"Je mehr er von den Dingen abrückte und sich von seinen Erinnerungen löste, um so einfacher, dachte er, wäre es, sich von der Welt zu verabschieden."
Doch ganz im Gegenteil. Er belädt sich und den Leser mit schwerem Leergut.
Ich möchte vorschicken, dass es mir hier NICHT um die Ästhetik des Buches geht, nicht um eine Bewertung des künstlerischen Konzepts, sondern nur um das Gefühl von mir als Leser, um die die "Machbarkeit" der Lektüre. Den durchaus umfasst dieses Buch Weisheit und Erfahrung, die geballt und sicherlich auch für einen bestimmten Leserkreis ansprechend sein können.
Doch nicht für mich. Für mich ist es ein wahrhaft ekelhaftes Werk, ein zusammengezogenes Grau. Der Autor schreibt sich in seinem Text so ins Nichts hinein, dass es irgendwann unüberwindlich, unüberbrückbar, zwischen ihm und dem Leser steht. Es fehlt nicht an Plot, wie bei manchem monologischen Buch (Beispiel Thomas Bernhard), es ist da auch keine übermäßige Absurdität wie bei Beckett (wenn es nur so wäre!), nein, da ist blanker Stumpfsinn, der etwas herunterleiert - und dabei soll der Leser einfach geduldig bei der Stange bleiben, bei einem so persönlich unpersönlichen Konzept, dass sich mit seiner wuchtigen Erhabenheit ins Gegenteil verkehrt.
Es ist traurig, wenn man von Literatur enttäuscht wird und ich schmähe nicht gern. Aber ich kann diesem Buch nichts abgewinnen. Da bleibt ein großes Loch, wo sonst immer die Leseerfahrung Platz nimmt.
Die Zeit ist ein blinder Reiter, den nichts aus dem Sattel hebt; meinetwegen, aber davon ändert sich die Farbe des Hintergrunds kein bisschen.
So wird mit diesem Buch (in mir) passieren, worüber Gott und die Welt keine Macht haben: "Nicht Gott hatte die Macht zu bewirken, dass das, was einmal war, niemals existierte, wohl aber das Vergessen."