Leonard Schrader galt als hervorragender Kenner der japanischen Geschichte und Kultur; vor allem war er Experte für das japanische Kino und dessen Samurai- und Gangster-Filme. 2006 ist er im Alter von nur 63 Jahren gestorben.
Einige der Höhepunkte dieser fernöstlichen Filme sind in die Geschichte eingeflossen, die Schrader hier erzählt. Dabei ist das Werk eigentlich das Werk mehrerer Autoren: Schrader wollte die Geschichte eines 'fish out of water' erzählen, eines Amerikaners, der nach 20 Jahren wieder nach Japan kommt und mit diversen Riten und Gebräuchen konfrontiert wird. Leonard Schrader schickte die Story seinem Bruder Paul, der daraus ein Drehbuch machte. Robert Towne gab dem Buch den letzen Schliff und Sidney Pollack verfilmte die Story.
Diesen Drehbuchhintergrund merkt man dem Buch stellenweise an. Über die meisten Strecken aber verrät das Buch wesentlich mehr über die Gedanken und die Innenwelt der Figuren, als es der Film vermochte. Man lernt fremde Gebräuche kennen, Riten, begreift langsam die enormen Unterschiede zwischen unserer Kultur und der japanischen Denk- und Lebensweise.
Die Mythen, die Schrader erzählt, sind dabei weniger tatsächlich historisch, als vielmehr durch die Kinofilme entstanden, die Schrader gesehen hat. Für den Leser ist die Haltung der Figuren jedenfalls glaubwürdig und leicht nachzuvollziehen - wie die Prinzipien, denen sie folgen: Ehre, Treue, Schuld, Würde, Liebe, Scham, Lüge, Mut, Stolz, Trauer werden hier eindrucksvoll gezeigt und gelebt.
Einige Szenen sind 'brutal' und blutig - es wird schließlich mit dem Schwert gekämpft, um Leben und Tod. Inklusive aller denkbarer Verletzungen, die man mit Schwertern verursachen kann! Schrader erspart seinen Figuren kaum etwas; er zerreibt sie zwischen 'Baum und Borke', setzt sie inneren Qualen (Regeln, Pflichten) und äußeren Qualen (Gegner) aus.
Wer den Film kennt (Yakuza"), sollte sich das Buch besorgen - und wer beides noch vor sich hat, sollte mit diesem Buch beginnen. Man taucht ein in eine faszinierende Welt, die einen über das Lesen hinaus interessiert. Und man lernt saft- und kraftvolle Figuren kennen, wie man sie (leider) nicht oft trifft - in der 'wirklichen Welt' nicht und viel zu selten in Büchern und Filmen. Als Zugabe gibt es in dieser Ausgabe ein interessantes Nachwort zu diesem Roman.