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Der böse Geist Lumpazivagabundus: Oder Das liederliche Kleeblatt
 
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Der böse Geist Lumpazivagabundus: Oder Das liederliche Kleeblatt [Broschiert]

Johann Nestroy
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Broschiert: 70 Seiten
  • Verlag: Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag (1986)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3150030250
  • ISBN-13: 978-3150030257
  • Größe und/oder Gewicht: 14,9 x 9,9 x 0,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 121.361 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Johann Nepomuk Nestroy, 7. 12. 1801 Wien - 25. 5. 1862 Graz. Der Sohn eines Hof- und Gerichtsadvokaten studierte nach seiner Gymnasialzeit (1811-16) ab 1817 in Wien Philosophie, anschließend 1820-21 zwei Semester Jura, wurde jedoch dann - nachdem er bereits auf Liebhaberbühnen aufgetreten war - Sänger und Schauspieler. Nach seinem Debut als Sarastro in der 'Zauberflöte' erhielt er ein Engagement als Bassist am Deutschen Theater in Amsterdam (1823-25), 1825-31 spielte er in Brünn, Graz und Preßburg, seit 1831 in Wien: bis 1839 am Theater an der Wien, dann am Leopoldstädter Theater (1848 umbenannt in Carl-Theater), das er 1854 pachtete und als Direktor leitete. 1860 trat er zurück und zog nach Graz.
Hier war er 1827 zum ersten Mal als Dichter einer Lokalposse hervorgetreten ('Der Zettelträger Papp'). Seit seinem Engagement in Wien übernahm er immer mehr Sprechrollen, die er für sich selbst schrieb. Er verfasste über 80 Stücke, die auf den verschiedensten Quellen beruhen (Komödien, insbesondere Vaudevilles, Romane, Novellen), aber durch den Witz ihrer Dialoge, durch das virtuose Spiel mit der Sprache und durch die philosophierenden, kommentierenden Couplets die Vorlagen vergessen machen, wenn sie nicht ausdrücklich wie 'Tannhäuser' (UA 1857), 'Lohengrin' (UA 185

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Mario Pf. HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Wenn Sozialkritik nicht offen ausgesprochen werden kann sucht sie sich andere Wege, wie in den Werken Johann Nestroys, der bekanntlich im Wien des frühen 19. Jahrhunderts lebte. Unter dem Deckmantel einer Zauberposse ist der Lumpacivagabundus, dessen Name sich aus Lump und Vagabund zusammensetzt, eine wenngleich etwas romantisierende und "harmlose" Hommage an die Liebe und wie sie im Stande ist, selbst umtriebige Gesellen von ihrem Leben in Suff und Schnorrerei abzubringen.

Das Stück beginnt mit einem Wettstreit zwischen Fortuna und Amorosa, Glück und Liebe. Ausgang nimmt dieser im Feenreich, wo der böse Geist unter den Söhnen des Reichs seine Jünger gesammelt hat und sie vom Pfad der Ordnung abbrachte. Als sich Stellaris, der Feenkönig entscheidet durchzugreifen und den bösen Geist zu sich ruft bekennt dieser, dass seine Jünger ihm auch dann noch folgen würden, wenn er vernichtet wäre. Als Stellaris die Prinzipien des Lumpazivagabundus erfährt und die Jünger dann fragt ob eine Wiedererlangung ihres Reichtums sie bekehren könnte sagen diese zunächst ja. Doch Hilaris bestreitet dies und gibt an, nur durch die Liebe von Brillantine errettet werden zu können. Brillantine, die Tochter Fortunas gesteht auch ihre Liebe ihm gegenüber, doch ihre Mutter geht dazwischen. Während Amorosa, die Fee der Liebe, sich für die beiden ausspricht, stellt sich heraus, dass der Lumpazivagabundus nur die Liebe als ernsthafte Bedrohung für seinen Einfluss anerkennt. Stellaris schlägt vor, dass wenn es Fortuna gelingt dem bösen Geist nur zwei von drei Dienern abspenstig zu machen sie ihre Tochter Brillantine zurückerhält, ansonsten dürfen die beiden Liebenden sich vermählen.

Die drei auserwählten Jünger des Lumpazivagabundus, sind der trunksüchtige Rohling und Schuster Knieriem, der brave Tischler im Liebeskummer Leim und der prunkliebende Schneider Zwirn. Als die drei Gesellen zusammen in einer Herberge übernachten und dabei den gleichen Traum haben stellt sich heraus, dass eine Lotterieziehung veranstaltet wird. Mit der geträumten Zahl und dem von gemeinsamem Geld gekauften Los landen sie einen Treffer, den Hauptgewinn. Sie versprechen sich gegenseitig in einem Jahr in Wien zusammenzukommen, um diesen Jahrestag zu feiern. Leim geht nach Wien, um dort seine geliebte Peppi wieder zutreffen und falls diese noch ledig wäre sie zu heiraten. Knieriem beschließt seinem Hobby der Astronomie Genüge zu tun und gleichsam von Weinkeller zu Weinkeller zu ziehen, da er glaubt, dass die Welt ohnehin bald untergehen würde, wenn ein Meteor auf der Erde einschlägt. Zwirn macht sich auf nach Prag um dort zum Don Juan der Schneider zu werden...

Schlussendlich ist es die Frage was man aus seinem Glück, dem geschenkten Reichtum, macht. Ein schönes Leben oder sesshaft werden und in eine Zukunft investieren, die es vielleicht nie geben wird, wie Knieriem es tut. In dieser Hinsicht ist der Lumpacivagabundus zeitlos und auch heute noch aktuell, wenngleich man ihn natürlich als verkappt konservativ anprangern könnte. Die Welt exisitiert weiter, auch wenn Wein und Reichtum längst verflossen sind, wenn das Glück dem kurzweiligen Vergnügen geopfert wurde. Dann bleibt nichts mehr und man ist meist wieder dort wo man angefangen hat oder fällt, falls denn möglich, noch tiefer. Auch das eine Grundaussage des Lumpacivagabundus, man soll sich gut überlegen was man mit seinem Glück anfängt und es nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, dann kann es auch ein Leben lang währen.

Als Allerheilmittel ist die Liebe in Zauberpossen unabdingbar. Gleichbedeutend mit Bindung, werden Protagonisten durch sie vom sprunghaften Herumtreiber, zum sesshaften, vorsorgenden und in jeder Hinsicht gemäßigten Gemahl. Lumpen und Vagabunden, in der damaligen Zeit vor allem Wandergesellen, die auf der Suche nach Arbeit und Unterkunft ein karges Leben am Rande der Gesellschaft führen mussten, fanden ihre Aufstiegschancen bzw. die Möglichkeit zum Ausstieg aus dem Gesellendasein, besonders darin sesshaft selbst zum Erben und Meister eines Betriebs zu werden. Ein anständiger Gesell für die Tochter des Meisters konnte sich eines meist soliden Lebensstandards sicher sein. Von daher ist Nestroys Lumpacivagabundus nicht allzu weit hergeholt. Jedes Märchen, also auch Zauberpossen, birgt einen Kern Wahrheit in sich.

Fazit:
Zeitlos, eine Mischung aus menschlichen Abgründen, Witz, einem Wettstreit überirdischer Mächte und schlussendlich doch weniger fantastisch, als man vielleicht erwartet.
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