Aus der Amazon.de-Redaktion
Kalkofe und Welke, die im Radio die Rollen von Long und Longer unnachahmlich verkörperten, wurden auch für den Film nicht nur als Autoren aktiv. Doch während Oliver Welke sich mit einer Nebenrolle begnügte und die Rolle des Ermittlers Very Long dem ausgewiesenen Comedian Bastian Pastewka überließ, schlüpfte Kalkofe für den Film erneut in die (ungewaschene) Haut von Chief-Inspector Even Longer, was ziemlich genau das Hauptproblem des Films ist. Wie lustig der Film trotz des wie gewohnt durchgedrehten Skripts hätte werden können, zeigen nämlich die Passagen, in denen Comedians und/oder ausgebildete Schauspieler die Szenen tragen. Ob Anke Engelke, Olli Dietrich oder der in einer dankbaren Rolle absolut brillierende Christoph-Maria Herbst auf der einen Seite und Thomas Fritzsche oder der sagenhafte Wolgang Völz auf der anderen Seite -- sie produzieren die wirklichen Lacher in dem Film.
Kalkofe ist Satiriker, er ist Kolumnist, er ist ein guter Moderator, aber leider ist er weder ein Comedian noch ein Schauspieler. Die Szenen mit Kalkofe strahlen keinen Witz aus, was selbst der erfahrene Pastewka an seiner Seite nicht kompensieren kann. Darum ist Der Wixxer zwar eine hervorragende Parodie, aber nur eine mittelgute Komödie. Das ist schade, denn die Liste mit nennenswerten Gastauftritten (u.a. Kermit-Sprecher Andreas von der Menden als "Frosch ohne Maske"!) ist lang und gut. Nicht nur deshalb, sondern vor allem auch auf Grund der kultigen Vorgeschichte des Wixxers hätte man Kalkofe und Welke (und vor allem sich selbst) einen grandiosen Erfolg gewünscht. --Mike Hillenbrand
Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: Technisch auf sehr gutem Niveau, die Extras sind vorwiegend amüsant und wenig bißfest.
Bild: Das Scopebild ist sehr plastisch und kontraststark. Nur gelegentlich tritt ein wenig Grieseln, z.B. in großen, hellen oder kräftig gefärbten Hintergründen auf (00.49.45). Die Schärfe ist sehr gut und auch feinste Details, wie Muster an des Butlers Anzug, sind krachscharf erkennbar. Die Kompression ist rundweg gelungen, lediglich in Hatlers Nachtauftritten mit Kerze tritt völlig typisches und auch akzeptables Nachziehen auf.
Ton: Die außerodentlich druckvolle Musik wandert in einigen Szenen sogar durch den Hörraum und verlagert dabei unaufdringlich und doch bemerkbar den Schwerpunkt mal seitlich nach links, mal etwas weiter in die Mitte (0049.15). Dabei werden alle Instrumente vorbildlich und sauber trennbar im Raum platziert, ohne auch nur einmal die Ortbakriet und Verständlichkeit der Dialoge zu gefährden. Dutzende Male werden, sich öffnende Türen oder Fahrzeuge auch außerhalb des Bildschirms etwas zu laut, aber dafür umso vergnüglicher akustisch nachvollzogen (00.36.10 Tür). Dabei entwickelt auch der Bass ein massives Fundament, das sich in vehementen Bassattacken entlädt.
