Wie in seinen beiden vorherigen Büchern, befasst sich Daniel Silva auch hier wieder mit dem Holocaust und seinen Folgen, die bis in die heutige Zeit hinein reichen. Gekonnt wie immer verknüpft Silva Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Fiktion, und schafft eine fesselnde Story, die mit einem Anschlag auf den besten Freund des Protagonisten Gabriel Allon, Eli Lavon, beginnt und sich schließlich um eine höchst beunruhigende Verschwörung um den rechtspopulistischen österreischichen Kanzlerkandidaten und seine Vorfahren rankt.
Um die versuchte Ermordung seines Freundes aufzuklären, schickt Silva seinen Helden Allon, einen langjährigen israelischen Geheimagenten, in rasantem Tempo in aller Herren Länder und konfrontiert ihn schließlich mit seiner eigenen Vergangenheit; den niedergeschrieben Erinnerungen seiner eigenen Mutter, die denn Holocaust überlebt hat. Diese bewegenden Schilderungen vergangener Eriegnisse wirken ebenso realistisch und authentisch wie das gesellschaftliche Bild, das Silva von unserem Nachbarland zeichnet.
Neben der packenden und brisanten Story ist - wie auch in den vorherigen Büchern - die höchst komplexe und vielschichteige Figur Gabriel Allon ein Pluspunkt. Silvas Protagonist, voller Gewissensbisse und gequält von seiner Vergangenheit als Auftragskiller, ist eher ein klassischer Antiheld und wirkt gerade dadurch so sympathisch. Was allerdings schade ist, ist, dass Allons Antagonist, der "Uhrmacher", ein sehr eindimensionaler und negativ gestalteter Charakter ist, wodurch der Handlung etwas an Brisanz verloren geht, anders als bei den letzten Büchern, wo das Verhälnis zwischen Allon und seinen ebenbürtigen und eher ambivalent zu sehenden Gegnern den besonderen Reiz ausmachte.
Gerade deswegen ist "Der Zeuge" mit Sicherheit nicht Silvas bestes Buch, aber immer noch viel besser als die meisten anderen Spionagethriller von anderen Autoren!