"Wir wollen Bücher für die Nächte, in denen wir trotz aller Erschöpfung keinen Schlaf finden; Bücher, die wir einer Freundin mitbringen können. Wir wollen anmutsvolle Bücher; Bücher, die uns beweisen, dass in der Welt die Liebe wirkt, neben dem Bösen, gegen das Böse und manchmal nicht von ihm zu unterscheiden. Wir wollen gute Romane." (Auszug aus dem Plädoyer der Buchhändlerin Francesca Aldo Valbelli)
Wäre das nicht schön, eine Buchhandlung in der es nur gute Romane gibt, egal wohin man greift? Eine traumhafte Vorstellung für jeden Romanliebhaber. Das denken auch die literaturbegeisterte Francesca und der wenig kommerziell orientierte Buchhändler Van und erfüllen sich den Traum: sie eröffnen mithilfe Francescas Erbe die Pariser Buchhandlung "Der gute Roman". Doch welche Romane soll die Buchhandlung in ihrem Sortiment führen? Wie kann es gelingen, das Sortiment möglichst vollständig zu gestalten? Francesca und Ivan, genannt Van, wollen dies nicht allein entscheiden und setzen ein Komitee, mit der Aufgabe geeignete Romane zu benennen, ein, das sich aus acht Autoren unterschiedlichster Richtungen zusammensetzt, deren Identität geheimgehalten wird. Und siehe da, die Buchhandlung kann sich etablieren, obwohl nur wenige daran geglaubt haben, dass sich eine Insel der Qualität am Markt behaupten kann. Dennoch ist "Der gute Roman" vielen Anfeindungen ausgesetzt und die kleine Gruppe von Idealisten, die sich ihren Traum erfüllen, wird bald massiv bedroht und tätlich angegriffen. Doch wer hat ein Interesse daran, den Traum von Francesca, Van und dem Autorenkomitee zu zerstören? Auch Inspektor Heffner, den Francesca und Van hinzuziehen, stellt sich diese Frage...
Laurence Cossés Roman "Der Zauber der ersten Seite", im französischen Original unter dem passenderen Titel "Au bon roman" entschieden, ist ein ruhig dahinfließender, charmanter Roman, auch wenn der Klappentext eher einen Krimi oder Thriller vermuten lässt. Im Kern der Geschichte um die Buchhandlung "Der gute Roman" und ihre Gründer steht jedoch eher ihr idealistisches Motiv, ihr Engagement und ihr Kampf ihren Traum wahr werden zu lassen, ihre Beziehung zur Literatur, ihre Charaktere und ihr Beziehungsumfeld und wie sich ihr Leben und sie sich selbst durch ihre Buchhandlung verändert. Seine Spannung erhält der Roman "Der Zauber der ersten Seite" daraus, dass die Geschichte um "Der gute Roman" originell und wenig vorhersehbar ist, und dass die Protagonisten Francesca und Van ungewöhnliche Charaktere sind. Wie viele Idealisten, mögen sie zeitweise etwas weltfremd und naiv wirken, umso authentischer wirkt jedoch ihre Leidenschaft. Sprachlich empfand ich Laurence Cossés Roman poetisch und sehr französisch, ohne greifbar machen zu können, was letzteres ausmacht. Wer Romane liebt, wird sich an den vielen literarischen Anspielungen erfreuen und greift bei Interesse gerne die Anregungen aus Laurence Cossés Bücherliste im Anhang des Romans auf.
"Der Zauber der ersten Seite" hat mich vielleicht nicht von Beginn an verzaubert, aber sofort fasziniert und schnell bin ich in dieser geheimnisvollen Welt der Bücher und Buchliebhaber versunken - bis ich nach der letzten Seite wieder auftauchen musste. Für mich war "Der Zauber der ersten Seite" wegen seiner stillen Poesie eines der schönsten Leseerlebnisse des Jahres 2010, ein wunderbares Plädoyer für das Lesen, die Freude an gut erzählten Geschichten und eine Liebeserklärung an die Menschen, die eben dies zu schätzen wissen.