Werner Maser (1922-2007) war der deutsche Historiker, der erstmals die Dokumente der NSDAP auswertete und über diverse Aspekte des "Dritten Reiches" publizierte. Er studierte Theologie, Philosophie, Politikwissenschaft, Pädagogik und Germanistik. Stationen seiner beruflichen Laufbahn beinhalteten Stellungen als Chefredakteur und Schriftleiter, sowie Lehrstühle und Gastprofessuren in den Politikwissenschaften.
Sein aufsehenerregendstes Werk, "Der Wortbruch" aus dem Jahr 1994 wurde 2007 neu aufgelegt. Es handelt sich dabei um die Entwicklung der These, dass der Krieg zwischen dem Deutschen Reich und der UdSSR im Zweiten Weltkrieg deswegen unausweichlich war, weil Stalin die UdSSR seit spätestens 1939 massiv aufrüstete, um nach der gegenseitigen kriegerischen Erschöpfung der "kapitalistischen" Staaten Europas (zu denen er Hitler-Deutschland zählte) möglichst große Teile des Kontinents zu vereinnahmen.
Das Buch gliedert sich in 4 Kapitel und umfasst die Zeitspanne vom Zustandekommen des Hitler-Stalin Pakts bis zum Beginn des "Unternehmens Barbarossa". Innerhalb der Kapitel fehlt leider die weitere Gliederung, sie wird unzureichend durch Seitenüberschriften vorgenommen, die sich im Inhaltsverzeichnis wiederfinden. Der Anhang bringt Dokumente, Anmerkungen, Bibliographie und ein Personenregister. Maser zitiert äußerst umfangreich diverse Dokumente und nimmt zu anderen Autoren Stellung, die sich des Themas angenommen haben.
Zum Beginn des Barbarossa-Feldzugs befand sich eine der angreifenden Deutschen Wehrmacht zahlenmäßig und technisch deutlich überlegene Ansammlung von sowjetischen Einheiten unmittelbar an der Grenze zum Reich. Diese Truppen waren ganz offensichtlich nicht auf die Verteidigung eingestellt, sondern im Aufmarsch in die Bereitstellungsräume zum Angriff auf Europa begriffen, der am 10.07.1941 abgeschlossen sein sollte. Hitler kam somit Stalin um etwa 3 Wochen zuvor und hatte sein Gegenüber richtig eingeschätzt, obwohl er sich in dessen Stärke massiv getäuscht hatte. Stalin seinerseits darf beileibe nicht als naiv gesehen werden, rechnete aber scheinbar trotz der insgesamt 87 eingegangenen Warnungen erst 1942 mit der deutschen Invasion.
Das Buch ist heute als "Klassiker" einzustufen und hat nach seinem Erscheinen zu heftigen Kontroversen geführt, in denen der sogenannte "Historikerstreit" aus den Jahren 1986/87 fortgeführt wurde. Liest man die dort vorgetragenen Positionen genau, so zeigt sich, dass es weniger um die historische Wahrheit, als um die Auswirkungen der Geschichtsinterpretation auf die heutige Gesellschaft geht, wobei das natürlich nicht auf Deutschland beschränkt ist. Auf die gemeinsame Geschichte der Jahre 1933-1945 bezieht sich unter anderen ja in ganz wesentlichem Ausmaß das heutige Russland, für dessen vielfältige Nationen der "Große Vaterländische Krieg" eine ganz wesentliche einigende kulturelle Klammer ist.
"Die Geschichte ist eine Tochter der Zeit" sagte der ehemalige österreichische Nationalratspräsident Andreas Khol und bestätigte so, dass Geschichte keine akademische Disziplin mit Wahrheitsanspruch ist, sondern dass politisch motivierte Geschichtsverfälschungen bis in die Antike zurückreichen. In diesem Sinne bleibt es den geneigten Leser überlassen, sich selbst ein Bild zurechtzuzimmern und sich dabei immer zu fragen ' cui bono ?