Auf der Suche nach Arbeit reist der junge Arzt Hory nach Achet-Aton, der Stadt, die Pharao Echnaton als seine Residenz gegründet hat. Mehr durch Zufall wird er Leibarzt der Prinzessin Beket-Aton.
An Echnatons Hof werden nacheinander mehrere junge Frauen mißhandelt und ermordet. Diese Morde haben in ihrer Grausamkeit ritualistische (heute würde man sagen "satanistische") Züge, und stehen in einem krassen Gegensatz zu der naiven Sonnenreligion, der Echnaton sich verschrieben hat. Da Hory sich mehrfach in der Nähe der Tatorte befindet, gerät er in Verdacht, und nur Beket-Atons Hilfe und die ihrer älteren Schwester Merit-Aton bewahren ihn vor Strafverfolgung.
Die Mörder sind an ganz anderer Stelle zu suchen, und erst im letzten Augenblick gelingt es Hory, ihr Komplott gegen die Person des Pharao und seine Religion zu sprengen.
Sicherlich ist "Der Zorn des Seth" problematisch aufgrund der teilweise expliziten Darstellung sexueller Praktiken und der Festlegung auf eine Forschungsrichtung, die den Verächtern des Echnaton Glauben schenkt und in diesem Pharao einen unersättlichen inzestuösen Kinderschänder sieht.
Sabine Wassermann sucht eine Erklärung für diese Perversion in einem krankhaften Reinheitswahn Echnatons, der das Prinzip der Reinheit des königlichen und damit abstammungsmäßig göttlichen Blutes zu perfektionieren sucht, indem er seine Mutter ebenso ehelicht wie auch seine Töchter.
Zugleich erregt seine Verfolgung und Herabsetzung der alten Kulte gegenüber dem von ihm favorisierten beinahe monotheistischen Atonkult den heftigen Widerstand des Priesterstandes.
Beide Problemfelder verflechten sich zu dem Komplott gegen den Herrscher, eine Rache, zu deren Gelingen die Verschwörer vor grausamsten Mitteln nicht zurückschrecken.
Ohne hier zuviel verraten zu wollen: Angesichts der Verletzungen, die das Verhalten des unumschränkten Herrschers verursacht, ist die Grausamkeit seiner Gegner nicht unglaubhaft. Im übrigen wird dieses Tun nirgends gebilligt oder gar gutgeheißen.
Sabine Wassermann hätte nicht der Forschungsrichtung folgen müssen, die den Echnaton-Verächtern Glauben schenkt - andererseits findet sie eine psychologisch begründete Erklärung für Echnatons gerügtes Verhalten und auch für den vollständigen Untergang der Amarna-Kultur nach seinem Tod.
Abgesehen davon ist die Geschichte in der Tat spannend geschrieben und die Personen handeln aufgrund ihrer gebrochenen Seelen glaubwürdig - bei aller Drastik ein empfehlenswerter Roman über die Amarna-Zeit.