"Der Wolfskoenig" zeichnet auf 538, in 66 Kapitel gegliederten, Seiten ein deutliches Bild des fraenkischen Herrschers Chlodwig (466-511)und seines Lebenswerkes vor dem Hintergrund des heraufdaemmernden Mittelalters.
Die Romanhandlung beginnt im Jahre 486 mit dem Sieg der Salier unter dem Oberbefehl ihres langhaarigen Heerkoenigs (Kuning) ueber den letzten westroemischen Dux Syagrius und der Ausschaltung von Chlodwigs gesamter merowingischen Verwandtschaft, die ihn zum alleinigen souveraenen "rex francorum dominus galliae" mache sollte. Die Verschmelzung der galloroemischen Bevoelkerung mit den fraenkischen Eroberern, zu der neben der Uebernahme von roemischer Verwaltung, Rechtswesen und Rechts auch die Modernisierung des germanischen Heeresweesen gehoert, wird zur Basis eines gemeinsamen neuen Staatswesen. Zur Legitimation weiterer territorialer Expansionsbestrebungen bedient sich der heidnische Abkoemmling des mythischen Merowech auch des Beistandes des roemisch-katholischen Klerus, der sich dadurch im Gegenzug der arianischen Haeresie in den benachbarten Germanenstaaten entledigen will. Raffinierte naechtliche Bekehrungsversuche seiner burgundischen Ehefrau Clothilde und utilaristischte Aspekte bewegen den (spaeter durchaus rueckfaelligen) Verehrer Wodans schliesslich zur Annahme des Trinitaetsdogmas und anschliessender Taufe...
Amuessant sind die teologischen Dispute des Frankenkoenigs mit seiner Gattin und dem Bischof vom Reims, sowie der Franken untereinander. Fuer eine besondere (emotionale) Spannung sorgen die wechselhaften Schicksale zweier Romangestalten, des Heerfuehrer Baddo und seiner ehemaligen Geliebten Scylla. Eine Zeittafel und eine historische Landkarte runden das Gesamtbild ab.
Robert Gordian ist mit "Der Wolfskoenig" ein informativer und packender Roman gelungen, der das Praedikat "historisch" verdient und zudem zum Thema Merowinger eine Raritaet darstellt. Den geschichtlich interessierten Lesern kann er auch als Bindeglied zwischen Thomas R. P. Mielkes Romanbiographien "Attila" und "Karl Martell" empfohlen werden. Auch fuer Leser, die Freude an Wikingergeschichten und ihrem spezifisch immanenten Humor finden (z. B. "Roede Orm", "Die Maenner von Meer" u. a.) ist Gordians Werk gleichermassen empfehlenswert. 5 Amazonsterne!