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Als Auftakt erleben wir in der „kurzen Geschichte des Haarschneidens" sehr amüsant die drei Stufen des Lebens: Jugend, das Erwachsenensein und das Alter. Anschließend tauchen wir in die nordische Melancholie, einer Variation der Legende von Falun. Die Liebe eines verheirateten Mannes und einer Frau. Erst am Ende ihres Lebens gestehen sie sich ihre Liebe ein und trennen sich dann für immer. Den Kontrast zur ersten Erzählung empfand ich als sehr stark. Dieses lässt schon den Facettenreichtum der Geschichten erahnen. Wer glaubt, im Alter passiere nicht mehr viel, der sei hier eines besseren belehrt, und schon lernen wir zwei Witwen kennen, die sich regelmäßig in einem Lokal zum Frühstück treffen. Merrill schwärmt von ihrem verstorbenen Mann, der sehr beliebt gewesen sei und „ noch alle Zähne im Mund hatte, als er starb." Janice macht gute Miene zum Spiel. Sie weiß, dass dieser Kerl ein Ekel war, der als „Campus-Fummler gegenüber Frauen nicht vor sexueller Gewalt zurückschreckte. Merrill hat offenbar keine Ahnung davon.
So unterschiedlich die Erzählungen inhaltlich sind, so schweben sie nicht alle auf einem hohen Niveau. Leider nicht. Besonders tragisch ist der zu dramatisch inszenierte Plot in der Geschichte um einen Konzertbesucher, der sich immer schrulligere Methoden ausdenkt, damit die Zuhörer während des Konzertes in Stille verharren: nicht Husten, sich nicht unterhalten usw. Irrwitzig, absolut komisch, ich habe selten so gelacht, bis dann der überzogene Plot einen üblen Nachgeschmack hinterließ.
Turgenews späte Liebe, wie Julian Barnes sie interpretiert, ist das rührendste und hinreißendste, was mir in diesem Band begegnet ist. Das ist wirklich großartige Literatur. Trotz unterschiedlicher Wertung der einzelnen Geschichten, kann ich diesen Erzählungsband empfehlen. Einige Geschichten bleiben hängen und der Autor beweist einen charmanten Humor.
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