Als L. Frank Baum 1900 "The Wonderful Wizard of Oz" veröffentlichte, war der Erfolg wirklich märchenhaft, sowohl was die Kritiken als auch das Finanzielle betraf. Zwei Jahre lang war es das bestverkaufte Kinderbuch Amerikas. Baum ließ bis 1920 dreizehn weitere Werke über das wunderbare Zauberland von Oz folgen (was an C.S. Lewis' "Die Chroniken von Narnia" erinnert).
Lange nach des Autors Tod adaptierte Victor Fleming die Erfolgstory für das Kino. 1939 flimmerte "The Wizard of Oz" von den Leinwänden. Das richtige Werk zum richtigen Zeitpunkt. Denn global braute sich der II. Weltkrieg zusammen - und da war Eskapismus á la Hollywood genau das Richtige.
Die Synopsis des "Zauberers von Oz" ist einfach erzählt: Dorothy Gale (gespielt von Judy Garland), ein Teenager aus Kansas, läuft von ihrer heimatlichen Farm weg. Der Grund: die böse Nachbarin, Ms Gulch, will Dorothys Hund Toto töten lassen. Ein Tornado zwingt die Flüchtlinge zur Umkehr; sie verstecken sich im Farmhaus und werden vom Twister durch die Lüfte ins Land hinter dem Regenbogen, nach Oz, getragen. Auch Ms Gulch ist dort gelandet. Ihr Fahrrad war im Sturm zum Hexenbesen geworden. Und als Wicked Witch of the West trachtet sie Dorothy fortan nach dem Leben.
In Oz trifft Dorothy drei wahre Freunde: eine Vogelscheuche, die sich ein Hirn wünscht, einen Zinnmann, der ein Herz möchte, und einen ängstlichen Löwen, der sich nach Mut sehnt. Gemeinsam wandern sie zum Schloss des mächtigen Zauberers von Oz. Er soll den Dreien ihre Wünsche erfüllen und Dorothy die Rückkehr nach Kansas ermöglichen.
Was beim "Zauberer von Oz" beeindruckt, ist die Farbtechnik. Während der Kansas-Teil des Filmes in schwarz-weiß gehalten ist, sticht das Land Oz in bunten Farben heraus: Dorothys rubinrote Zauberschuhe, die gelbe Ziegelstraße, Schneefall im Mohnblumenfeld oder das smaragdgrüne Schloss des Wizards. Der Kontrast von eintöniger Realität zu farbenfroher Fantasie könnte kaum besser verfilmt werden. Auch die doppelt Oscar-prämierten Musical-Melodien passen zum Märchenumfeld. Manchmal aber bleibt der klangliche Zeitgeschmack des Jahres 1939 gegenwärtigen Ohren verschlossen. Etwa in der Szene, in der Dorothy bei den Munchkins gelandet ist. Da hat der Film zu sehr den Effekt einer Parade im Disneyland.
Schade ist auch, dass die DVD keine Extras bereit hält. Bei so alten Filmen ist dies gewiss schwierig. Infos über L. Frank Baums Schaffen wären aber z.B. durchaus eine interessante Verfeinerungs-Möglichkeit gewesen.