Aus der Amazon.de-Redaktion
Grund genug für Gevatter Tod die vier Reiter der Apokalypse zum Ausritt zu rufen -- schließlich scheint das Weltende unmittelbar vor der Tür zu stehen. Diese haben sich jedoch inzwischen in gutbürgerlichen Verhältnissen eingerichtet und für derlei jugendliche Abenteuer nicht mehr viel übrig. Und die einzige Hoffnung auf Rettung liegt bei dem jungen Mönch Lobsang, der über erstaunliche Fähigkeiten verfügt und die Grenzen der Zeit selbst zu überwinden versteht.
Die besten Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett haben mehr als Klamauk und Wortwitz zu bieten. Von Zeit zu Zeit (!) lässt sich der Meister von den Abgründen des menschlichen Daseins inspirieren, und dann wird er gleichermaßen düster wie philosophisch. Damit soll nicht behauptet werden, Der Zeitdieb sei kein komisches Buch. Aber wenn Pratchett seine humoristischen Kapriolen vor einem komplexen Hintergrund schlägt, sind sie umso wirkungsvoller. Keine schlechte Leistung: Band 26 einer Serie, und noch keinerlei Ermüdungserscheinungen. --Sara Schade -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
"Terry Pratchett ist schlicht und einfach der beste komische Schriftsteller unserer Zeit!" (Oxford Times )
"Er ist zum Schreien komisch. Er ist weise. Er hat Stil." (Daily Telegraph )
Kurzbeschreibung
Klappentext
The Times
"Terry Pratchett ist schlicht und einfach der beste komische Schriftsteller unserer Zeit!"
Oxford Times
"Er ist zum Schreien komisch. Er ist weise. Er hat Stil."
Daily Telegraph
Über den Autor
Andreas Brandhorst, 1956 in Norddeutschland geboren, schrieb bereits in jungen Jahren phantastische Erzählungen für deutsche Verlage. Aufsehen erregte er mit der aus 6 Bänden bestehenden Kantaki-Saga (die Diamant-Trilogie: "Diamant", "Der Metamorph" und "Der Zeitkrieg", und die Graken-Trilogie: "Feuervögel", "Feuerstürme" und "Feuerträume") und dem 2009 erschienenen Mystery-Thriller "Äon", der zu einem großen Publikumserfolg wurde. "Die Stadt" ist sein zweiter großer Mystery-Roman. Andreas Brandhorst lebt als freier Autor in Norditalien.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Mit der Sandale stieß er seinen dösenden Schüler Tolpatsch an und sagte: »Ich habe gesehen. Jetzt verstehe ich.«
Dann zögerte er und betrachtete das Etwas neben Tolpatsch.
»Was ist das für ein erstaunliches Ding?«, fragte er.
»Äh ... äh ... das ist ein Baum, Meister«, erwiderte Tolpatsch, der noch nicht richtig wach war. »Erinnerst du dich? Er war gestern auch hier.«
»Es gab kein Gestern.«
»Äh ... äh ... ich glaube doch, Meister«, sagte Tolpatsch und stand mühsam auf. »Weißt du noch? Wir kamen hierher, und ich habe eine Mahlzeit zubereitet, und ich habe die Rinde von deinem Sklang gelöst, weil du sie nicht wolltest.«
»Ich erinnere mich an gestern«, murmelte Wen nachdenklich. »Aber die Erinnerung steckt jetzt in meinem Kopf. Existierte das Gestern wirklich? Oder ist nur die Erinnerung daran real? Wahrlich, ich wurde nicht gestern geboren.«
Tolpatschs Gesicht verwandelte sich in eine Grimasse, die schmerzliches Unverständnis zum Ausdruck brachte. »Lieber dummer Tolpatsch, ich habe alles gelernt«, sagte Wen. »In der hohlen Hand gibt es weder Vergangenheit noch Zukunft. Es existiert nur das Jetzt. Es gibt keine andere Zeit als die Gegenwart. Wir haben viel zu tun.«
Tolpatsch zögerte. Sein Meister hatte etwas Seltsames an sich. In seinen Augen glühte es, und wenn er sich bewegte, leuchtete die Luft um ihn sonderbar silbrig-blau, als reflektierten flüssige Spiegel.
»Sie hat mir alles gesagt«, fuhr Wen fort. »Ich weiß, dass die Zeit für die Menschen geschaffen wurde, nicht umgekehrt. Ich habe gelernt, sie zu formen und zu biegen. Ich weiß, wie man einen Moment ewig währen lassen kann, denn das ist bereits geschehen. Und ich kann diese Fähigkeiten selbst dir beibringen, Tolpatsch. Ich habe den Herzschlag des Universums gehört. Ich kenne die Antworten auf viele Fragen. Frag mich etwas.« Der Schüler sah ihn verschlafen an. Es war zu früh am Morgen, um früh am Morgen zu sein. Nur das wusste er mit absoluter Gewissheit.