Extras: Das Beste vorweg: Der Antipiraterievorspann von und mit "Hatler" ist ein Juwel der DVD. Da legt man arglos die DVD ein und der Führer stellt mit glaubwürdig nachgestellter Mimik und Gestik die DVD vor, um sodann den Raubkopierern den Krieg bis zum letzten...zu erklären. Das der Schaden in Reichsmark beziffert wird, mag manchem Ewig-Gestrigen sicherlich wieder hochkommen, aber diese Generation hier darf herzlich darüber lachen, denn der Spot ist unglaublich komisch und beweist weit mehr Werbewirksamkeit, als alle unkreativen Handschellenspots zusammen. Die Bonus-DVD enthält eine kleine Vielzahl an drehbegleitetenden Dokus, die aber durchweg mehr Entertainment als Infoplatform ist. Das Wallace Special, in dem Oliver Kalkofe in Textform seine Top 5 Wallace Filme beschreibt und ein paar andere Kleinigkeiten zeugen von der Selbstverliebtheit des Autors bei der Entwicklung der DVD und gehören eher in die Schublade "Belanglosigkeiten". Viel schöner wäre es gewesen, wenn man in einer Untertitelspur die diversen Anspielungen auf die Wallacevorlagen benannt hätte. --movieman.de
VideoMarkt
Video.de
stern
Blickpunkt: Film
Wallace-Afficionados werden nicht schlecht staunen, was Kalkofe und Co. alles an bekannten Motiven und Figuren in ihrem Film untergebracht haben. Das beginnt bei der hinreißenden Nonsens-Eröffnungssequenz mit einem Paukenschlag, in der die 'Blind Date'-erprobten Olli Dittrich und Anke Engelke als ostdeutsches Ehepaar auf England-Urlaub in einem in tiefstes Schwarzweiß getauchten Wald en passant dem 'Hund von Blackwood Castle' (hier 'Blackwhite Castle' getauft - das letzte Schloss in Großbritannien in Schwarzweiß!), dem 'schwarzen Abt' und den 'toten Augen von London' begegnen, bevor der titelgebende 'Wixxer' seinen ersten Auftritt hat. Dementsprechend sieht auch das gewählte Personal aus: Kalkofe übernahm den Siegfried-Lowitz-Part als Chefinspektor Even Longer, der sich am tragischen Tod seines alten Partners Rather Short die Schuld gibt. Pastewka steht ihm als Ersatz-Eddi-Arent und neuer Partner Very Long zur Seite. Dazu gibt es durchtriebene Adlige (Thomas Fritsch), propere Maiden, die tatsächlich Millionenerbinnen sind und davon nichts ahnen (Tanja Wenzel), schmierige Dandy-Bösewichte (Lars Rudolph diesmal ehrlich und aufrichtig in den Fußstapfen von Klaus Kinski), stocksteife Butler (Christoph M. Herbst mit Hitler-Bärtchen und rollendem R als Alfons Hatler - sehr komisch!), geheimnisvolle Haushälterinnen und den unvermeidlichen Sir John, dargestellt von Wolfgang Völz, der 1960 tatsächlich in Jürgen Rolands Wallace-Verfilmung 'Der grüne Bogenschütze' eine Nebenrolle hatte. Und natürlich gibt es mit dem 'Wixxer' einen maskierten Bösewicht, wie sie zur festen Ausstattung gepflegter Wallace-Filme gehörten, der hier aber ähnlich megalomanische Absichten trägt wie 007-Schurken.
Mit erkennbar viel Liebe wurde die letztlich natürlich vernachlässigbare Handlung aus all den bekannten Versatzstücken der frühen Wallace-Adaptionen gestrickt: Während die Polizisten Longer und Long Jagd auf den dämonischen Wixxer machen, der selbst die Londoner Unterwelt dezimiert, um selbige übernehmen zu können, kommen sie auf die Spur des Earl Of Cockwood, der auf seinem Schloss Möpse züchtet und damit seinen regen Handel mit Girl-Groups verdeckt. Durch mysteriöse Schlösser mit Geheimgängen, neblige Moore, verrauchte Spelunken und finstere Hafengelände geht die Hatz, die doch nur das Gerüst bildet für so viele Gags, wie man sie in der Laufzeit von 85 Minuten unterbringen kann. Wer aufgrund des Titels Befürchtungen gehegt hat, Kalkofe und Co. würden beim Humor ihres Films lediglich die unterste Bad-Taste-Schublade aufmachen, sieht sich angenehm getäuscht. Gewiss, es gibt geschmacksfreie Entgleisungen wie 'Mrs. Drycunt' und auch eine gewisse pubertäre Vorliebe für Brust- und Penis-Witze, doch in erster Linie haben die Pointen Charme und zudem eine verblüffend hohe Trefferquote. Neben dem wunderbaren Showdown, der aus der Budgetnot eine Tugend macht und eine verrückte Fahrradverfolgungsjagd auf Lager hat, gehören Pastewkas Kurzauftritte als aus 'Die Wochenshow' bekannter indischer Rosenverkäufer oder eine Konferenz der gesammelten Bösewichte Londons zu den Höhepunkten. Wie Bully bei 'Der Schuh des Manitu' zeigt auch der 'Ladykracher'-erfahrene Filmregiedebütant Tobi Baumann ein erfreuliches Gefühl für Kinobilder. Gewöhnungsbedürftig mag Oliver Kalkofe ausgerechnet in der Hauptrolle sein, aber der guten Laune tut auch sein darstellerischer Minimalismus keinen Abbruch. ts.