"Der Zorn des Gerechten" alias "Watery Grave" ist der vielschichtigste, beste und zu gleich grauenvollste Band der Serie: Bei einem Sturm vor Südamerika geht der Kapitän des Kriegsschiffs "H.M.S. Adventure" über Bord. Zwei Jahre später, als das Schiff im Hafen zurück ist, erhebt der vertretende Captain Hartsell Anklage vor dem Militärgericht der Navy gegen Lieutnant Landon, er habe den Kapitän über Bord geworfen. Mehrere - rangniedere - Augenzeugen bekunden das Gegenteil: der schwer alkoholabhängige Kapitän sei auf Veranlassung Hartsells an Deck geholt worden, dann sei er trotz des Versuchs von Landon, ihn noch festzuhalten, über Bord gespült worden. Das Unheil nimmt seinen Lauf:
- da ist Lieutnant Landon, der von vornherein genau weiß, daß seine Sache verloren ist. Er weiß, warum er zu Unrecht beschuldigt wird und daß Hartsell einen Zeugen wie ihn nicht am Leben lassen kann.
- da ist Admiral Robert Redmont, ein alter Freund Sir Johns aus gemeinsamen Marinetagen, gleichzeitig ein Onkel von Lieutnant Landon, der weiß, was die Enthüllungen seines Neffen für die Marine bedeuten. Am Ende ist ihm das Leben seines Neffen weniger wert als die Wahrheit und die Ehre der Marine
- das ist im Hintergrund eine Marine und ihre Gerichtsbarkeit, für die die Sache eine "Frage der Ehre" ist und die weniger an der Wahrheit als vielmehr an der Aufrechterhaltung ihrer Disziplin interessiert ist: wo soll das enden, wenn Matrosen die Zeugenaussagen von Kapitänen widerlegen können?
- da ist Captain Hartsell, der die Notwendigkeit verspürt, sich des einen oder anderen unbequemen Zeugen zu entledigen.
- und da ist Sir John Fielding, der die Marine liebt, aber noch mehr Wahrheit und Gerechtigkeit, erkennen muß, daß er die Macht nicht hat, einen Unschuldigen zu retten - aber immerhin genug macht, um einen Schuldigen bestrafen zu lassen.
- und da ist Jeremy Proctor, der nicht ganz versteht, worum es geht, und gerade deswegen den Gang der haarsträubenden Ereignisse umso besser kommentiert.
Die Verlagspolitik, was die Serie um Sir John Fielding angeht, ist undurchschaubar. Ausnahmsweise gilt das sowohl für das amerikanische Original als auch für die deutsche Übersetzung. Vielleicht entspricht es amerikanischer Geschäftspolitik, eine inhaltlich fundierte und spannende Krimiserie nach nur wenigen Jahren vom Markt zu nehmen; daß von der Serie aber nur sechs von zehn Bänden ins Deutsche übersetzt wurden und von diesen schon jetzt keines mehr erhältlich ist, finde ich schwach. Die Serie hätte mehr Beachtung verdient!