»Äh ... was möchte der Meister zum Frühstück?«, fragte er. Wen blickte von ihrem Lager über die Schneefelder und purpurnen Berge zum goldenen Tageslicht, das die Welt formte, und dachte dabei über gewisse Aspekte des menschlichen Wesens nach. »Ah«, sagte er. »Eine der schweren Fragen.«
Damit etwas existiert, muss es beobachtet werden.
Damit etwas existiert, muss es eine Position in Raum und Zeit haben.
Das erklärt, warum neun Zehntel der Masse des Universums unbekannt sind.
Neun Zehntel des letzten Zehntels. Jedes Atom hat seine Biographie, jeder Stern seine Akte, jede chemische Wechselwirkung ihr Äquivalent eines Inspektors mit einem Klemmbrett in der Hand. Sie alle sind deshalb unbekannt, weil sie für die Verwaltung des Rests zuständig sind, schließlich kann man nicht die Rückseite des eigenen Kopfes sehen.
Neun Zehntel des Universums bestehen aus Bürokratie.
Und wenn man die Geschichte möchte, so sollte man bedenken, dass sich eine Geschichte nicht entwickelt, sondern entfaltet. Ereignisse, die sich an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten zutragen, zielen alle auf einen Punkt in der Raum-Zeit, auf den perfekten Moment.
Angenommen, ein Kaiser wird dazu überredet, neue Kleider aus einem so feinen Stoff zu tragen, dass die Kleidung für das gewöhnliche Auge unsichtbar bleibt. Und angenommen, ein kleiner Junge weist mit lauter, klarer Stimme darauf hin ...
Dann hat man eine Geschichte, die man »Des Kaisers neue Kleider« nennen könnte.
Aber wenn man ein wenig mehr wüsste, so hätte man die Geschichte vom Jungen, der von seinem Vater eine ordentliche Tracht Prügel und außerdem Stubenarrest bekam, weil er dem Kaiser gegenüber unhöflich war.
Oder die Geschichte von der Menge, die von Wächtern umringt wurde und zu hören bekam: »Dies ist nicht passiert, klar? Möchte jemand widersprechen?«
Es könnte auch eine Geschichte darüber sein, wie ein ganzes Königreich die Vorzüge der »neuen Kleider« erkennt und Spaß darin findet, in einer lebhaften, erfrischenden Atmosphäre gesunden Sport* zu treiben, der jedes Jahr neue Anhänger findet und eine Rezession bewirkt, ausgelöst von einer Pleitewelle in der konventionellen Textilindustrie.
Denkbar wäre sogar eine Geschichte über die große Lungenentzündungsepidemie von '09.
Es hängt davon ab, wie viel man weiß.
Angenommen, man hat die langsame Ablagerung von Schnee beobachtet und im Verlauf von Jahrtausenden gesehen, wie das Weiß immer kompakter wurde und über die Felsen in die Tiefe glitt, bis der Gletscher schließlich Eisberge ins Meer kalbte. Und dann sah man, wie einer dieser Eisberge durchs kalte Wasser glitt, mit einer Fracht aus fröhlichen Eisbären und Seehunden, die sich auf ein interessantes neues Leben in der anderen Hemisphäre freuten, wo das Treibeis angeblich mit leckeren Pinguinen überzogen war. Und dann machte es plötzlich Wamm! Die Tragödie kam in Form von Tausenden Tonnen völlig unerwartetem Stahl und einem aufregenden Soundtrack ...
... man möchte die ganze Geschichte erfahren.
Und diese beginnt mit Schreibtischen.
Dies ist der Schreibtisch eines Profis. Man sieht sofort, dass solche Leute in ihrer Arbeit aufgehen. Eine gewisse . menschliche Wärme ist vorhanden, aber es ist die Art von menschlicher Wärme, die in der kalten Welt von Pflicht und Routine möglich ist.
Sie bietet die einzige echte Farbe in einem Bild, das nur aus Schwarz und Grau besteht. Gemeint ist ein Kaffeebecher. Irgendwo wollte irgendjemand einen lustigen Kaffeebecher daraus machen. Er zeigt einen nicht besonders überzeugend wirkenden Teddybär und die Aufschrift »Für den besten Opa der Welt«. Kleine Unregelmäßigkeiten in der Schrift des Wortes »Opa« verraten: Der Becher stammt aus einem Geschäft, das Hunderte davon anbietet, und zwar für die besten Opas/Omas/Väter/Mütter/Onkel/Tanten/leer der Welt. Nur Personen, deren Leben kaum etwas anderes bietet, scheinen an solchen Dingen Gefallen zu finden.
Derzeit enthält der Becher Tee mit einer Scheibe Zitrone.
Außerdem präsentiert der trostlos wirkende Schreibtisch einen Brieföffner in Form einer Sense und mehrere Stundengläser.
Mit einer knöchernen Hand greift Tod nach dem Becher ...