Grimmelshausens "Abenteuerlicher Simplicissimus" ist eins der besten Zeugnisse über das 17. Jahrhundert. In eigentümlicher Art und Weise wird uns das Leben eines, offenbar geistig beschränkten Menschens durch seine eigenen Worte vermittelt. Dass dieser Roman im altertümlichen Teutsch geschrieben ist, mag zunächst einige Probleme hervorrufen, nach kurzer Einlesezeit und mit Hilfe der Anhänge gelingt es doch schnell den Sinn des geschriebenen Wortes zu erfassen. Schnell wird dem Leser deutlich, dass hier nicht alles bitterer Ernst ist, sonders das man die gesamte Geschichte mit einer gehörigen Portion Ironie und einem großen Verständnis für die Satyre begreifen muss.
Da wird mal auf naive Weise über den Glauben sinniert, mal wird der Überfall und die Zerstörung des Hofes seiner Eltern auf urkomische Weise beschrieben. Dabei ist dies keineswegs eine "lustige Zeit" gewesen: Der dreißigjährige Krieg verwüstete das gesamte Land, ja veränderte ganz Europa. Unzählige Tote, die Menschen sahen sich schon in der Hölle oder dachten, dass es nicht mehr lang dauern kann, bis das Ende der Welt kommen würde.
Schon der erste Satz dieses Schelmenromans macht diese Gefühl deutlich: "Es eröffnete sich zu dieser unseren Zeit (von welcher man glaubt, daß es die letzte seie),..."
Immer wieder überrascht der Roman mit genialen Wortwitz, extrem lustigen Situationen, die nicht selten durch den Hauptakteur Melchior hervorgerufen werden. So abstrakt uns diese Geschicht heute erscheint, so lesenswert ist sie doch: Das 17. Jahrhundert erscheit in einem neuen Licht, vermittelt einen ganz anderen Eindruck über diese Zeit als so viele "historische Romane" die in unserer Epoche geschrieben wurden und dieser angepasst sind. Und es ist das erste Buch bei dem ich nicht nur mitfühlen konnte, nicht nur mitweinen musste, sondern auch auf fast jeder Seite herzhaft lachen konnte!