Ich bin enttäuscht.
Ich hatte zuvor nur einige kürzere Aufsätze von Susan Sontag gelesen und fand diese durchweg interessant.
Mit diesem Roman hat sie meiner Meinung nach aber nicht gerade eine Glanzleistung abgeliefert.
Man erfährt fast nichts über die Hauptperson des Romans, erlebt sie nur selten in Interaktion mit anderen Figuren. Ihren "Charakter" fasst sie selbst in ein paar aufgezählten Stichworten zusammen. Insgesamt bleibt sie unscharf.
Der Großteil der Erzählung dreht sich um ihre "Empfindungen" und das Ringen mit irgendwelchen Charakterschwächen.
Ausführlichst werden irgendwelche belanglosen Träume nacherzählt, gedeutet und diskutiert, die die Hauptperson angeblich "umtreiben" und "nicht zur Ruhe kommen lassen". Warum, kann man nicht nachvollziehen. Diese Träume sind weder drastisch in ihrer Bildsprache noch verstörend in ihrem Inhalt. Sprachliche und bildliche Extreme werden weiträumig umschifft. Die Schilderung von Liebe, Verführung und Sexualität beschränkt sich auf ein keusches Andeuten in der Art von Proust und Montherlant, aber ohne Schlüpfrigkeiten - obwohl sie keinen unwesentlichen Teil der Handlung ausmacht.
Spätestens nach 50 Seiten hat man begriffen, dass nichts Wichtiges mehr in diesem Buch passieren wird. Selbst die bedeutenden Momente der Handlung werden in solch einer müden, selbstgefälligen Art geschildert, dass man kaum noch Lust hat, weiterzulesen.
OK, ich erwarte nicht unbedingt "Spannung" und "Handlung" von einem Roman.
Vielleicht habe ich mir auch zu wenig Mühe gemacht, die verwendeten Bilder und Metaphern, die Probleme und Gedanken der Hauptperson zu verstehen. Die verschwurbelte Erzählweise, die blassen, wenig plastischen Figuren und die unspektakuläre Sprache laden aber auch nicht dazu ein.
Wer mehr Geduld mitbringt als ich, wird vielleicht auch mehr aus dem Buch gewinnen können. Allen anderen rate ich aber vom Kauf ab.