Der vorliegende Band, der 1970 von Heyne herausgegeben wurde, enthält 4 der besten Geschichten von Wolfgang Jeschke:
* 12 Minuten und einiges mehr (kurz)
* Sirenen an Ufern
* Tore zur Nacht
* Der König und der Puppenmacher
Wolfgang Jeschke hat sich als Herausgeber einen Namen gemacht. DAS weiß nun fast jeder deutschsprachige Leser, der sich für SF interessiert. Doch auch seine - nicht zahlreichen, aber stilistisch ausgereiften - Werke dürfen nicht hintan gestellt werden. Jeschke beschäftigt sich zumeist mit sehr wichtigen Themen (Risiken der Atomkraft, ferne Reisen) auf eindrucksvolle und nachhaltige Art und Weise, oft sehr melancholisch in Ton und Stimmung, jedoch stets mit sprachlicher Finesse - trotz seiner lakonischen Form.
Ich selbst lese gern SF. Nicht ausschließlich, aber recht oft; in der letzten Zeit sogar immer öfter.
Bei vielen Anthologien ist man, ob der Varianz und Qualitätsunterschiede der einzelnen Storys eher dazu geneigt, die Gesamtbewertung nicht wirklich oberst anzusetzen. Das vorliegende schmale Bändchen fällt aus diesem Muster heraus.
Kurz: diese Storys gehören in jede SF-Bibliothek bzw. -Sammlung.
Der Umfang der Storys ist in diesem Band fortschreitend, jede nächste ist länger als die davor.
Hauptthemen der Storys sind: Zeitreisen (1+4), fremde Welten, Atomkraft.
_12 Minuten und einiges mehr_
ist in der ferner Zukunft angesiedelt. Menschen buchen Zeitreisen und begeben sich im ZEITER auf Weltreisen in verschiedene Epochen. Die Grenzen dieser Reisen sind jedoch klar markiert bzw. beschränkt. Sehr weit zurück reichende Epochen bergen die Gefahr einer sehr großen Streuung, was die Wiederkehr um Jahre, wenn nicht Jahrhunderte, verzögern kann.
Eine Geschichte so grazil und feinstofflich wie eine Qualle, bei der man nicht unbedingt vermutet, dass dieses beinahe substanzlose Etwas tödlich sein kann!
(Meine Wertung: 9 von 10)
_Sirenen an Ufern_
Sie landen auf einer fernen Welt - einer Welt, die tödliche Träume gebiert ...
(Meine Wertung: 7 von 10)
_Tore zur Nacht_
ist das erste lichterlohe Highlight dieser Sammlung. Thema ist: atomarer Krieg und der Eingriff eines Mutanten in das Zeitgefüge. Nie zuvor habe ich derart starke, poetische und präzise Bilder vor mir gesehen - Bilder einer ungeheuren Verheerung nach einem (abgelenkten?) Atomkrieg. Aber: es ist keine Dystopie!!!
(Meine Wertung für diese "bombastische" Geschichte: 10 von 10)
_Der König und der Puppenmacher_
ist einfach nur genial. Ein Krimi im weitesten Sinne, bei dem man keine Information außer Acht lassen sollte, angeregt wird, mitzudenken ... und letztlich doch überrascht wird.
Da wünscht man sich unweigerlich, die Story wäre ein richtig dicker, langer Roman.
(Meine Wertung: 10 von 10)
Unbedingte, nachdrückliche Empfehlung!