Vorweg sei erwähnt, dass "Der Zeitkrieg" der dritte und (und letzte) Teil des so genannten Kantaki-Zyklus ist. Man sollte auf jeden Fall vorher "Diamant" und "Der Metamorph" gelesen haben, da man ansonsten keine Chance hat der Handlung zu folgen - und das ist schon schwierig genug, wenn man beide Vorgänger gelesen hat. Noch schwieriger ist es, eine kurze, aber trotzdem verständliche Inhaltsangabe für dieses Buch zu schreiben. Ich versuch's mal:
Der selbstsüchtige Ex-Herrscher Valdorian hat sich mit den so genannten Temporalen verbündet bzw. von deren Herrscher Agoron täuschen lassen, um sein eigenes Leben zu verlängern. Ohne es zu merken, wird Valdorian zu einer Schachfigur auf Agorons Schachbrett und verhilft den Temporalen zur Flucht aus der Verbannung, in der diese seit dem "ersten Zeitkrieg" zeit- und tatenlos ausharren mussten.
Dies ist der Auslöser für den zweiten Zeitkrieg, den der Leser, wie auch die Protagonisten eigentlich gar nicht so richtig mitbekommen. Denn zwischen dem Ende von Teil zwei und dem Anfang dieses Buches, springen die Temporalen durch die Zeit und verändern an entscheidenden Kausalitätspunkten die Realität, was zu jeder Menge verschiedenen Zeitsträngen und zu ebenso vielen Handlungssträngen führt, in denen aber immer wieder die gleichen Personen vorkommen.
Klingt verwirrend? Ist es auch. In dem Versuch, dem Leser die vielen Sprünge zwischen den Zeitsträngen einfacher zu machen, kennzeichnet Brandhorst diese farblich und überschreibt die Kapitel mit Farbe, Ort und Datum und so entsteht für meinen Geschmack ein im wahrsten Sinne des Wortes buntes Durcheinander von Handlungssträngen in gelb, orange, blau, braun, indigo, magenta, grün und ultramarin.
Einige Individuen (wie z.B. Lidia/Diamant) haben eine besondere Wahrnehmungsgabe und merken, wenn sie sich in einer manipulierten Realität befinden. Mit Hilfe dieser Kognitoren formiert sich an einem Ort jenseits aller Zeitstränge eine Gruppe von Widerständlern, auf die die Temporalen Jagd machen.
Dass aus diesem Durcheinander doch noch ein ordentliches Buch heraus kommen kann, ist der gut lesbaren Schreibweise und vor allem der Tatsache geschuldet, dass bei allem Makel die Story trotzdem fast durchgängig und bis zum Schluss spannend ist. Aber auch hierbei muss ich ein paar Kritikpunkte loswerden. An einigen Stellen wirken mir die Wendungen und Wandlungen in der Handlung etwas zu konstruiert. Ohne zu viel zu verraten, erkennt z.B. Agoron, der Anführer der Temporalen, etwa in der Mitte des Buches ganz plötzlich und unvermittelt, dass er und sein Volk offensichtlich einem großen Schwindel aufgesessen sind. Auch die Wandlung des egozentrischen Valdorian kommt mir einfach zu unmotiviert rüber. So überzeichnet und unglaubwürdig, wie mir der selbstsüchtige und für sein eigenes Wohl über alle Leichen gehende Valodrian erschien, so unglaubwürdig erscheint dann auch die Wandlung, die er vollzieht.
Insgesamt bleiben für meinen Geschmack einige Makel an der Kantaki-Trilogie hängen:
Irgendwie erscheinen mir die drei Teile wie drei eigenständige Bücher - das mag man durchaus noch positiv finden. Allerdings scheinen mir an der einen oder anderen Stelle die zusammenhänge zu konstruiert. Man müsste die Handlung nur geringfügig umschreiben und könnte dadurch fast den gesamten Mittelteil rund um KiTamarani und den Metamorph einfach weglassen. Dementsprechend zufällig treffen dann auch erst am Ende von "Der Zeitkrieg" die Hauptakteure aus "Der Metamorph" auf Diamant und Valdorian.
Außerdem wird für meinen Geschmack zu viel gestorben und dann doch nicht. Das extremste Beispiel erlebt Bruder Eklund. Zitat: "...Er starb. [Zeilenumbruch] Er lebte. ..." Was das soll, erschließt sich mir nicht. Ein ähnliches Beispiel erlaubt sich Brandhorst ganz am Ende und bringt damit die Trilogie zu einem schwachen, weichgespülten Abschluss.
Und dann noch eine Kleinigkeit, die mich aber auf Dauer wirklich genervt hat... die Punkte... Vielleicht wollte uns Brandhorst damit motivieren, kurz Luft zu holen... und dann weiter zu lesen... oder er wollte klar machen... dass die Handlung oder die Personen kurz innehalten... Ich hatte eher das Gefühl... man hätte auch das einfach weglassen können.
Fazit: Nach einem hervorragenden Auftakt - mir hat "Diamant" mit Abstand am Besten gefallen, hat die Trilogie stark nachgelassen und meine hohen Erwartungen nicht erfüllt. Dem ganzen Zyklus würde ich wegen dem starken ersten Teil und der spannenden Story vier Sterne geben. Für sich gesehen bekommt aber "Der Zeitkrieg" nur drei. Nichtsdestotrotz glaube ich schon, dass ich auch die zweite Trilogie, die mit Feuervögel beginnt und ebenfalls im Kantaki-Universum spielt, auch irgendwann mal lesen werde, denn so schlecht war's ja nun auch wieder nicht... Oder, wie mein Professor früher gesagt hätte: "Eine Drei ist bei mir doch eine gute Note."