte, durch die er im Traum noch schweifte, waren im verwehrt. Wenn er sie betrat, dann wie ein Eindringling.« Ein düsteres Werk, das sechs Jahre nach der ersten Lektüre wieder kräftig zupackt und nicht loslässt.
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