Die in Deutschland verheiratete Französin Gabrielle Wittkop hat mit diesem Buch einen historischen Roman geschrieben, der die für dieses Genre typischen Leser, die nach neuen 800-Seiten-Wälzern als interessantes Lesefutter gieren, wohl eher abschrecken wird. Nur 110 Seiten umfasst dieses literarische Kleinod von Roman, aber Wittkop schafft es, darin mehr Einblicke zu vermitteln als so mancher historische Bestseller-Schinken.
Sie zeichnet ein farbiges Bild Venedigs im ausgehenden 18. Jahrhundert, einer Stadt im nahezu beständigen Festtaumel eines perpetuierten Karnevals. Man wäre fast geneigt zu sagen, es entstünde ein lebendiges Bild der Stadt, wenn nicht im Mittelpunkt des Romans der Tod stünde. Der Tod, der sich alle vier Ehefrauen des Kaufmanns Alvise Lanzi holt, eine nach der anderen stirbt einen mysteriösen Tod. Ist es Gift? Wenn ja, wer ist der Übeltäter? Und noch viel wichtiger: Interessieren diese Todesfälle überhaupt jemanden in dieser Zeit, in dieser Stadt?
Wittkops Sprache und die mit dem André-Gide-Preis ausgezeichnete exzellente Übersetzung von Claudia Kalscheuer überzeugen vollkommen. Einzig die allzu kühle Distanz, mit der bisweilen an die Sache herangegangen wird, kostet einen Stern.