In Südamerika haben die unterdrückten Indios bei einem Aufstand die Macht an sich gerissen und ein Regime in der Tradition der alten Mayakultur errichtet. Später eroberten sie Spanien und die hier entstandenen Stadtstaaten überholten bald die mittel- und südamerikanischen Ursprungsländer. Ihre Überlegenheit gründet sich auf ihrer fortgeschrittenen Nano-Technologie. Mit ihrer Hilfe beherrschen ihre Könige ihre Untertanen und unterdrücken sie Spanier. Wie ein Mantel hüllt diese hochtechnisierte Gesellschaft ein ins Extrem übersteigerter Traditionalismus ein. Jeder Aspekt wird mit alten Maya-Mythen ausstaffiert. Ihren Göttern bringen sie noch immer Menschenopfer dar und ihre Schriftzeichen sind die der antiken Mayakultur. Ihr bedeutenster Gegenspieler ist die katholische Kirche, die den Verlust Spaniens für ihren Glauben unbedingt rückgängig machen möchte.
Yaqui ist als Zensor einer der mächtigsten Männer in der Hierarchie des Stadtstaates Tikal und eine Art Chef des Geheimdienstes. Doch durch die ständigen Intrigen unter den Mayaadligen ist niemand sicher. Abgefangene eMails mit einer subtilen Verschlüsselung, die er nicht knacken kann, weisen Yaqui auf eine unbekannte Verschwörung hin. Doch das ist nicht die Einzige und auch nicht die bedrohlichste für ihn.
Enrique ist führendes Mitglied der FPLE, der im Untergrund tätigen Widerstandsbewegung gegen die Mayas in Spanien. Wegen der technologischen Überlegenheit der Mayas sind sie keine wirkliche Gefahr für sie. Er bekommt den Auftrag, einen geheimnisvollen Gegenstand von einem Ort zu einem anderen zu transportieren. Es ist eine furchtbare Waffe, wie er später erfahren soll. Doch auch ihm droht Gefahr von seinen eigenen Kampfgenossen.
Beide werden nach vielen Umwegen am Ende vom Schicksal zusammengeführt.
Dieser Roman Hammerschmitts behandelt eine zukünftige Geschichte im 22. Jahrhundert und spielt im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern „Target" und „Der Opal" auf der Erde. Sowohl stilistisch als auch bei der Handlung ist „Der Zensor" etwas geradliniger und unkomplizierter als „Der Opal". Was aber noch lange nicht bedeuten soll, dass „Der Zensor" eine simple Handlung hat. Durch die zwei Hauptfiguren gibt es bis gegen Ende zwei parallele Handlungsstränge und die zahlreichen, konkurrierenden Interessensgruppen oder Personen sorgen für reichliche Komplexität. Aber der ganze Hintergrund ist nicht so fremdartig wie in „Der Opal".
Ganz hinten ist dem Autor dann ein kleiner Irrtum unterlaufen. Ein Heuschober ist nämlich keineswegs eine Heuscheune und kann nur sehr eingeschränkt als Unterschlupf dienen. Aber eine solche Kleinigkeit stört weder den Lesegenuss bei diesem hervorragenden SF-Roman noch wird es die Meisten auch nur interessieren. Wenn nicht alles täuscht, wird „Der Zensor" der erfolgreichste Roman Hammerschmitts werden, was er auch verdienen würde.